Honduras: Armut, Banden, Gewalt!

Bild: © Foto: Francesco Michele (CC BY-NC) -

Nicht Mexiko, nicht Kolumbien, sondern Honduras ist statistisch gesehen das gefährlichste Land der Welt (82 Ermordete pro 100.000 Einwohner).1 Ein Bericht des auslandsjournals offenbarte jüngst die verheerenden Zustände in dem mittelamerikanischen Staat.2 In der zweitgrößten Stadt des Landes, San Pedro Sula, liegt die Mordrate sogar bei knapp 159 pro 100.000 Einwohner.3 Mit diesem traurigen Rekordwert liegt San Pedro Sula noch vor Ciudad Juárez in Mexiko.

In die Slums von San Pedro Sula traut sich die Polizei schon lange nicht mehr hinein. Dort regieren die Banden, wie etwa die verfeindeten Mara Salvatrucha und Mara18. Die Polizei zeigt allenfalls an den Rändern der Elendsviertel Präsenz. Die Gewalt ist allgegenwärtig. Bandenmitglieder, Polizisten, Zivilisten – niemand kann vor gewaltsamen Übergriffen sicher sein. Die elenden Verhältnisse, etwa 60% der Honduraner leben in Armut, sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Jugendliche den Banden anschließen oder von ihnen rekrutiert werden. Die Polizei – chronisch unterbesetzt, schlecht bezahlt und anfällig für Bestechungsgelder – kann den Banden nicht viel entgegensetzen. Oftmals arbeiten Polizisten daher mit der organisierten Kriminalität zusammen. Infolgedessen werden Entführung, Folter und Mord in der Regel nicht geahndet. Julieta Castellanos, Rektorin der Nationalen Autonomen Universität von Honduras (UNAH), belegt dies im Bericht mit erschreckenden Zahlen: Etwa 95% der Frauenmorde würden demnach nicht aufgeklärt und in den vergangenen anderthalb Jahren seien über 16 Journalisten getötet worden.

Honduras ist ein wichtiges Transitland im Drogenschmuggel zwischen Süd- und Nordamerika. Die Banden im Land sind für den reibungslosen Ablauf der Drogentransporte zwischen Südamerika und Mexiko verantwortlich. Daneben beziehen sie auch Geld aus anderen Geschäften wie Diebstahl, Prostitution, Waffen- und Menschhandel. In Folge eines Staatsstreiches des Militärs im Jahr 2009 ist die Unsicherheit in Honduras noch einmal gestiegen. Neben Journalisten werden nun auch Demokratieaktivisten häufig Opfer von Gewaltakten.4

  1. Telepolis: „Honduras ist zum mörderischsten Land der Erde geworden“, Beitrag vom 31.10.2011 []
  2. ZDF-auslandsjournal: „Honduras in der Hand des Verbrechens“, zuletzt abgerufen am 05.09.2012. []
  3. Seguridad, Justicia y Paz, Spanisch: „San Pedro Sula, la ciudad más violenta del mundo; Juárez, la segunda”, zuletzt abgerufen am 05.09.2012. (nicht mehr aufrufbar) []
  4. amerika21.de: „Neue Morde an Oppositionellen in Honduras“, zuletzt abgerufen am 06.09.2012. []

Über Andreas / EarthLink

Praktikant bei EarthLink, studiert Geschichte mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Münster.
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