Kolumbien: Gold statt Drogen?!

Bild: © Foto: Jenny Mealing (CC BY 2.0) -

Schon im 16. Jahrhundert kursierte unter den europäischen Entdeckern und Eroberern in Südamerika die Legende vom sagenhaften Goldland El Dorado. Wie nun bekannt wurde hat Gold in wenigstens acht Regionen Kolumbiens (Antioquia, Chocó, Córdoba, Bolívar, Santander, Tolima, Valle y Cauca) den Drogenanbau als Haupteinnahmequelle für  kriminelle Gruppierungen abgelöst.1 Dieses Ergebnis belegt das »Internationale Zentrum von Toledo für den Frieden« (Centro Internacional de Toledo para la Paz, CITpax) in einer Studie über illegalen Minenbetrieb in Kolumbien. Guerillas, Paramilitärs und kriminelle Banden hätten inzwischen Unternehmen und Bürgermeisterämter unterwandert, um den Abbau wertvoller Metalle unter ihre Kontrolle zu bringen. Weiterhin dokumentiert der Bericht, dass im Jahr 2010 rund 86% des gewonnenen Goldes illegal gefördert wurden. Die Farc sei mit 20% am stärksten am illegalen Geschäft beteiligt. Guerillas und Banden seien zum Teil sogar dazu übergegangen eigene Maschinerien zum Abbau zu beschaffen. Gegenmaßnahmen wie eine verstärkte Militarisierung der betroffenen Regionen und die Beschlagnahmung von Maschinen hätten keine Erfolge gegen die illegalen Organisationen gezeigt.

Das Geschäft im illegalen Bergbau bringt aus Sicht der kriminellen Gruppen einige Vorteile mit sich: Eine kleine Goldmine ist unauffälliger als ein Koka-Feld.2 Zudem ist der Goldpreis mit über 1700$ pro Unze derzeit sehr attraktiv. Kolumbianische und US-amerikanische Spezialeinheiten sind im Kampf gegen die verschiedenen Gruppen vor allem auf Anti-Drogen-Taktiken spezialisiert. Deshalb konnten die Gruppen ihr Geschäft auf seltene und wertvolle Mineralien und Metalle ausweiten. Neben Gold handeln sie inzwischen auch mit Smaragden und Wolfram. Da der Bergbau oftmals in entlegenen Gebieten stattfindet, ist es für die Armee schwierig dagegen vorzugehen. Während sich in vielen ehemaligen Hochburgen der Drogenbanden, etwa in Medellín, die Sicherheitslage deutlich verbessert hat3, ist die Gefahr für Bewohner ländlicher Gebiete gestiegen. Vor allem indigene Völker sind oftmals Leidtragende der Gewalt.4

Das Schwellenland Kolumbien ist dank stabiler Wachstumsraten in den vergangenen Jahren für ausländische Investoren besonders interessant geworden.5 Diese haben seit dem Jahr 2006 etwa 13 Milliarden Dollar in Kolumbien investiert, begünstigt durch großzügige Förderlizenzen und Steuererleichterungen durch die kolumbianische Regierung. Ein Großteil des Geldes ist in den Agrar-, Energie- und Bergbausektor geflossen. Doch diese vermeintlich positive wirtschaftliche Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten. Im Alltag der Bevölkerung macht sich der Aufschwung kaum bemerkbar. Kolumbien gehört weltweit zu den Ländern mit der größten sozialen Ungleichheit.6 Die CITpax-Studie schließt zudem Verbindungen zwischen multinationalen Konzernen und den illegalen Geschäften der Guerillas, Paramilitärs und kriminelle Banden im Bergbau nicht aus.

  1. El Tiempo, Spanisch, „Minería ilegal desplaza a la coca en ocho regiones”, zuletzt abgerufen am 14.09.2012. []
  2. Fox News Latino, Englisch, „Colombia’s New Cocaine: Blood Gold“,zuletzt abgerufen am 14.09.2012. []
  3. Deutschlandradio, „Abkehr von Gewalt und Drogen“, zuletzt abgerufen am 14.09.2012. []
  4. Blogeintrag bei »DrogenMachtWeltSchmerz«: „Drogenanbau in Kolumbien: Gefährdung indigener Völker“, zuletzt abgerufen am 14.09.2012. []
  5. Finanzen.ch, „Reich an Öl und Gold – Kolumbiens steiler Aufstieg“, zuletzt abgerufen am 14.09.2012. []
  6. Blogeintrag auf »Aktiv gegen Kinderarbeit«: „Zahl der arbeitenden Kinder in Kolumbien gestiegen“, zuletzt abgerufen am 14.09.2012. []

Über Andreas / EarthLink

Praktikant bei EarthLink, studiert Geschichte mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Münster.
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