Drogensucht in Russland: „Tragödie mit apokalyptischem Ausmaß“

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5,9 Millionen Drogensüchtige gibt es in Russland, 70 % davon sind jünger als 30 Jahre alt1. Jeden Tag sterben 82 junge Menschen durch Drogenkonsum2. Auch die Zahl der Infektionskrankheiten, vor allem HIV-Infektionen, hat stark zugenommen, fast jede zweite HIV-Infektion wird durch unsauberes Spritzbesteck übertragen3 . „Die Situation mit den Drogen vertieft sich in den letzten zehn Jahren. Wir beobachten vorläufig keine günstigen Tendenzen“, sagt die wissenschaftliche Leiterin des Nationalen Forschungszentrums für Narkologie, Valentina Kirschanowa4. Die Experten warnen: Falls diese Tendenz anhält, wird bald jede zehnte russische Familie mindestens ein drogensüchtiges Mitglied haben. Im Jahr 2011 wurden rund 128 000 Raubüberfälle in Russland verübt – 70 Prozent davon unter Einfluss von Drogen. Nach Angaben der russischen Justizorgane hängt jedes dritte Verbrechen im Lande mit Rauschgift zusammen5. Der Chef der russischen Drogenpolizei Viktor Ivanow spricht über Drogenhandel als unmittelbare Gefahr für die ganze Nation. „Die Drogentragödie in Russland hat in der Tat apokalyptische Ausmaße“, meint er6.

Russland gehört zu den größten Heroinmärkten der Welt. Zwischen 10 und 12 Tonnen Heroin werden in Russland pro Jahr beschlagnahmt7. Die Mehrheit davon kommt aus Afghanistan.

Die Bedingungen für den Drogenverkehr aus Afghanistan nach Russland sind sehr günstig: Im Unterschied zu der Westgrenze mit Iran ist die afghanische Nordgrenze mit Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan sehr schlecht bewaffnet. Von dort werden die Drogen durch Kasachstan nach Russland gebracht. Da es zwischen Russland und Kasachstan keine Visumpflicht gibt, ist es leicht für Drogenkuriere, die Grenze zu überqueren. Das hatte z.B. auch Akbar M. viele Male getan, bevor er mit 126 Kilogramm Heroin in  St. Petersburg festgenommen wurde. „Unsere Grenzen sind offen, von allen Seiten her strömen Marihuana, Opiate und alles Mögliche zu uns“, so Valentina Kirschanowa8.

Im Jahr 2010 hat die russische Regierung eine Anti-Drogenstrategie beschlossen. Neben der Zusammenarbeit mit der Polizei der zentralasiatischen Länder und der Verschärfung der Grenzkontrollen stehen in der Liste der notwendigen Maßnahmen auch Änderungen des Kriminalgesetzes (unter anderem die Erhöhung der Haftstrafe für Drogenhandel) sowie die internationale Zusammenarbeit, vor allem mit den USA und anderen Mitgliedern der NATO. Ohne eine kardinale Änderung der Situation des Drogenanbaus in Afghanistan kann sich die Lage in Russland kaum verändern, meint Ivanow. Deshalb fördert Russland ein härteres Vorgehen der NATO-Truppen gegen den Drogenanbau in Afghanistan. Im Jahr 2010 haben die USA und Russland die erste massive Razzia gegen Drogenproduktionsstätten in Afghanistan durchgeführt. Damals wurden 932 Kilogramm Heroin vernichtet, der Schaden für die Drogenhändler wurde auf mehr als eine Milliarde US-Dollar geschätzt9. Doch russische Behörden finden die existierende Kooperation für die endgültige Beseitigung des Drogenanbaus in Afghanistan unzureichend10.

Rund eine Million russische Bürger im Alter zwischen 15 und 34 Jahren sind seit 2001 an den Folgen des Drogenkonsums gestorben. Und die russischen Behörden fürchten, dass diese Zahl  weiter steigen wird, da laut Prognosen der Drogenverkehr nach dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan weiter zunehmen wird11.

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  2. ВСМ Борьба с наркоманией в России – nicht mehr verfügbar []
  3. Tagesspiegel Drogenkonsum in Asien steigt []
  4. РИА Новости Drogenkonsum in Russland []
  5. РИА Новости Drogenkonsum in Russland: Eine Million Tote seit 2001   []
  6. Нет наркотикам О причинах и последствиях афганского трафика для Российской Федерации []
  7. Нет наркотикам О причинах и последствиях афганского трафика для Российской Федерации []
  8. РИА Новости Drogenkonsum in Russland []
  9. ФСКН Статистическая информация – nicht mehr verfügbar []
  10. Нет наркотикам О причинах и последствиях афганского трафика для Российской Федерации []
  11. Вести Сибири Давление афганского наркотрафика на Россию в ближайшие годы не снизится – ФСКН []
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