Wiederauferstehung des Goldenen Dreiecks aufgrund wachsender Heroinnachfrage in China

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Lange sah es danach aus, dass der Anbau von Schlafmohn zur Produktion von Opium und Heroin in den Ländern des goldenen Dreiecks Burma, Laos und Thailand, dem traditionellen Anbaugebiet, erfolgreich bekämpft werden kann. Seit 6 Jahren ist allerdings ununterbrochen eine starke Zunahme der Anbaufläche, besonders in Burma, aber auch in Laos festzustellen. Der Hauptgrund ist eine steigende Nachfrage nach Heroin. Besonders in China, einem Nachbarland von Burma und Laos, ist ein Anstieg des Drogenkonsums zu verzeichnen. Eine erhöhte Kaufkraft aufgrund der rapide wachsenden Wirtschaft wirkt sich auch auf das Geschäft mit Drogen aus.

Burma (Myanmar) war lange Hauptanbaugebiet von Schlafmohn mit einem Höhepunkt der Heroin- und Opiumproduktion in den 1990er Jahre. Die Anbaufläche umfasste insgesamt 160.000 Hektar, eine Fläche fast doppelt so groß wie Berlin. Der Anbau von Schlafmohn verlagerte sich dann allerdings vom Goldenen Dreieck zum Goldenen Halbmond in die Länder Iran, Pakistan und vor allem Afghanistan. Eine Ursache ist sicherlich ein 15-Jahres-Plan der Regierung Burmas mit dem Ziel, die Produktion von Heroin und Opium zwischen 1999 und 2014 komplett zu stoppen. Bis 2006 konnte die Anbaufläche um 83% auf nur noch 21.600 Hektar verringert werden und es sah danach aus, dass dieses Vorhaben gelingen könnte. Eine erhöhte Nachfrage hat seitdem zu einer rasanten Preissteigerung geführt. Heute können Bauern für Rohopium den fünffachen Preis von 2002 erzielen. In diesem Jahr treiben massive Ernteausfälle in Afghanistan den Preis besonders weit nach oben. Als Folge vergrößerte sich die Anbaufläche wieder auf über 50.000 Hektar. Es wird geschätzt, dass in diesem Jahr 700 Tonnen Opium mit einem Wert von ca. 360 Mio. Dollar produziert werden, was in Vergleich zu 2009 bereits eine Verdopplung bedeutet.1

In Laos verläuft die Entwicklung ähnlich. Die prozentuale Zunahme der Anbaufläche ist in diesem Jahr sogar noch größer als in Burma, allerdings auf einem niedrigerem Gesamtniveau. So wurden in Laos 2012 schätzungsweise 6.800 Hektar für den Anbau von Schlafmohn genutzt.

Laos und vor allem Burma gehören zu den ärmsten Ländern in Südostasien und in den Hauptanbaugebieten reichen die Erträge den Bauern kaum zum Überleben aus. Der Mohnanbau verspricht bis zu 15 Mal höhere Einkünfte als der Weizenanbau und stellt für die Bauern eine lukrative Einnahmequelle dar. Einige Bauern werden auch von Militär oder Rebellen gezwungen, Schlafmohn anzubauen, denn der Handel mit Opium ist auch für sie einträglich und die finanzielle Grundlage für den Erwerb geschmuggelter Waffen. Heute steht Burma zwar am Anfang von Demokratisierungsprozessen, die letzten Jahrzehnte der Geschichte Burmas standen aber im Zeichen der Militärdiktatur. Drogengelder waren und sind sowohl für Militär als auch für Rebellengruppen von Bedeutung für die gewaltsame Kontrolle über einzelne Gebiete und bringen daher noch größeres Leid in die betroffenen Gebiete.2

Eine Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Regierung und Rebellengruppen ethnischer Minderheiten aus den Hauptanbaugebieten erlauben ein wenig Hoffnung, dass die Bewaffnung mit Drogengeldern an Bedeutung verliert.3 Zudem versucht die Regierung verstärkt, Anbauflächen zu zerstören und konnte 2012 bis jetzt bereits eine dreimal so große Fläche wie 2011 vernichten. Die Polizeibeamten werden bei ihrem Vorgehen gegen Schmuggler vom United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) mit Schnelltests für Rohopium unterstützt. Der Dschungel und die Gebirgszüge im Gebiet der langen Grenze zu China ermöglichen den Drogenbanden allerdings ein schwer zu kontrollierendes Gebiet, ideal für die versteckte Produktion und den Schmuggel von Opium.4

In China wird von 2,5 Millionen Heroinabhängigen ausgegangen, was für Drogenschmuggler und Mohnbauern einen attraktiven Markt ausmacht. Die hohen erhofften Erträge und die mangelnden Alternativen lassen das entschiedene Vorgehen der Regierung nur wenig abschreckend erscheinen. Das Problem des wieder erstarkten Drogenanbaus scheint nur durch Maßnahmen gegen die Armut der Landbevölkerung zu lösen.3

„Die Zerstörung der Felder alleine ist keine zufrieden stellende Lösung. Wir müssen uns vielmehr daran erinnern, warum die Bauern Mohn für die Drogenproduktion anbauen. Hier geht es meist ausschließlich darum, sich selbst und die Familien zu ernähren,“ sagt Jason Eligh, der UNODC Beauftragte Burmas, der Investitionen aus dem Ausland begrüßt, um Programme zu starten, die eine alternative Einkommensquelle ermöglichen und die Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherstellen.5 Das Einsetzen eines Demokratisierungsprozesses Burmas könnte dieses Vorhaben unterstützen. Einige Sanktionen der USA und Europas sind in den letzten Monaten bereits weggefallen.

 

 

  1. In Südasien floriert der Opiumhandel – FAZ []
  2. UN report: Opium cultivation rising in Burma – BBC News []
  3. Opium ist zurück in Asiens Goldenem Dreieck – Wall Street Journal [] []
  4. Fighting illicit drugs in Myanmar by giving law enforcement better equipment – UNODC []
  5. Myanmar opium cultivation up despite rise in poppy eradication, UNODC says – UNODC []
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