Luftbrücken für den Drogenhandel – Per Flugzeug nach Mittelamerika und Westafrika

Bild: © n.v. -

Rund ein Drittel aller in den USA registrierten Flugzeuge können ihrem Besitzer nicht eindeutig zugeordnet werden. Laut der US-Luftfahrtbehörde FAA betrifft das immerhin 119.000 Luftfahrzeuge. Darunter befinden sich sowohl Kleinflugzeuge als auch mehrstrahlige Passagierflugzeuge. Viele ältere Flugzeuge wurden ausrangiert, verrosten und sind nicht mehr flugfähig. Einige Maschinen dürften sich aber auch in den Händen von Kriminellen befinden. Drogenbanden erwerben alte Flugzeuge und schmuggeln damit tonnenweise Drogen über den Luftweg aus Südamerika.1

Radardaten, die die US-Regierung gesammelt hat, zeigen eine Vielzahl unregistrierter Flüge von Süd- nach Mittelamerika. Es wird angenommen, dass größtenteils Drogen die Fracht dieser Flüge sind. Von den zentralamerikanischen Ländern werden die Drogen, vorrangig Kokain, von den mexikanischen Drogenkartellen in die USA geschmuggelt. Für diese Routen reichen kleinere Flugzeuge, die auf versteckten Landebahnen im Dschungel starten und landen können.

Viele Flugzeuge starten in Venezuela, vor allem im Grenzgebiet zu Kolumbien. Hier haben die US-Drogenbehörden aufgrund ständiger politischer Konfrontationen zwischen Venezuela und den USA keinen Handlungsspielraum. Die FARC, die den Drogenanbau in Kolumbien kontrolliert, bringt Kokain über die Grenze nach Venezuela, um es dort in Flugzeuge zu verladen. Venezuela weist zwar regelmäßig auf die eigenen Anstrengungen im Kampf gegen den Drogenhandel hin und präsentiert große Mengen beschlagnahmtes Kokain oder berichtet über die Zerstörung von illegalen Landebahnen. Die Nutzung zahlreicher Landebahnen im Grenzgebiet zu Kolumbien zeigt allerdings ein anderes Bild auf. Man sieht sich nicht in großer Verantwortung, da man mit der Produktion in Kolumbien und dem Konsum in den USA nichts zu tun hat. Hinzukommen Korruption und eine anti-amerikanische Haltung.2

Aber auch große Passagiermaschinen werden von den Drogenbanden gekauft. Ältere Modelle wie die DC8 oder die Boeing 727 sind bereits ab 200.000 US-Dollar zu haben. Mit ihnen können große Mengen bis zu einigen Tonnen geschmuggelt und größere Reichweiten zurückgelegt werden. So können auch die Länder Westafrikas erreicht werden. Von dort werden die Drogen nach Europa geschmuggelt, das als zweiter Absatzmarkt neben den USA zunehmend von Interesse ist. Die politische Instabilität und die vorherrschende Korruption in diesen Ländern kommen den Drogenbanden zu Gute.3

Auf zahlreichen Flughäfen stehen Flugzeuge, die unangemeldet aus Südamerika kommend gelandet sind. Bis sich Sicherheitskräfte für diese Maschinen interessieren, hat die Crew das Flugzeug schon entladen und ist mit den Drogen verschwunden. 2009 wurde in der Wüste Malis das Wrack einer Boeing 727 gefunden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese von Schmugglern in der Wüste gelandet und in Brand gesteckt wurde. Da mit einem Flug mehrere Tonnen transportiert werden können, lohnt es sich die Maschinen einmalig zu nutzen und zurückzulassen. Der Wert der Drogen vervielfacht sich auf dem Weg von Südamerika bis hin zum Straßenmarkt in Europa.3

Alte Flugzeuge dagegen werden gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten reihenweise ausgemustert und sind dementsprechend billig. Leicht zu bekommen sind sie auch. Sie können ohne Wissen der Behörden gekauft und betrieben werden.

Um sich einen besseren Überblick über die in den USA registrierten Flugzeuge zu verschaffen, fordert die US-Luftfahrtbehörde, dass Flugzeuge künftig alle drei Jahre erneut registriert werden müssen.4 Die Vielzahl alter Flugzeuge lässt eine Kontrolle aller Maschinen aber unmöglich erscheinen.

  1. Mehr als 100.000 “Geisterflugzeuge” in den USA – Austrian Wings []
  2. Cocaine’s Flow Is Unchecked in Venezuela – New York Times []
  3. Die Kokainbrücke – Die Zeit [] []
  4. Mehr als 100.000 “Geisterflugzeuge” in den USA – Austrian Wings []
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