Europol: Drogenhandel in Europa an der Spitze der organisierten Kriminalität

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Insgesamt 3 600 organisierte kriminelle Gruppierungen sollen innerhalb der EU aktiv sein – so lautet das Fazit des gestern vom europäischen Polizeiamt EUROPOL veröffentlichten Berichts zur Beurteilung der organisierten Kriminalität in der EU („EU Serious and Organised Crime Threat Assessment 2013“).1

Vor allem das Geschäft mit illegalen Drogen sei lukrativer denn je – schätzungsweise 30% aller identifizierten kriminellen Gruppen sollen im Rauschgifthandel involviert sein. Zudem sei der dazugehörige Schwarzmarkt nach Einschätzungen Europols der dynamischste und vielschichtigste in der EU. Schließlich würden die Kriminellen in ihren Schmuggelstrategien immer einfallsreicher werden und in diesem Zusammenhang auch die herkömmlichen Drogenrouten stetig verändern. Dies hat eine Umverteilung der kriminellen Ressourcen sowie eine Ausweitung der organisierten Machenschaften zur Folge. Auch eine Zunahme der kulturübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Banden  sei zu beobachten – auch wenn, oder gerade weil, der Drogenmarkt immer kompetitiver wird. Damit einher geht das Streben nach Gewinnmaximierung und Kostenreduzierung seitens der Rauschgifthändler und -produzenten. Dieses bringt jedoch für die Konsumenten schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen mit sich. Im Zuge der Herstellung synthetischer Drogen werden beispielsweise minderwertige Ausgangssubstanzen verwendet sowie die Endprodukte gestreckt. Im Falle des Anbaus von Cannabis werden unter anderem Pestizide und Insektizide verwendet. Letztere Droge ist bis dato die populärste in Europa. Nach Angaben Europols gibt es zirka 23 Millionen Cannabis-Konsumenten im europäischen Raum, direkt gefolgt von den 4 Millionen Kokain-Konsumenten. Auf dem Vormarsch in Europa befinden sich ebenfalls, wie bereits der Jahresbericht des UN-Suchtkontrollrates (INCB)2 feststellte, synthetische Drogen sowie psychoaktive Substanzen. Die Nachfrage nach Heroin hingegen nimmt derzeit ab, der zugehörige Markt bleibt jedoch stabil. Ein Großteil des Cannabis-Harzes wird aus Afghanistan über die Balkanroute importiert. Kokain hingegen stammt meist aus Zentral- und Südamerika und gelangt über die Häfen der iberischen Halbinsel sowie des Schwarzen Meers nach Europa. Vor allem mexikanische Kartelle weiten ihre Geschäfte in dieser Region aus – Kolumbien hat nach Aussagen Europols seine diesbezügliche Vormachtstellung verloren. Den Handel mit Heroin hingegen dominieren vor allem albanisch-, pakistanisch- sowie türkischstämmige Gruppen.34

Der 46-seitige Bericht möchte die EU-Mitgliedsstaaten über die zunehmende Bedrohung durch systematisch organisierte und global vernetzte kriminelle Gruppierungen innerhalb der EU und Europas aufklären. Dabei stellt das Geschäft mit Drogen nur einen Teil ihres Tätigkeitsbereiches dar, auch der Menschenhandel sowie die Fälschung von Lebensmitteln floriert. Deshalb müsse die Ausarbeitung effektiver Gegenmaßnahmen durch die 27 Mitgliedsstaaten derzeit oberste Priorität haben, so Europol.56

  1. Europol identifies 3600 organised crime groups active in the EU – EUROPOL – aufgerufen am 20.03.13 []
  2. Report on the International Narcotics Control Board 2012 – INCB – aufgerufen am 20.03.13 []
  3. SOCTA 2013 – EUROPOL – aufgerufen am 20.03.13 []
  4. Europol says drug trade is Europe’s biggest problem – News24 – Artikel vom 19.03.13 []
  5. Europol identifies 3600 organised crime groups active in the EU – EUROPOL – aufgerufen am 20.03.13 []
  6. SOCTA 2013 – EUROPOL – aufgerufen am 24.03.2014 []

Über Laura G. / earthlink

Ich studiere im 6. Semester Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU München. Zu meinem Aufgabenbereich bei earthlink e.V. gehört unter anderem das Verfassen von Blogbeiträgen sowie das Recherchieren von Hintergrundinformationen zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitk.
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