Intervention in Mali: Pläne der Drogenschmuggler vorerst durchkreuzt

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Opération Serval – Diesen Titel trägt die im Januar 2013 gestartete Operation der französischen Streitkräfte in Mali. Der westafrikanische Binnenstaat ist seit dem Militärputsch 2012 von innerstaatlichen Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen geprägt.

Auslöser hierfür waren malische Soldaten, die sich gegen den ehemaligen Präsidenten Amadou Toumani Touré auflehnten, da dieser nach Meinungen der Streitkräfte nicht in der Lage war, den Aufstand der Tuareg im Norden des Landes effektiv zu bekämpfen. Bei den Tuareg handelt es sich um eine Stammesgruppe der „Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad“ (MNLA), welche die Unabhängigkeit der Region Azawad im Norden Malis fordert.1 Obwohl die Putschisten dem Druck der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) nachgaben und die MNLA im April 2012 ihre Offensive beendete –  indem sie die international nicht anerkannte Unabhängigkeit Azawads ausrief – rissen die innerstaatlichen Konflikte nicht ab. Teile der MNLA gerieten im Sommer 2012 in Konflikt mit islamistischen Gruppierungen wie den „Verfechtern des Glaubens“ (Ansar Dine) und der „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao). Sowohl die Mujao als auch die AQMI entspringen der radikalislamistischen al-Qaida.2 Bis zum Jahresende 2012 verschlechterte sich die Situation in Mali: Die malische Armee war nicht in der Lage, den Konflikt zwischen den Parteien zu schlichten, was vermutlich auch daran lag, dass sie selbst zwischenzeitlich immer wieder in Auseinandersetzungen mit den Putschisten geriet  –  ein regelrechter Siegeszug der Islamisten und Tuareg-Rebellen im Norden Malis sowie Opération Serval waren schließlich die Folge.34

Während Frankreichs Präsident Francois Holland bereits von der „letzten Phase“ des Militäreinsatzes in Mali spricht, konstatiert er zugleich die Verzögerung beim Abzug der französischen Truppen. Denn obwohl die Extremisten aus den wichtigsten Städten im Norden vertrieben und hochrangige Islamistenführer getötet wurden, sind Teile der Terrorgruppen weiterhin aktiv.56

Der internationale Einsatz zieht aber auch Folgen für den Drogenschmuggel in Mali nach sich.

Innerhalb der letzten Jahre hat dieser nämlich von Lateinamerika ausgehend über die Sahara-Staaten, so auch Mali, drastisch zugenommen. Grund hierfür ist der steigende internationale Verfolgungsdruck auf die traditionellen Schmuggelrouten der lateinamerikanischen Kartelle sowie die relativ große Nähe zu den afrikanischen Mittelmeerhäfen, über die die Ware – vorzugsweise Kokain – nach Europa geschifft wird. Im großen Stil ist das aber nur mit netzwerkartigen Strukturen möglich. Insbesondere für die Islamistengruppe AQMI im Norden Malis soll der Drogenschmuggel eine lukrative Einnahmequelle darstellen. Es wird auch vermutet, dass der resignierte malische Präsident Touré in die Drogengeschäfte mit lateinamerikanischen Kartellen verwickelt war, was den Militärputsch 2012 mit ausgelöst haben könnte.78

Mit der Intervention 2012 flogen schließlich zahlreich über und in Mali laufende Drogennetzwerke auf und damit auch die konventionellen Schmugglerrouten, so der französische Experte Mathie Guidere. Dennoch prognostiziert der Kriminologe Xavier Raufer schnelle Anpassungsmaßnahmen der Drogenhändler. Schließlich sei das Angebot an Kokain aus Lateinamerika kein einziges Mal in den vergangenen vierzig Jahren abgerissen. Alternative Schmuggelrouten zu Mali könnten deshalb Angola, die Demokratische Republik Kongo sowie das kriegsgebeutelte Libyen sein. Aber auch größere Umwege dürfen nicht ausgeschlossen werden. Der Handel mit Kokain boomt weiterhin, sodass sich die Verantwortlichen auch höhere Transportkosten leisten können.9

  1. Mali Besieged by Fightters Fleeing Libya – Stratfor – aufgerufen am 12.03.2013 []
  2. Die Akteure in Mali: Islamisten und Drogenhändler – TAZ – aufgerufen am 12.03.13 []
  3. Geiseldrama in Algerien, Krieg in Mali: Todeszone Sahara – Spiegel Online – aufgerufen am 12.03.13 []
  4. Bürgerkrieg in Mali: Frankreich jetzt im Kampfeinsatz – TAZ – aufgerufen am 12.03.13 []
  5. Frankreichs Rückzug aus Mali verzögert sich – DW – aufgerufen am 12.03.2013 []
  6. Islamisten-Kommandeur in Mali: Soldaten töten angeblich den „Einäugigen“ – Spiegel Online – aufgerufen am 12.03.2013 []
  7. Drogenkartelle sind Drahtzieher in Mali – WDR5 – aufgerufen am 12.03.13 []
  8. Drogen, Migration, Terror: Das schmutzige Geschäft islamistischer Rebellen in Mali – EuropeNews – nicht mehr verfügbar []
  9. Mali war disrupts cocaine supply to Europe – AFP – aufgerufen am 12.03.13 []

Über Laura G. / earthlink

Ich studiere im 6. Semester Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU München. Zu meinem Aufgabenbereich bei earthlink e.V. gehört unter anderem das Verfassen von Blogbeiträgen sowie das Recherchieren von Hintergrundinformationen zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitk.
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