Süchtig: Studie zu Kenias Straßenkindern

Flag of Kenya

Bild: © Public Domain - Wikimedia Commons

Eine Studie der Moi University in Eldoret (Kenia) in Zusammenarbeit mit der Indiana University in Indianapolis und der University of Toronto beschäftigt sich erstmals genauer mit dem Drogenkonsum von Straßenkindern in Afrika. In Eldoret, der viertgrößten Stadt Kenias, haben rund 75% der Straßenkinder Erfahrungen mit Drogen. Am beliebtesten ist neben Alkohol, Zigaretten, Maraa und Marihuana vor allem das Schnüffeln von Klebstoffen. Kleber ist billig, verfügbar und legal.1

Die Zahl der Straßenkinder stieg in den letzten Jahrzehnten stetig. Heute gibt es nach Schätzungen etwa 250.000 bis 300.000 Straßenkinder in Kenia. Armut, Arbeitslosigkeit und schlechte Bezahlung – oft reicht das Geld nicht zum Überleben der Familien – darum verlassen viele Kinder in Kenia ihre Familie. Soziale Probleme wie der Alkoholismus der Männer, der zu seelischem und körperlichem Missbrauch von Kindern führt, und überforderte alleinerziehende Mütter veranlassen vor allem Jungen dazu, in den Städten Kenias Zuflucht und Schutz zu suchen.2

Dort inhalieren sie Klebstoffe, um ihrem bitteren  Alltag auf Kenias Straßen zu entfliehen. „Nachts schnüffeln sie Kleber und es wärmt sie. Sie betrachten den Kleber als Decke, der sie vor der Kälte schützt“, erzählt ein Junge.3

Das traditionelle Brauen von Alkohol und der Alkoholmissbrauch der Eltern in Kenia führen die Kinder schon früh an Suchtmittel heran. Die Kinder auf den Straßen suchen in Gruppen Schutz und Akzeptanz. Gleichzeitig sind sie oft Auslöser der Sucht. Durch den Gruppenzwang beginnen viele Straßenkinder mit dem Konsum von Drogen.1

Viele der befragten Straßenkinder wissen um ihre Sucht. Viele schaffen den Absprung nicht. Ein Junge berichtet: „Es ist schwierig aufzuhören. Sie sind so abhängig, weil sie den Kleber immer am Mund haben. Wenn du am Abend kurz mit den Schnüffeln aufhörst, bist du durstig und fängst wieder an zu schnüffeln.“ 1

Das Anbieten von Klebemitteln oder Ähnlichem an Kinder wird nach kenianischem Recht mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft.4 Trotzdem gelangen die Kinder an den Klebstoff und andere Drogen. Sie finanzieren ihre Abhängigkeit durch Prostitution, Diebstahl, Betteln oder schlechtbezahlte Jobs. Sie geben ihr Geld lieber für Drogen als für Essen aus. Das Schnüffeln lässt sie die harte Wirklichkeit vergessen, in der sie leben. Es lässt sie in Mülltonnen nach Essen suchen und betäubt ihren Hunger.5

Schnüffeln ist ein weltweites Phänomen unter Straßenkindern. In Marokko sollen beispielsweise 98% von ihnen Kunststoffe oder Ähnliches inhalieren.6 Diese Art von Drogen wird in Amerika oder Europa weniger stark konsumiert. In entwicklungsschwachen Staaten stellen sie die günstigste Variante dar, dem Leben auf der Straße etwas zu entfliehen.7

Kenias Regierung erkannte erst spät die Problematik. Ihre Initiativen haben aber geringen Erfolg, weil sie die Drogenprobleme der Kinder nicht mit einbeziehen.8 Viele Straßenkinder möchten aufhören. Die Studie schlägt vor, den Einfluss der Gleichaltrigen untereinander zu nutzen: Jene, die nicht oder nicht mehr süchtig sind, sollen ausgebildet werden, ihren Freunden bei der Suchtüberwindung beizustehen und sie anzuleiten.1

Die Folgen für die Gesellschaft sind enorm. Was soll später einmal mit den erwachsenen Straßenkindern werden, die immer mehr werden? Diese Erwachsenen sind nicht nur möglicherweise immer noch abhängig. Ihre Sucht hat sie gesundheitlich geschwächt und ihre sozialen Fähigkeiten gestört. Viele leiden unter kognitiven Störungen, Aggressionen und haben ein normales Leben nie kennengelernt. Straßenkinder werden von der Gesellschaft gemieden.9 Wie soll da eine Eingliederung in die Gesellschaft, in ein normales Leben gelingen?

  1. The Journey of Addiction: Barriers to and Facilitators of Drug Use Cessation among Street Children and Youths in Western Kenya – Plos One – Englisch – zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 [] [] [] []
  2. For Kenyan street kids, glue sniffing is a way of life – MercatorNet – Englisch – zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 []
  3. The Journey of Addiction: Barriers to and Facilitators of Drug Use Cessation among Street Children and Youths in Western Kenya – Plos One –  Englisch – zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 []
  4. Penal Code Capter 63 – kenylaw.org – Englisch – zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 []
  5. Study: Glue–Sniffing Epidemic Rampant Among Kenyan Street Children – Voice of America – Englisch – zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 []
  6. Child glue sniffing rises in Morocco – BBC – Englisch –zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 []
  7. Wikipedia zu Inhalant, Patterns of non–medical usage – Wikipedia – Englisch –zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 []
  8. KENYA: Street kids sniff glue to survive – africanews.com – Englisch – zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 – Internetseite nicht mehr aurufbar []
  9. KENYA: Street kids sniff glue to survive – africanews.com – Englisch – zuletzt aufgerufen am 16.7.2013 – Internetseite nicht mehr aufrufbar []
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