Die Geschichte der Kokapflanze: In Südamerika verehrt (Teil 1)

Machu-Picchu

Bild: © Chmouel [CC BY-SA 3.0] - Wikimedia Commons

Während die USA und Europa seit Jahrzehnten einem Anti-Drogen-Trip die Treue halten und im Kampf gegen Drogen jährlich Milliarden von Dollar ausgeben1 wird die „Wurzel allen Übels“, die Kokapflanze, in den Andenregionen sogar verehrt. Die Verehrung für die Pflanze geht soweit, dass Staaten wie Bolivien den Anbau von Koka zumindest für „traditionelle“ Zwecke legalisieren.2 Vielmehr sichert die unter Präsident Morales verabschiedete Verfassung der Pflanze sogar den Status eines „nationalen Kulturguts“. Doch Verehrung stellt für die westliche Welt genauso wenig eine angemessene Begründung dar wie die klare Trennung von Koka und Kokain, die auch Morales in seinem Slogan „Coca sí, cocaína no!“ zieht.3

Für den gemeinen Europäer stellt die Bewunderung für dieses Gewächs, das allein in Europa jährlich für knapp 5 Millionen Kokainkonsumenten mitverantwortlich ist4, ein unverständliches Mysterium dar. Ungeachtet der Behauptung, es handele sich beim Kokakonsum um eine indigene Tradition.5 Stellt man sich unter „indigener Tradition“ lediglich kokakauende Inkas vor, greift diese Vorstellung jedoch deutlich zu kurz. Die ersten Kokablätter wurden bereits 2100 v. Chr. gekaut. Als Grabbeigaben fungierten Kokablätter sogar bereits seit 2500 v. Chr. Dies hebt ihre hohe Bedeutung frühzeitig hervor. Die Inka verwendeten die Blätter aber auch zu medizinischen und operativen Zwecken, aber auch in den Bereichen der Magie. Die Kuriere der Inka nutzten die Kokapflanze ebenfalls, um große Distanzen schneller zu bewältigen.6

Neueste Forschungsergebnisse zeigen des Weiteren, dass die Inka Kinder, die für rituelle Zwecke geopfert werden sollten, teilweise bereits ein Jahr vor der Opferung mit Kokablättern versorgten.7 Diese lange Phase der Vorbereitung mag man heute mit „gefügig machen“ gleichsetzen, allerdings wurde den ausgewählten Kindern und deren Angehörigen große Ehre zuteil.7 Zu Zeiten der spanischen Eroberung diente die Kokapflanze auch als „Schmerzmittel“ für die von Hunger und Schmerzen geplagten Sklaven. Die Blätter erfuhren eine sehr starke Nachfrage, sodass sie neben medizinischen Zwecken sogar als Tausch- und Zahlungsmittel dienten.8

Bis heute hat sich an der Beliebtheit der Kokablätter in den Andenregionen nichts geändert. Neun von zehn Bolivianern konsumieren heute Koka. Kokakonsumenten verbrauchen weniger Sauerstoff, ein nicht zu unterschätzender Vorteil in den sauerstoffarmen Höhen der Anden. Zudem stimulieren die Blätter die Atmung und verbessern den Energieverbrauch, sodass die andinen Bewohner für die Herausforderungen, die die Kälte und die großen Distanzen bereithalten, gewappnet sind.6

Wie es dazu kam, dass die westliche Welt trotz der historischen Bedeutung und des hohen medizinischen Potentials die Kokapflanze bis heute lediglich als „Feind“ betrachtet, könnt ihr hier nachlesen.

  1. Ende der Verbotspolitik – Drogen Macht Welt Schmerz – aufgerufen am 29.08.13 []
  2. Eindämmung des Kokaanbaus – Drogen Macht Welt Schmerz – aufgerufen am 29.08.13 []
  3. Kokarausch – Tagesanzeiger – aufgerufen am 30.08.13 []
  4. Global cocaine use – Statista – aufgerufen am 29.08.13 []
  5. Kokarausch – Tagesanzeiger – aufgerufen am 30.08.23 []
  6. Kokapflanze – Bolivia Line – nicht mehr verfügbar [] []
  7. Menschenopfer – Süddeutsche – aufgerufen am 29.08.13 [] []
  8. Kokapflanze – Bolivia Line – aufgerufen am 29.08.13 []

Über Johannes / earthlink

Ich absolviere derzeit ein zweimonatiges Praktikum bei earthlink. Ansonsten studiere ich den B.A. Staatswissenschaften in Passau.
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