Gewalt in Guatemala steigt wieder – mexikanische Kartelle benutzen Banden vor Ort!

Bild: © n.v. -

Eduardo Villatoro, alias „Guayo Cano“, führte eines der mächtigsten Verbrechersyndikate im Nordwesten von Guatemala. Dieses gilt als verantwortlich für insgesamt über 30 Morde in der Region.1

Vergangenen Freitag wurde er in der mexikanischen Stadt Tuxtla, 230 km von der guatemaltekischen Grenze entfernt, festgenommen.2 Villatoro und sein Cousin und Stellvertreter Edgar Waldiny Herrera Villatoro wurden ihrem Heimatland überliefert. Mitte Juni hatte Villatoros Gruppe eine Polizeiwache in Salcajá, im Westen Guatemalas überfallen. Acht Beamte waren ermordet, ein weiterer entführt und im Nachhinein tot aufgefunden worden.3 Damals war von einem bewussten Angriff auf den Staat, als Zeichen der Furchtlosigkeit gegenüber den Autoritäten, die Rede.4

Innerhalb Mexikos habe Villatoro laut Angaben des guatemaltekischen Präsidenten unter dem Schutz des Golf-Kartells gestanden. Dies ist eines der berüchtigtsten und ältesten mexikanischen Drogenkartelle.5 Das Golf- Kartell befindet sich mit dem verfeindeten Drogenkartell „Los Zetas“ in ständigem Kampf umEinfluss im Nachbarland Guatemala.6.

Villatoro’s Geschäfte verliefen hauptsächlich im guatemaltekischen Gebiet Huehuetenango, dessen Grenze zu Mexiko größtenteils unkontrolliert ist.

Eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den mexikanischen und den guatemaltekischen Sicherheitskräften ermöglichte seine Festnahme.

Guatemala ist eins der wichtigsten Transitländer: Fast 90 Prozent des in Kolumbien produzierten Kokains wird durch Zentralamerika nach Norden in die Vereinigten Staaten transportiert.

Aufgrund dieser herausgehobenen Stellung für den Drogenschmuggel haben sich die großen mexikanischen Drogenkartelle in Guatemala expandiert und sorgen durch Erpressung, Entführungen, Menschenhandel, Folter und Mord für eine Destabilisierung des Landes.

Gemäß des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) betrug die Mordrate Guatemalas im Jahre 2011 38,5 Verbrechen je 100.000 Menschen.7 Der guatemaltekische Präsident Otto Pérez Molina, trat Januar 2012 mit dem Ziel, gegen organisiertes Verbrechen in Zentralamerika anzukämpfen, ins Amt. Nachdem die Mordrate zunächst gesunken war, stieg sie jedoch von Januar bis September dieses Jahres mit 4.667 Morden wieder um 5,8 Prozent.2 Damit hat Guatemala weltweit eine der höchsten Mordraten. Geschätzt wird, dass etwa die Hälfte aller Morde mit dem Drogenhandel sowie dem Kampf zwischen den Drogenkartellen, verbunden ist.8 Aufgrund seines Versprechens hatte das Ereignis ein besonderes politisches Gewicht: Der Präsident Pérez entschied sich, Villatoros Festnahme persönlich zu verkünden.

Nichtsdestotrotz sprechen die Zahlen für sich. Die Gewalt lässt ganze Stadtviertel unzugänglich werden. Nur in Wohngebieten der Reichen kann man sich aufhalten ohne die eigene Sicherheit zu gefährden, denn diese haben die Mittel, sich in sogenannten „Gated Communities“, umzäunten, bewachten Vierteln, abzuschotten. Jedoch besteht eine sehr ungleiche Verteilung des Wohlstands: 2007 besaßen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung 42,4% des gesamten Einkommens.9 54% der Bevölkerung müssen mit unter 1$ pro Tag auskommen. Somit wird deutlich, dass nur ein kleinster Teil die Möglichkeit hat, sich in den besagten Reichenvierteln abzugrenzen.10

Doch Guatemala ist kein Einzelfall. Die mexikanischen Drogenkartelle haben sich auch in den übrigen zentralamerikanischen Ländern verbreitet und bedienen sich dort kleinerer, einheimischer Banden. Über diese können sie an Macht und Handelsfreiheit gewinnen (earthlink berichtete: http://drogenmachtweltschmerz.de/2013/08/14/honduranische-strassengangs-im-visier-der-drogenkartelle/). Langjährige Bürgerkriege haben sowohl in Guatemala als auch in Honduras und El Salvador die besten Bedingungen für die schmutzigen Geschäfte geschaffen: Der Staat ist dem organisierten Verbrechen gegenüber machtlos. Die Beamten sind unterbezahlt und schlecht ausgebildet, der Justiz- und Staatsapparat ist größtenteils anfällig für Korruption.11 Die meisten Verbrechen aus der Zeit des Bürgerkrieges blieben ungestraft. Viele ehemalige Beteiligte gehören heute kriminellen Netzwerken an. Enge Kontakte in Politik und Wirtschaft erleichtern ihnen die Arbeit.12

Während Präsident Pérez sich für die Legalisierung von Drogen in seinem Land einsetzt, lehnen die USA diese Idee ab. Gleichzeitig wird von den USA weitere finanzielle Unterstützung gefordert. Schließlich sind sie Hauptabnehmerland von Kokain. 88 Milliarden Dollar werden in den Vereinigten Staaten jährlich für das weiße Pulver ausgegeben. Eine Unterstützung im Wert von 40 Mio. Dollar, darunter sechs Helikopter, wurde Guatemala diese Woche im Kampf gegen den Drogenhandel von der amerikanischen Regierung bereitgestellt.13 Einerseits braucht Guatemala diese Hilfestellung, andererseits ist fraglich, wie effizient dieses Vorgehen ist, während zur selben Zeit die Nachfrage an Drogen ständig steigt. Ohne an den Konsumenten anzusetzen kann nur wenig erreicht werden.

  1. focus: kriminalitaet drogen kartellchef auf weg in schoenheitsklinik festgenommen []
  2. reuters: uk guatemala drugs [] []
  3. n24: drogen kartellchef kurz vor op gefasst []
  4. ticotimes: Guatemala reeling from mass police slaying – Link nicht mehr abrufbar. Stand: 23.01.14 []
  5. wikipedia: Golf-Kartell []
  6. n24: drogen kartellchef kurz vor op gefasst []
  7. unodc: data and analysis homicide []
  8. abendblatt: Elf Menschen starben bei Massaker in Indio Dorf []
  9. bpb: innerstaatliche Konflikte []
  10. indexmundi []
  11. bpb: innerstaatliche konflikte []
  12. zeit: drogen zentralamerika guatemala []
  13. enca: guatemalas fight against drug traffickers – Link nicht mehr abrufbar. Stand: 16.09.15  []

Über inka / earthlink

Ich studiere zur Zeit Ethnologie und Kultur/Sozialanthropologie an der Philippsuni in Marburg. Jetzt mache ich ein 6-wöchiges Praktikum hier bei Earthlink um mal einen Einblick in die journalistische Entwicklungszusammenarbeit und das harte Berufsleben zu bekommen.
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