Der Narco: Politik und Spektakel – Teil 1

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Der Drogenhandel ist in Mexiko schon seit Jahrzehnten präsent, aber noch nie hat er seine Verbindungen zur Politik und zum Showbusiness so deutlich zur Schau gestellt wie heute. Auch hat er sich nicht so dreist und spöttisch präsentiert wie er dies heute tut: Von der Polizei gesuchte Drogenhändler, die nationalen und internationalen Medien Interviews anbieten und ihr Haus für Reportagen zur Verfügung stellen; Kinder der Drogenhändler, die Konzerte geben, andere, die mit Luxus und Waffen in den sozialen Netzwerken prahlen; Anführer der Drogenkartelle, die Regierungsgebäude besuchen.

So ist “der Narco” heute, spöttisch und dreist.

 

Die Dreistigkeit der Anführer der Kartelle 

Entspannt läuft er durch die Straßen von Michoacán, eskortiert von einer Gruppe maskierter Männer, die Waffen tragen, bereit zum Schießen um ihn zu beschützen. Er läuft lächelnd und unverfroren, verteilt Geld unter den Bewohnern,  die es aus Notwendigkeit oder Ignoranz annehmen und sich mit einem schüchternen Lächeln bedanken. Er fühlt sich wie ein Held. Das ist Servando Gómez Martínez, auch “La Tuta” genannt, einer der meistgesuchten mexikanischen Drogenhändler.

Anführer des Kartells der Caballeros Templarios (die Tempelritter), – jene kriminelle Organisation, die für den bewaffneten Aufstand (Bürgerwehren) einer ganzen Region verantwortlich ist, welche müde war von der Gewalt und den Übergriffen –  ist „La Tuta“ ein geständiger Krimineller, verantwortlich für organisierte Kriminalität, Ermordungen, Entführungen, Erpressungen und Raub.

Während die mexikanische Regierung eine Summe von 30 Millonen Pesos (1,6 Millionen Euro) für denjenigen bietet, der Hinweise gibt, die zur Festnahme von „La Tuta“ führen, gibt dieser exklusive Interviews an nationale und internationale Medien und nimmt sich die Zeit, jede einzelne Frage zu beantworten – ohne Einschränkungen und Schamlosigkeit.

Der frühere Lehrer protzt in den Interviews mit seiner Großherzigkeit, seiner Demut, dem scheinbaren Respekt, den er gegenüber dem Militär hat und seinem „Durst“ nach Gerechtigkeit im Stile eines Robin Hood. Er spricht von seiner „Firma“ und wie wichtig diese sei: „Wir sind ein nötiges Übel“, sagt er dem Reporter einer britischen Tageszeitung.

Selbstsicher schiebt er die Verantwortung für die Welle der Gewalt, unter welcher der Bundesstaat Michoacán leidet, von sich. Dafür macht er die Bürgerwehren verantwortlich. Er bestätigt, dass er der Anführer der “Tempelritter” ist, aber er verneint, ein Ausbeuter zu sein: „Ich will ein Krimineller mit Klasse sein“.

Einer der Reporter, der es schaffte, was der Polizei nicht gelang, ihn aufzuspüren, fragte Gómez Martínez: „Sind Sie ein Drogenhändler. Sind Sie ein Mörder?“, „La Tuta“ antwortete ihm nicht direkt mit „ja“ – der Journalist solle seine eigenen Schlüsse ziehen – und lud den ihn Minuten später ein, Zeuge der Hinrichtung zweier Personen zu sein.

“La Tuta” erlaubt keine “Lügen”, wie er sagt und benutzt die neuen Technologien um seinen Standpunkt zu verschiedenen Vorfällen publik zu machen. YouTube ist sein bevorzugtes Medium. Auf dieser Plattform nimmt er Stellung zu allen möglichen Themen, die ihn oder seine „Firma“, die Tempelritter, betreffen.

Über YouTube weist er Beziehungen zu und Abmachungen mit Politikern zurück, aber macht auch die Annäherungen von einigen anderen (Politikern) offensichtlich. So geschehen im Fall von María Luisa “Cocoa” Calderón, der Senatorin der Partei PAN und Schwester des mexikanischen Ex-Präsidenten Felipe Calderón. Diese hatte versichert, dass Servando Gómez Martínez Abkommen mit Personen aus der Politik unterhält. Gòmez Martínez leugnete diese Vorwürfe prompt mit einem Video und behauptete andererseits, dass die Einzige, die die Nähe zum Kartell gesucht habe, sie gewesen sei: „Die einzige Person, die an uns herangetreten ist, war während dem Wahlkampf für die Governeurswahlen von Michoacán 2011 Frau Luisa María Calderón Hinojosa“.

So ist “La Tuta”: dreist und stolz auf seine “Firma” und darauf, den Jugendlichen, die „nicht die gleichen Möglichkeiten von der Regierung bekommen haben“, „Arbeit“ anzubieten.

Diese neue Form der Kommunikation wird nicht nur von den “Tempelrittern” genutzt. So hat das Kartell „Nueva Generación de Jalisco“ (Jaliscos neue Generation) ebenfalls die neuen Technologien für sich entdeckt. Wiederum auf YouTube, findet man Videos auf denen schwer bewaffnete Männer zu sehen sind. Sie behaupten, vom Kartell „Neue Generation“ zu sein und fordern von der Regierung, die „Tempelritter“ festzunehmen. Zudem nutzen sie das Video, um den Tempelrittern den Krieg zu erklären und dass sie dafür kämpfen werden, selbige aus dem Gebiet Michoacán zu verdrängen.

Der “Chapo Guzman” seinerseits – Anführer des Sinaloa Kartells und einer der am längsten im „Geschäft“ ist, bevorzugt das soziale Netzwerk Twitter, um über die Behörden zu spotten. Über das Netzwerk kommentiert der „König von Sinaloa“, wie er sich auf Twitter nennt, die Motive für seinen Kampf: „Die Armut und die Kraft meines Vaters sind die Gründe meines Kampfes, die ich weiter massiv festhalten werde.“

Enrique “El Kike” Plancarte (Tempelritter), hält sich von der Cyberwelt fern. Nichtsdestotrotz erlaubte er, dass Jerome Sessii, ein Reporter der Times, sein Haus betrat, um es zu fotografieren und schamlos die Annehmlichkeiten zu zeigen, die ihm die Welt der Drogen und des Blutes lassen.

Mit diesem Zynismus spielen die “Narcos“: Sie sprechen vor Kameras, verteidigen ihre „Arbeit“, stellen Forderungen an die Regierung und lancieren Drohungen über die sozialen Netzwerke. 

 

Die Politik der Narcos

Der Drogenhandel braucht den Schutz der Behörden, um weiter zu bestehen, sonst könnte er nicht im Land manövrieren. Mit Kenntnis davon werden Behörden und Politiker aller Niveaus begünstigt durch die hohen Zahlungen, die sie für erwähnten Schutz erhalten.

Zu denken, dass „Cocoa“ Calderón die einzige mexikanische Politikerin ist, die in den Drogenhandel verwickelt ist, wäre fast blauäugig. Die Anzahl der Politiker mit Verbindungen zu den Kartellen würde jeden erschrecken.

Fausto Vallejo ist nicht von solchen Anschuldigungen befreit, Hand in Hand mit den Drogenkartellen zu arbeiten. Vor Wochen beschuldigte „Cocoa“ Calderón  einen der Söhne des  Gouverneurs des Bundesstaates Michoacán, Verbindungen mit den Tempelrittern zu haben. Es scheint, als ob sich diese „Organisation“ in den höchsten Reihen der mexikanischen Politik bewegt.

Ein anderer Fall, von dem die Medien sprechen und über den sich die Leute ärgern, ist der von Guillermo Valencia (PRI), der in seiner Funktion als Bürgermeister der Stadtbehörde Tepalcatepec zurücktreten wird, nachdem  er von den Bürgerwehren beschuldigt wurde, Verbindungen zu den „Caballeros Templarios“ zu haben.

Aus dem gleichen Grund hat die Senatorin Vianey Mendoza der Partei PRD vor einigen Tagen beschlossen, von ihrem Amt zurückzutreten, nachdem ihr unterstellt wurde, dass sie ein Treffen der Tempelritter im mexikanischen Senat organisiert habe. Zudem wurde eine  Fotografie publik, auf der man sie mit Melissa Plancarte sieht. Plancarte ist die Tochter eines der Anführer des Kartells „Tempelritter“, Enrique „El Kike“ Plancarte.

So werden die mexikanischen Drogenhandelsnetze gewoben: Zwischen Videos und Interviews. Zwischen Politik und Showgeschäft.

 

Procuraduría General de la República: Recompensas

YouTube: Nuevo vídeo de la Tuta le responde a Luisa María Calderón Hinojosa

Youtube: Mensaje del cártel de Jalisco Nueva Generación a los Caballeros Templarios

Twitter: Joaquin Archivaldo @Elreysinaloa

Proceso: Mientras el gobierno alardea la captura de líder templario, fotógrado francés llega hasta la guardia de Plancarte

Proceso: Uno de los hijos de Vallejo está vinculado al narco, acusa „Cocoa“ Calderón

Proceso: Michoacán: alcalde acusado de nexos con el narco pedirá licencia definitiva

Aristeguinoticias: Pide licencia senadora del PRD que gestionó reunión con presuntos „templarios“

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Ein Kommentar zu Der Narco: Politik und Spektakel – Teil 1

  1. Hochstein Peter sagt:

    Give never the drugs a Chance. Sport is better for a live.

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