Der endlose Streit um richtig und falsch

Bild: © Minto - WikimediaCommons

Schlange stehen für ein bisschen Cannabis: Wie hoch soll der THC Gehalt sein? Geraucht, im Kuchen eingebacken oder vielleicht als Praline? Seit Anfang des Jahres muss man sich in Colorado nicht mehr fürchten, diese Frage zu beantworten oder für den Konsum von Cannabis im Gefängnis zu landen. Doch welche Auswirkungen hatte die Legalisierung für kommerzielle Zwecke bis jetzt und welche werden noch erwartet?

In 20 Bundesstaaten der USA ist Cannabis schon länger zu medizinischen Zwecken erlaubt und der illegale Konsum wird meist nur als Kavaliersdelikt geahndet.1 Nach Colorado möchte jetzt auch Washington die Legalisierung zu kommerziellen Zwecken einführen. Das Parlament stimmte mit einer überwiegenden Mehrheit für eine Legalisierung und einen freien Cannabis-Konsum.2

In den USA sind Umfragen zufolge 60-65 % der Bevölkerung für eine Legalisierung und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die Bundesstaaten Alaska, Kalifornien, Oregon und Rhode Island demnächst dem Beispiel von Colorado folgen wollen.3

Ein Problem, das sich dabei auftun könnte, ist die Tatsache, dass die Drug Enforcement Administration, die DEA, Marijuana noch immer als gefährlichste Droge – ohne jeglichen medizinischen Nutzen – einstuft und den Verbrauch streng sanktioniert.2 US-Banken und Kreditkartenunternehmen hatten deswegen befürchtet, nationale Gesetze zu verletzen, sollten sie mit Herstellern oder Verkäufern von Marihuana Geschäfte machen. Mittlerweile wurden diese Befürchtungen allerdings ausgeräumt, indem die Banken sich an einige staatlich festgelegte Grundsätze bei den Geschäften mit Cannabis-Produzenten halten müssen. So müssen sie etwa darauf achten, dass ihre Geschäftspartner die Drogen nicht an Minderjährige unter 21 verkaufen und keine Handel mit Drogenkartellen eingehen. Auch sind sie verpflichtet, den Behörden über ihre Geschäfte Bericht zu erstatten und illegale Handlungen zu melden.4

Doch ist die Legalisierung von Marihuana nun eher ein Fortschritt für die Medizin und vielleicht sogar im Kampf gegen Drogenkartelle und den boomenden Schwarzmarkt? Oder werden doch bereits bekannte Probleme verschärft und gefestigt?

Steht Cannabis unter staatlicher Kontrolle, so ist es eher möglich, dem Konsumenten einen „wissenschaftlich geprüften Hanf mit definiertem THC-Gehalt von geschultem Personal an regulierten Posten“5 zu bieten. Wird Cannabis dagegen für illegal erklärt, besorgen sich Konsumenten den Stoff, wenn sie ihn wirklich haben wollen, so oder so – dann aber über den Schwarzmarkt, auf dem, wegen fehlenden Kontrollen, gepanschter Stoff angeboten werden kann.5

In Colorado ist die Legalisierung von Cannabis dagegen mit vielen Auflagen verbunden. So hatte der Staat nur Läden die Verkaufslizenz vergeben, welche schon vor der Legalisierung medizinischen Cannabis verkauft hatten. Seit 1.Januar müssen die Verkäufer zudem 70% des verkauften Cannabis selbst anbauen, dürfen nichts an unter 21-jährige verkaufen und der Konsum ist nur in den eigenen vier Wänden erlaubt. Der Staat erhebt zudem eine Verkaufssteuer von 25 % auf die Droge; das Geld, das dabei zusammen kommt, soll etwa in den Ausbau des Schulsystems gesteckt werden.6

Aber auch global gesehen wird die Legalisierung wohl noch ihre Auswirkungen zeigen. Häufig wird argumentiert, dass die Macht der Drogenkartelle beschnitten wird, wenn man ihnen das Produkt Cannabis entzieht: „Nimmt der Staat das Geschäft mit der Droge über engmaschig kontrollierte Händler selbst in die Hand, verliert die illegale Szene Marktanteil und in der Staatskasse landen Millionen“.7 Diese könnten für soziale Zwecke wie etwa, ironischerweise, die Drogenprävention verwendet werden. Und auch, dass der Konsum nicht mehr sofort zu einer Haftstrafe führt und die Gefängnisse also leerer bleiben, wird als „Nebeneffekt“ begrüßt.7

Doch es gibt auch vermehrt kritische Stimmen zur Legalisierung. Ein bekannter Kinderheilkundler in der USA, Prof Dr. Jeffrey Galinkin, kritisierte die Gefahr für Kleinkinder, zu leicht an Gebäck zu kommen, in das Cannabis eingebacken ist. Und auch bei Jugendlichen wäre der Konsum von Cannabis in beispielsweise Kuchen erst spät feststellbar. Auch hält er es für nicht unwahrscheinlich, dass durch die Euphorie ein solches Überangebot an Cannabis entsteht, dass es zu einem Export in andere Länder komme.8

  1. welt.de – Cannabis-Bauern von Nachfrage heillos überfordert – aufgerufen am 17.03.2014 []
  2. independent.co.uk – Washington DC set to legalise possession of cannabis and smoking in own town – aufgerufen am 17.03.2014 [] []
  3. derwesten.de – Befürworter wollen der Drogenmaffia die Macht nehmen – aufgerufen am 17.03.2014 []
  4. spiegel.de – Drogenhandel: US-Regierung stellt Marihuana-Regeln für Banken vor – aufgerufen am 17.03.2014 []
  5. derwesten.de – Goldgräberstimmung nach Legalisierung von Drogen in den USA – aufgerufen am 17.03.2014 [] []
  6. welt.de – Cannabis-Bauern von Nachfrage heillos überfordert – aufgerufen am 17.03.2014 []
  7. derwesten.de – Befürworter wollen der Drogen-Maffia die Macht nehmen – aufgerufen am 17.03.2014 [] []
  8. derwesten.de – Kinderheilkundler warnen vor Gefahren – aufgerufen am 17.03.2014 []

Über Laura / earthlink

Ich bin 18 Jahre alt und habe im Juni dieses Jahres mein Abitur an der Deutschen Schule Thessaloniki in Griechenland absolviert. Das Praktikum bei earthlink mache ich zur beruflichen Orientierung. Ich bin sowohl im journalistischen, als auch im entwicklungspolitischen Bereich sehr interessiert.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Meinung abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.