Vom revolutionären Helden zur irischen Schreckensgewalt

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Immer vehementer geht die irische Republican Action Against Drugs (RAAD), eine Untergruppe der terroristischen Irish Revolution Army (IRA) gegen den Drogenhandel und -konsum vor. Vor allem im Norden der Insel herrschen mittlerweile radikale Zustände. In Städten wie Derry oder Belfast gehören Schießereien und gewalttätige Übergriffe fast zum Alltag, Anti-UK Slogans prangen an den Wänden, Polizisten trauen sich kaum mehr auf die Straßen. Ein Anti-Drogen-Kurs, der diplomatisch anfing und sich jetzt in Mord und Bombenanschlägen verliert. Opfer sind hauptsächlich Drogendealer, aber auch Menschen, die in irgendeiner Weise mit Rauschmitteln in Verbindung gebracht werden. Um ihre Macht zu sichern und zu demonstrieren, richtet sich die Gewalt auch stetig gegen die Polizei und das Militär. Durchaus sind die jetzigen Zustände ein Produkt der Vergangenheit, insbesondere des Irlandkonflikts des letzten Jahrhunderts.1
Die IRA gründete sich nach dem am 16.April 1916 initiierten Osteraufstand aus Teilgruppen der Irish Volunteers und der gewerkschaftlich orientierten Miliz Irish Citizens Army. Der Osteraufstand war einer von vielen Aufständen Anfang des 20. Jahrhunderts. Gegenüber standen sich zwei konfessionelle Parteien, zum einen die irisch-nationalistische und katholische Seite zum anderen die unionistische, loyalistische und protestantische Seite. Das Ziel der IRA war die Wiedervereinigung mit Nordirland und die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die protestantischen Unionisten wollten weiterhin zu England gehören.
Der Konflikt hatte weniger einen religiösen als einen politisch-wirtschaftlichen Hintergrund.
Die IRA ist eher eine katholische Untergrundsorganisation, der Katholizismus wird als Teil irischer Identität gesehen. Die 1905 gegründete Partei Sinn Féin, welche die nationalistische Position unterstützt, ist seit 2005 die stärkste Partei unter den Katholiken und wird auch als politischer Arm der IRA bezeichnet.
Der Friedensvertrag von 1998 (Good Friday Agreement) entspannte das Verhältnis zwischen den beiden Parteien. Hier wurde vereinbart, dass die Republik Irland auf die Forderung zur Wiedervereinigung mit Nordirland verzichtet, irische und nordirische Behörden zusammenarbeiten und die Kampftruppen entwaffnet werden.2

Mit Hungerstreiks und Bombenanschläge, die sich gegen religiöse und politische Einrichtungen sowie Plätze des öffentlichen Lebens richteten, versuchte die IRA weiterhin politisches Gewicht für ihre Forderungen und ihr Hauptziel, ein “Vereinigtes Irland” durchzusetzen. Die Organisation, welche sich in der Vergangenheit oft durch bewaffnete Raubüberfälle, Betreibung illegaler Spielcasinos, Verbreitung von pornografischen Videos und Einfuhr gestohlener Autos aus England finanzierte, fokussierte sich immer mehr auf das Drogengeschäft.
Die protestantischen Untergrundsgruppen investierten zunehmend in den profitablen Handel mit Rauschgiften. Nach Informationen der Polizei organisieren sie das Geschäft von der Einfuhr bis zum Vertrieb mit ihren eigenen Leuten.

Der Konsum von und Handel mit Drogen ist mit den moralischen Vorstellungen der IRA nicht vereinbar. Sie zeigen sich als moralische Ordnungshüter und Anti-Drogen Polizei. So wird in IRA-Flugblättern auch ein jahrelanger „moralischer Feldzug gegen Drogen“ reklamiert.
Das Vorgehen der IRA gegen die Drogenhändler und -nutzer erstreckt sich von Prügelstrafen gegen Minderjährige, welche sich von Klebstoff berauschen lassen bis zu Mordserien gegen Drogenhändler, auch aus dem eigenen konfessionellen Lager.
16 Monate nach Ausrufung des Waffenstillstandes gab es regelrechte Hinrichtungswellen in der Provinz Ulster. Die sieben männlichen Opfer waren allesamt der katholischen Minderheit in Nordirland angehörig und in verschiedener Weise in das Drogengeschäft verwickelt. Auch der ehemalige IRA-Kommandant Francis Collins wurde zum Opfer der Ordnungsmacht.
Für alle Morde hatte sich damals die „Direct Action Against Drugs“ bekannt. Politiker sowie Polizei vermuteten dahinter stark die IRA.3
2008 formierte sich aus dieser letztendlich die Republican Action Against Drugs (RAAD. Deren Ziel war es, den Drogenhandel in Derry und den umliegenden Bezirken auszulöschen. Die RAAD ging radikal gegen Drogendealer vor. Man ließ den Verfolgten zwar noch die Möglichkeit das Land zu verlassen, verweigerten sie dies jedoch, drohte ein Knieschuss, Bomben- oder Brandanschläge auf ihre Wohnungen.
Eine Erklärung für diese radikale Anti-Drogen Haltung ist möglicherweise auf das Selbstbild der IRA zurückzuführen. Die stark nationalistische Gruppierung sieht den Katholizismus und dessen Wertvorstellung als Identitätsmerkmal Irlands an. Durch die starke Identifikation über den Nationalismus zeigt sich auch der enorme Halt an den traditionellen Werten und Moralvorstellungen. Dies spiegelt sich auch in den politischen Forderungen der IRA wider.4

Kontrovers hierbei ist, dass es Hinweise der irischen Polizei gibt, in denen auch die IRA in den Drogenhandel involviert ist. Der Unterschied gegenüber den protestantischen Gruppierungen ist nur, dass die IRA sich ihre Hände scheinbar nicht schmutzig machen möchte. Sie überwacht die Dealer nur, die den Stoff selbst besorgen und in katholischen Vierteln absetzen dürfen, wofür von der IRA hohe Kommissionen verlanget werden.

Im nächsten Teil schreiben wir über die aktuellen Fälle und das Handeln der irischen Regierung.

  1. vice: ferry derry. erschienen am: 18.03.14. aufgrufen am: 28.04.14 []
  2. planet-wissen: geschichte-irland. erschienen am: 25.03.13. aufgerufen am: 25.07.14 []
  3. spiegel: Nordirland-Heuchelei. erschienen am: 22.01.96. aufgrufen am: 25.07.14 []
  4. planet-wissen: geschichte-ira. erschienen am: 22.01.10 aufgerufen: 25.07.14 []

Über jana / earthlink

Hi! Mein Name ist Jana, ich studiere Politik und Interkulturelle Studien in Regensburg. Um mehr Erfahrung im entwicklungspolitischen Bereich zu sammeln, mache ich derzeit ein Praktikum bei earthlink e.V. :)
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