Uruguay: Privater Anbau von Marihuana kann beginnen

Bild: © Andreblais - Dreamstime

„Hundert Jahre Kampf gegen die Drogen haben das Problem nicht gelöst, also muss man pragmatischer sein.“, sagte Uruguays Präsident José Mujica. Deswegen hat er im Dezember letzten Jahres das umstrittene Gesetz zur Legalisierung von Marihuana unterschrieben.1 Gestern um 9 Uhr fiel der Startschuss: Volljährige Einwohner Uruguays können sich kostenlos registieren, um selber Marihuana anzubauen. Der erste war Juan Vaz, Sprecher der Uruguayischen Vereinigung für Cannabisstudien. Bis um 12 Uhr hatten sich in der Hauptstadt Montevideo zehn Personen registriert. Die Lizenz ist für drei Jahre gültig und kann nach Ablauf wieder erneuert werden. Der Verkauf in den Apotheken beginnt jedoch voraussichtlich erst im Dezember oder Januar, weil es „technische Probleme“ gab. Die Regierung wollte bereits vor zehn Tagen bekannt geben, welche fünf Firmen die Erlaubnis erhalten, Marihuana anzubauen. Das Anbaugebiet befindet sich in Grenznähe zu Brasilien und Argentinien.2

Das Gesetz erlaubt den Anbau, Verkauf und Konsum in begrenzten Mengen. Jeder Bürger darf selber bis zu sechs Pflanzen im Jahr anbauen, wobei die Ernte im Jahr nicht mehr als 480 Gramm betragen darf. Außerdem sind Marihuana-Clubs mit 15 bis 45 Mitgliedern erlaubt und man kann max. 40 Gramm pro Monat vom Staat kaufen. Der Verkauf wird über lizenzierte Apotheken abgewickelt, die mit Hilfe eines Fingerabdruck-Systems die Konsummenge pro Bürger überprüfen. Vor dem ersten Erwerb ist jeder Käufer verpflichtet, seinen Fingerabdruck bei einer staatlichen Stelle zu hinterlegen. Überwacht wird der Drogenhandel vom „Institut zur Regulierung und Kontrolle von Cannabis“ (IRCCA), welches zum Gesundheitsministerium gehört. In seinen Aufgabenbereich fallen die Lizenzierung und Kontrolle von Produktion und der Verkauf.3

Eine im Juni durchgeführte Umfrage zeigte, dass 68% der Uruguayer gegen das Gesetz sind.4 Doch Präsident Mujica vertritt die Meinung, dass nur die Regierung dem illegalen Handel entgegentreten kann. Die Legalisierung soll der Drogenmafia ihre Lebensgrundlage entziehen und somit auch die Drogenkriminalität im Land vermindern. Denn momentan sitzen 3.000 von 9.000 Kriminelle aufgrund von Drogendelikten im Gefängnis.5

Die Regierung möchte die Qualität des Marihuanas verbessern und gleichzeitig den Preis auf $1 pro Gramm reduzieren. Bei solch einem niedrigen Preis ist es für die Drogenkartelle fast unmöglich, wettbewerbsfähig zu bleiben und sie müssen wahrscheinlich aus dem Marihuanahandel aussteigen. Doch verschwinden sie somit einfach von der Bildfläche? Es ist gut möglich, dass sie sich nun anderweitig im Drogensektor orientieren und in den Kokainverkauf einsteigen. Soll die Regierung dann andere Drogen ebenfalls legalisieren? Soweit möchte Mujica jedoch noch nicht in die Zukunft schauen, sondern erstmal Schritt für Schritt vorgehen. Er sieht die Legalisierung von Marihuana als Experiment und man müsse sehen, was dabei herauskommt.5

  1. N24: Urugay legt offiziellen Preis für Marihuana fest – zuletzt aufgerufen am 28.08.2014 []
  2. El Blog de la marihuana: Uruguay – Inician registro de autocultivadores de marihuana, qué se precisa? – zuletzt aufgerufen am 28.08.2014 []
  3. Spiegel online: Anbau, Verkauf und Konsum legalisiert: Uruguays Haschisch-Revolution – zuletzt aufgerufen am 28.08.2014 []
  4. The Economist: Weed all about it – zuletzt aufgerufen am 28.08.2014 []
  5. International Business Times: Kerala and Uruguay: One weeds out alcohol, other welcomes Marijuana – both in the name of societal benefits – zuletzt aufgerufen am 28.08.2014 [] []

Über lena / earthlink

Hey, ich bin die Lena und studiere International Business in Nürnberg. Ich interessiere mich schon lange für Entwicklungspolitik und wollte nun mal in die Arbeit einer kleinen NGO hineinschnuppern. Deswegen mache ich ein 8-wöchiges Praktikum bei Earthlink e.V.
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