Wird New York von mexikanischem Heroin überschwemmt?

Bild: © (c) Cheeese | Dreamstime.com -

Als die New York Times letzte Woche von einer „Heroin-Krise“ in New York City berichtete, sahen sich einige Leser in vergangene Zeiten zurück versetzt. Die Droge der Rockstars wie Jimmy Hendrix und Kurt Cobain ist wieder dabei, sich auf dem US-amerikanischen Markt auszubreiten. Laut einem Bericht der New Yorker Gesundheitsbehörde hat die Zahl der Drogentoten den höchsten Stand seit mehr als 10 Jahren erreicht. Allein im Jahr 2013 soll es 782 Todesfälle in Folge von Drogenmissbrauch gegeben haben. Davon seien 420 Fälle auf Heroinüberdosen zurückzuführen.1

Doch was ist der Grund für die Renaissance der Droge, von der das ganze Land betroffen ist? Experten sehen hierfür mehrere wichtige Ursachen. So hat man beispielsweise festgestellt, dass ein Großteil der Heroinkonsumenten von verschreibungspflichtigen (opiathaltigen) Schmerzmitteln abhängig war, bevor sie das erste Mal zu Heroin griffen. In den letzten Jahren wurden die Regeln zur Ausgabe solcher Medikamente deutlich verschärft, wodurch der Zugang für die Konsumenten um einiges schwerer wurde. Abhängige sind nun auf den Schwarzmarkt angewiesen, wo die Preise für die Medikamente für die meisten unerschwinglich sind. Dies führt dazu, dass viele von ihnen zur vergleichsweise günstigen Droge Heroin greifen.2

Doch um die Ursache für die gestiegene Nachfrage nach der Droge erklären zu können, muss man auch deren Ursprung betrachten. Der Großteil der in den USA konsumierten Drogen wird traditionell über die mexikanische Grenze ins Land geschmuggelt. Dort kämpfen seit einigen Jahren verfeindete Drogenkartelle um lukrative Handelsrouten und Anbaugebiete. Die Regierung ist mit der Situation überfordert und versucht durch die Entsendung des Militärs dem Einfluss der Drogenkartelle entgegenzuwirken. Diesen Auseinandersetzungen fallen immer wieder unbeteiligte Personen zum Opfer. Seit 2006 haben mehr als 70 000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg ihr Leben gelassen. (Mehr zum Drogenkrieg in Mexiko)

Wenn man bisher von Drogen aus Mexiko las, so ging es hauptsächlich um die Rolle Landes als Transitstaat für Cannabis und Kokain. Daneben produzieren die Kartelle auch große Mengen Marihuana im eigenen Land. Nun scheint zusätzlich die Heroinproduktion, die traditionell vor allem im goldenen Halbmond verankert ist, in Mexiko aufzublühen. Seit dem Jahr 2012 soll dort die Droge im großen Stil hergestellt werden. So ist die Masse des konfiszierten Heroins an der südwestlichen Grenze der USA zwischen den Jahren 2008 und 2012 um 232% auf 1855 Kilogramm gestiegen.3 Neben den gestiegenen Preisen für Schmerzmittel spielt dabei auch die immer weiter voranschreitende Cannabislegalisierung in den USA eine entscheidende Rolle. „Die Preise für Marihuana sind in den letzten fünf Jahren von 100 US $ pro Kilogramm auf weniger als 25 US $ gefallen. Ich wünschte, die Amerikaner würden die Legalisierung stoppen.“ wird ein mexikanischer Cannabis-Bauer zitiert. Wahrscheinlich wird er, so wie viele andere Bauern, auf den Anbau des für die Heroinproduktion nötigen Schlafmohns umsteigen.4

So ist Mexiko, während in den USA die Nachfrage nach Heroin immer weiter steigt, zum größten Lieferanten für die Droge in den Vereinigten Staaten aufgestiegen und hat damit Kolumbien den Rang abgenommen.4 Doch profitieren werden die Bauern davon wohl kaum. Der Löwenanteil der Gewinne bleibt den Bossen der Drogenkartelle überlassen. So gibt es auf beiden Seiten der Grenze nur wenige Gewinner, jedoch viele Verlierer.

  1. The New York Times: Heroin’s Death Toll Rising in New York, Amid a Shift in Who Uses It – Zuletzt aufgerufen am 02.09.2014 []
  2. Zeit Online: Die USA haben ein Heroin-Problem – Zuletzt aufgerufen am 02.09.2014 []
  3. The Wall Street Journal:  Heroin Use, and Deaths, Rise – Zuletzt aufgerufen am 02.09.2014 []
  4. The Washington Post: Tracing the U.S. heroin surge back south of the border as Mexican cannabis output falls – Zuletzt auferufen am 02.09.2014 [] []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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