Zerschlagung eines Drogenrings im Iran

Bild: © Spc Tiffany Dusterhoft - Wikimedia Commons

Im Iran wurde ein großer Drogenring in der Provinz Kerman durch die iranische Polizei aufgelöst. Dabei wurden drei Mitglieder des Drogenrings getötet und insgesamt 772 Kilogramm Drogen verschiedener Art beschlagnahmt. Laut Kommandant der Teheraner Polizeibrigade Hossein Sajjedinia zerschlug die iranische Polizei 25 Drogenringe seit Beginn des aktuellen iranischen Jahres (21. März 2014) und konfiszierte 1 800 Kilogramm gesetzlich verbotenes Rauschgift. Im Vergleich zur selben Periode im letzten Jahr sei dies ein Anstieg um 40 Prozent der beschlagnahmten Drogenmenge. Laut Befehlshaber Sajjedinia umfassten die konfiszierten Drogen Opium und Haschisch.1

Der Iran ist seit Jahren Transit- und Konsumland für in Afghanistan produzierte Opiate und Haschisch. Der Internationale Suchtstoffkontrollrat schätzt in seinem jüngsten Bericht, dass circa 35 Prozent des aus Afghanistan gehandelten Heroins Iran erreicht beziehungsweise durchquert.2 Führt man sich vor Augen, dass Afghanistan der größte Produzent von Opiaten weltweit ist und im Jahr 2013 mit 516 000 Hektar Anbaufläche, die zur Opiumproduktion verwendet wurde, einen historischen Höchststand erreichte (ein Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2012), wird die iranische Rolle im Drogenhandel sehr deutlich.3

Wie die neueste Zerschlagung eines Drogenrings durch die iranische Polizei beispielhaft zeigt, hat sich die iranische Regierung den Kampf gegen den Drogenhandel auf die Fahne geschrieben. Über die Jahre hinweg hat sie sehr weitreichende Durchsetzungsmittel zur Drogenbekämpfung in der Region aufgebaut. Gemäß Weltdrogenbericht 2014 der UN sind 74 Prozent der Opiumbeschlagnahmungen und 25 Prozent der Heroin- und Morphiumbeschlagnahmungen aus dem Jahr 2012 auf den Iran zurückzuführen.4 Als Maßnahme sichert der Iran etwa die fast 2 000 Kilometer lange Grenze zu Afghanistan und zur pakistanischen Region Belutschistan mit Wachtürmen ab, die sich zum Teil im eineinhalb Kilometer Abstand befinden und überwacht sämtliche Schmuggelrouten.5 Zudem droht Drogenschmugglern im Iran die Todesstrafe. Allein im Jahr 2013 wurden laut der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights aus Oslo 331 Menschen im Zusammenhang mit Drogen hingerichtet. Das ist knapp die Hälfte aller Hinrichtungen im Iran.6 Im Vorjahr lag der Anteil zwar noch bei 70 Prozent, allerdings war die Anzahl der Hinrichtungen niedriger.7 Dieses strikte Vorgehen gegen Drogenschmuggler wird zwar von Menschenrechtsorganisationen kritisiert, doch die iranische Regierung wird sich wohl nicht in naher Zukunft von dieser rigiden Politik abwenden. Denn selbst die Einstellung der Zahlungen Dänemarks und Irlands für das Iran-Programm des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hat im Jahr 2013 in dieser Hinsicht nichts bewirkt. Das UNODC unterstützt den Iran seit 1999 bei seinem Kampf gegen illegale Drogen.89

Der Kampf des Iran gegen illegale Drogen ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass im Land nach Schätzung der UN über zwei Millionen Menschen von Opiaten abhängig sind. Das sind 2,7 Prozent der iranischen Bevölkerung. Damit hat der Iran die weltweit zweitgrößte Pro-Kopf-Rate an Menschen, die Heroin oder Opium nehmen. Nur Afghanistan weist eine höhere Rate auf. Grund für die Flucht in die Drogen ist nach Einschätzung von Mahmood Amiri-Moghaddam von Iran Human Rights nicht nur das Überangebot von Opiaten aus Afghanistan, sondern auch die Perspektivlosigkeit der Menschen. Die harten Sanktionen in der Öl- und Finanzwirtschaft haben das Land stark getroffen. Die Arbeitslosigkeit der 15 bis 24-Jährigen liegt bei 25 Prozent, was fatal ist, da knapp die Hälfte der Bevölkerung unter 25 ist. Darüber hinaus haben viele Iraner die Hoffnung auf einen politischen Wandel nach der Zerschlagung der Proteste von 2009 aufgegeben.10 Zudem hat das Rauchen von Opium im Iran eine gewisse Tradition, die Jahrhunderte zurückreicht. Gerade ältere Menschen pflegen diese Tradition nach wie vor. Ein weiterer Grund für Irans weitverbreitete Drogenabhängigkeit sind die Behandlungspraktiken von Soldaten während des Iran-Irak-Krieges (1980-1988). So wurden Opiate als Mittel zur Behandlung von Folgeerscheinungen des Krieges bei Soldaten eingesetzt. Sie dienten sowohl zur schmerzstillenden Behandlung von Kriegsverletzungen als auch zur Therapie von Traumatisierungserscheinungen. Viele ehemalige Soldaten sind dadurch zu Opiatabhängigen geworden.11
Im Gegensatz zum harten Vorgehen gegen Drogenschmuggler gab es 2010 Verbesserungen im Umgang mit Drogenabhängigen. So wurden vor vier Jahren die Drogengesetze soweit geändert, dass Drogenabhängige nicht mehr als kriminell, sondern als krank betrachtet werden. Als Folge davon haben sich manche Krankenhäuser auf Drogensüchtige spezialisiert. Auch gibt es in Teheran und anderen Städten Methadonprogramme und Fixerstuben.8

Neben dem Iran selbst profitiert auch Europa vom Vorgehen gegen den Drogenschmuggel. Von den 106 Tonnen Heroin, die jedes Jahr von Afghanistan aus nach Europa gelangen, durchqueren 92 Tonnen den Iran.12 Denn er liegt auf der so genannten Balkanroute, einer Drogenroute, die die afghanische Drogenproduktion mit dem westlichen Drogenmarkt verbindet. Neben dem Iran liegen auch beispielsweise die Türkei und Griechenland auf dieser Route.13

 

  1. Farsnews: Large Drug Ring Disbanded in Kerman Police – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  2. US state Department: Country Report: Iran – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  3. New York Times: Afghan opium cultivation and production seen rising – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  4. UNODC: World Drug Report 2014 – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  5. Frankfurter Rundschau: Flucht in den Rausch – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  6. Iran Human Rights: Annual report on the death penalty in Iran 2013 – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  7. Iran Human Rights: Annual report on the death penalty in Iran 2012 – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  8. Tagesschau: Flucht in den Rausch – Seite nicht mehr aufrufbar [] []
  9. UNODC: UNODC in Islamic Republic of Iran. History and Achievement – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  10. Tagesschau: Flucht in den Rausch –  Seite nicht mehr aufrufbar []
  11. Welt-sichten: Drogensucht im Islamischen Staat – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  12. The atlantic: Drugs: The overlooked issue in nuclear talks with Iran – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  13. UNODC: Drug trafficking – zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []

Über simone / earthlink

Hi, ich bin die Simone und studiere Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Bei Earthlink will ich die Arbeit in der Entwicklungspolitik kennenlernen.
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