Marihuana-Anbau in Marokko bald legal?

Bild: © Vladwitty - Dreamstime

Nach der Legalisierung des Verkaufs von Marihuana zu Beginn dieses Jahres im US Bundesstaat Colorado und Ende August in Uruguay, kamen vielerorts Bewegungen auf, um die Rechtslage zu diesem Thema neu zu untersuchen.

Auch in Marokko werden Stimmen zur Legalisierung des Marihuanaanbaus lauter. So arbeitet die Partei der Authentizität und Modernität, zusammen mit der Partei der Unabhängigkeit an einem Gesetzesentwurf, der den Anbau erlauben, den Konsum aber weiterhin verbieten soll.1

 

Die Erträge sollen dann für medizinische und industrielle Zwecke weiterverwendet werden. Hierfür soll eine staatliche Behörde geschaffen werden, welche die Abnahme und Verteilung regelt. Das Marihuana soll in erster Linie für die Herstellung von Medikamenten dienen. Speziell Krebs- und Multiple-Sklerose-Patienten soll damit geholfen werden. In der Industrie ist die Verarbeitung der Pflanze zu Textilien und Papier vorgesehen.1 Die beiden Oppositionsparteien planen im strukturschwachen Norden Fabriken für diese Arten der Weiterverarbeitung zu errichten. Laut Mehdi Bensaid von der Partei für Authentizität und Modernität seien sie bereits mit Pharmaunternehmen aus Europa und den USA in Kontakt getreten und hätten von diesen positives Feed-back erhalten.2

 

Marokko gilt als einer der größten Haschischproduzenten der Welt und versorgt Europa fast komplett damit. Der Anbau konzentriert sich auf das nördliche Rifgebirge. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen sind von diesem Anbau rund 80 000 Familien komplett abhängig.3 Von Seiten der Regierung gab es bereits einige Versuche, den Anbau zu verringern. Man wollte mit verschiedenen Programmen Anreize für die Bauern schaffen, andere Pflanzen zu kultivieren.4 Diese brachten aber nicht den gewünschten Erfolg, da kaum eine Pflanze in diesem Gebiet so gut gedeihe wie Marihuana.2

 

Bauern, die ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau der Droge verdienen, haben nur mit regelmäßiger Bestechung von Polizeibeamten oder anderen Offiziellen eine Chance. Die beiden Parteien wollen mit einer Legalisierung des Anbaus genau dem entgegenwirken. Sie erhoffen sich davon die Lebensumstände dieser Menschen zu verbessern und die Wirtschaft des Landes voranzubringen.5 Die Regierung könnte so nun auch einen Nutzen aus dem florierenden Geschäft ziehen. Die geplanten Fabriken im Norden sollen zudem neue Arbeitsplätze schaffen.1

 

Viele Farmer stehen diesem Schritt aber eher kritisch gegenüber. Sie fürchten das Eintreten von Großbauern und –unternehmen in den Sektor und damit verbundene Preisstürze. Zudem ist unklar, ob die momentan produzierten Mengen von der Pharmaindustrie überhaupt abgenommen werden könnten.1 Generell gelten Drogen in dem muslimisch geprägten Staat als Tabuthema, so bleibt abzuwarten, ob dieser Entwurf tatsächlich berücksichtigt wird. Das Königshaus und die Regierung äußerten sich zu diesem Gesetzesentwurf bisher noch nicht öffentlich. Ein Sprecher der Regierung wies lediglich auf die Bemühungen des Staates hin, den Handel und Anbau weiter zu unterbinden.5

 

  1. Tageblatt: Marihuanaanbau soll legal werden – 10.10.2014 [] [] [] []
  2. Tageblatt: Marihuanaanbau soll legal werden – 10.10.2014 [] []
  3. Arabian Business: Morocco considers legalising marijuana – 10.10.2014 []
  4. Businessweek: Morocco’s marijuana farms may become legal – 10.10.2014 []
  5. Gulfnews: Morocco consinders legalising marijuana – 10.10.2014 [] []
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.