Peru meldet historische Erfolge bei der Drogenbekämpfung

Bild: © Darina - Wikimedia Commons

„2014 war ohne Zweifel ein bedeutendes Jahr im Kampf gegen Drogen, viele Erwartungen wurden übertroffen“, sagte Vicente Romero, Chef der peruanischen Antidrogenbehörde DIRANDRO. Peruanische Medien berichteten im vergangenen Jahr über zahlreiche Festnahmen und Beschlagnahmungen im illegalen Drogengeschäft: Mehr als 30.000 Hektar Kokaanbaufläche zerstört, 234 geheime Landebahnen unbefahrbar gemacht, 28 Drogenbosse verhaftet, Zerschlagung von 34 Drogenkartellen.1 Sollte Peru, der amtierende Koka-Weltmeister, den Drogenhandel bald im Griff haben?2

Anscheinend waren die Maßnahmen der peruanischen Regierung erfolgreich: Neue Scanner, die chemische Bestandteile von Kokain erkennen, eine Polizeieinheit, die für die Bekämpfung der Samenzucht der Kokapflanze zuständig ist3 und nicht zuletzt die gemeinsam mit Bolivien gestartete Offensive zur Überwachung des Luftraums über dem Titicacasee. Laut bolivianischer Regierung wurden vier Umschlagplätze im peruanisch-bolivianischen Grenzgebiet entdeckt. Es ist ein wichtiges Transitgebiet für den Drogenhandel, der hier vor allem über Luftbrücken funktioniert. Felipe Cáceres, bolivianischer Vizeminister der Defensa Social y Sustancias Controladas, sprach bei der Mission von „sehr guten Ergebnissen“.

Die gemeinsame Strategie Perus und Boliviens ist wichtig, um den Drogenhandel nicht nur zwischen den Ländern hin und her zu schieben, wie es vor einigen Jahren der Fall zwischen Kolumbien und Peru war:4

Als im Jahr 2000 das kolumbianische Militär mit Unterstützung der USA gegen den Koka-Anbau vorging, zogen die heimischen Koka-Bauern nach Osten, tiefer in den kolumbianischen Dschungel. Heute ist der Koka-Anbau bis in die Amazonas-Region vorgedrungen und hat mit dem Mythos, die Koka-Pflanze wachse nur in den Anden, aufgeräumt. Auch in die peruanische Amazonas-Region hat es die Pflanze geschafft und verhalf Peru zu dem Titel „Weltmeister im Koka-Anbau“.5

Dieser Rückblick könnte die freudigen Meldungen aus Peru und Bolivien relativieren. Solange es eine Nachfrage nach Kokain und damit der Koka-Pflanze gibt, bleibt das Geschäft lukrativ. Daher bleibt es wahrscheinlich, dass eine Bekämpfung der Koka-Felder die Bauern lediglich zu einem Umzug in ein anderes Gebiet animieren wird.

Wie schwerwiegend die Auswirkungen solch eines Umzugs sein können, veranschaulicht das Beispiel peruanischer Tikuna-Dörfer: Hier erweiterte sich der Koka-Anbau 2011 durch neu angelegte Felder um 70 Prozent, gemäß Schätzungen der UN. Früher wurde in dem entlegenen Amazonas-Gebiet überhaupt kein Koka angebaut. Dann kamen Männer und brachten die Samen, das Fachwissen und das Versprechen, pro Ernte einige hundert Dollar einzunehmen. Aus Armut und Geldnot heraus begannen die Tikuna-Mitglieder mit dem Anbau der Koka-Pflanze.5

Bis dato gedieh die Koka-Pflanze in Peru hauptsächlich an den Hängen der Anden auf einer Höhe zwischen etwa 500 und 1980 Metern. Dass wirkungsstarke Koka-Pflanzen auch im Amazonasbecken kultiviert werden könnten, galt als unmöglich – bis vor zwei Jahren. Man fand heraus: Nicht so sehr die Anbauhöhe als vielmehr der Säuregehalt des Bodens ist ausschlaggebend für die Wirkungsstärke des Kokas.5

Peru, Bolivien und Kolumbien sind die wichtigsten Produzenten der Kokapflanze, aus der die Droge Kokain gewonnen wird.6 „Momentan deckt Südamerika den globalen Bedarf ab. Aber solange es nicht schwierig ist, das Know-how und die Technologie zu exportieren, besteht immer die Gefahr, dass es an einen anderen Ort abwandert“, sagt Flavio Mirella. Er leitet das UN-Büro für Drogen und Verbrechen in Lima und ist für die Überwachung des Koka-Anbaus in Peru verantwortlich.

Die jüngsten Erfolge im Kampf gegen den Koka-Anbau sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass er noch längst nicht beendet ist. Besonders die Regenwaldgebiete sind schwer zugänglich und die Kultivierung der Koka-Pflanze kann oft unbemerkt stattfinden. Zudem sind die peruanischen Rebellen des „Leuchtenden Pfads“ (Sendero Luminoso) in das Drogengeschäft verwickelt: Sie besteuern und schützen die bestehende Koka-Wirtschaft. Zwar wurden die Rebellen in den letzten Jahren sukzessive geschwächt, sie stellen aber immer noch eine große Herausforderung im Kampf gegen die Drogen dar.7

  1. Terra Perú: Perú obtuvo logros históricos en lucha contra narcotráfico – 18.12.14 []
  2. Informationsstelle Peru e.V.: Peru ist Weltmeister im Koka-Anbau – 18.12.14 []
  3. La información: El ministro de Interior de Perú anuncia medidas para combatir al narcotráfico – 18.12.14 – Artikel nicht mehr verfügbar []
  4. La información: Bolivia ha logrado frenar puente aéreo de narcotráfico con Perú – 09.01.14 – Artikel nicht mehr verfügbar []
  5. The Wall Street Journal: Wie sich Peru zum Zentrum des Kokain-Handels mausert – nicht mehr verfügbar [] [] []
  6. infobae: Narcotráfico: desde hoy, rigen los acuerdos de extradición para criminales de Bolivia y Colombia – 18.12.14 []
  7. Insight crime: Peru Dismantles Major Precursor Chemical Trafficking Group – 18.12.14 []

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