Bedroht neues mexikanisches Marihuana das Legalisierungsprojekt in den USA?

Bild: © Kneafsey - Dreamstime.com

Seit in den USA der Konsum und der Handel mit Marihuana teilweise legalisiert wurde, schien bewiesen, dass die Entkriminalisierung ein geeignetes Mittel ist, um den Drogenkartellen die Geschäftsgrundlage zu entziehen. Doch anscheinend haben sich die Kartelle eine neue Strategie überlegt: Sie setzen jetzt auf Qualitätsware von genetisch veränderten Pflanzen.

Im Jahr 2014 ist laut einem Gutachten der US-Grenzpolizei der illegale Handel mit Marihuana von Mexiko aus um bis zu 24 Prozent gesunken. Grund für diesen Rückgang ist nicht etwa eine neue abschreckende Technik der Grenzschützer oder ein Rückgang der Nachfrage, sondern die Legalisierung des Stoffes in einigen US- Bundesstaaten. Mit diesem Schritt, den inzwischen auch andere Bundesstaaten gemacht haben, entzog man den mexikanischen Drogenbanden praktisch über Nacht die Geschäftsgrundlage. Neben dem Schlag gegen den illegalen Handel bringt die Legalisierung noch einige weitere, nicht zu vernachlässigende Vorteile mit sich.

Zunächst bringt das legale Geschäft mit der Droge eine neue Einnahmequelle für den Staat. Die durch die Steuern eingenommene Summe belief sich 2014 auf über 800 Millionen US-Dollar. Zudem spart der Staat viel Geld, da viele Gerichtsverfahren wegen dem illegalen Besitz von Marihuana wegfallen. Befürchtungen der legalisierungskritischen Seite, der Konsum der Bürger würde massenhaft ansteigen, Verkehrsunfälle würden sich mehren, und die Kriminalität würde ansteigen, haben sich nicht bewahrheitet.

Des Weiteren hat die Legalisierung dafür gesorgt, dass die Konsumenten jetzt sicher wissen, was genau sie zu sich nehmen. Das Marihuana aus Mexiko war oft von minderer Qualität. Um darüber hinwegzutäuschen, wurde dem Stoff Ammoniak, Glasfaser oder Steinwolle hinzugefügt, um einen höheren Harzgehalt vorzutäuschen. Die Gesundheit der Cannabiskonsumenten wird durch die Legalisierung also ebenfalls geschont.1

Mit Blick auf die positive Entwicklung in den USA ist auch in Deutschland die seit einiger Zeit vor sich hinschwelende Diskussion um die Legalisierung des Stoffs neu entfacht. Immer mehr Politiker, darunter zum Beispiel Bremens neue Bürgermeisterin, fordern einen ernsthaften politischen Dialog und ein Überdenken der aktuellen Gesetzeslage.2

Doch ein positiver Effekt der Legalisierung könnte bald ins Wanken geraten. Jüngst wurden in Mexiko Marihuanaplantagen mit genetisch veränderten Pflanzen gefunden. Die Behörden gehen davon aus, dass die Kartelle damit auf die neuesten politischen Veränderungen reagieren. War das Marihuana aus Mexiko bisher von eher geringer Qualität, deutet die neue Ware darauf hin, dass die Drogenkartelle nun versuchen, die Qualität der in den USA gezüchteten Pflanzen zu überbieten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Erstaunlich an den aufgeflogenen Plantagen war, dass die Kartelle ausländische Experten benutzten, um die Qualität der Pflanzen verbessern zu können.3

Was bedeuten diese Funde für das Projekt der Legalisierung? Die große Frage ist, ob das mexikanische Marihuana tatsächlich qualitativ hochwertiger und genauso teuer oder sogar noch billiger sein wird, als das legal gezüchtete. Immerhin müssen die Drogenbanden den Stoff, nachdem sie ihn angebaut und geerntet haben, noch mit relativ großem Aufwand über die Grenze schmuggeln und danach in den USA auf der Straße verkaufen lassen. Seit der Einführung des legalen Handels mit der Droge, sind aufgrund der großen Nachfrage die Preise rasant in die Höhe gestiegen. Dies spielt mexikanischen Drogenhändlern in die Karten.4 Sollten die Drogenkartelle es schaffen, weit unter dem Preis des legal vertriebenen Marihuana zu bleiben, liegt es wohl am Verbraucher. Dieser muss sich entscheiden, ob er weiterhin Verbrecherorganisationen unterstützen will, dadurch etwas Geld spart, und eventuell seine Gesundheit mit Streckmitteln ruiniert, oder ob er bei dem kontrollierten, erlaubten Marihuana bleibt, und somit das Geschäft der Drogenkartelle austrocknen kann. Sollte es wirklich so weit kommen, dass das neue Marihuana eine ernsthafte Konkurrenz zu dem offiziell angebotenen wird, könnte es sein, dass die gesamte Idee der Legalisierung in Frage gestellt werden kann.

  1. Die Zeit: Mit Gras gegen die Mafia – zuletzt aufgerufen am 29.07.15 []
  2. Spiegel Online: Cannabis Debatte: Die Politik entdeckt das Kiffen – zuletzt aufgerufen am 29.08.15 []
  3. InSight Crime: Are Mexicos Maijuana Growers Becoming More Sphisticated? – zuletzt aufgerufen am 28.07.15 []
  4. Die Presse: Colorado: Preise für legales Marihuana explodieren – zuletzt aufgerufen am 29.07.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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