Drogenhandel gefährdet Regenwald

Bild: © USFWS - Wikimedia Commons

Sowohl der professionelle Anbau als auch der Schmuggel von Drogen gefährdet in Südamerika die Natur. Sowohl die Artenvielfalt als auch das Ökosystem sind von dem skrupellosen Geschäft und seinen Auswirkungen bedroht. Umweltaktivisten, die eigentlich nichts mit Drogenkartellen zu tun haben, werden kaltblütig aus dem Weg geräumt, wenn sie den Verbrecherorganisationen im Weg zu sein scheinen.

Auf den ersten Blick hat Drogenkonsum und Umweltzerstörung nicht viel miteinander zu tun. Die wenigsten Menschen, die Kokain konsumieren, machen sich dabei über die ökologischen Folgen Gedanken. Dabei geht es nicht etwa um den CO2-Ausstoß, der beim Schmuggeln der Ware nach Europa oder in die USA entsteht oder Schritte bei der Herstellung, sondern die großflächige Abholzung des Regenwaldes.

Nachdem die Drogenhändler jahrelang ihre Basen von Kolumbien nach Mexiko verlagern mussten, und dort schließlich auch vertrieben wurden, haben sie nun neue Orte gefunden, um möglichst ungestört ihren Geschäften nachgehen zu können, nämlich in den wenig bewohnten Gebieten von Honduras, Nicaragua und Guatemala.1 Dort kaufen sie illegal Land und fangen an, den Regenwald abzuholzen. Auf diesem, eigentlich geschützten, Gebiet richten sie Landebahnen für die Drogenkuriere ein und fangen an, Anlagen für die Viehhaltung zu bauen. Diese werden zur Geldwäsche und als zusätzliches Einkommen genutzt. Die Sicherheitskräfte in Honduras haben unzählige dieser Landebahnen zerstört. Aber für jede, die sie beseitigen, entsteht wenige 100 Kilometer entfernt eine neue. Für die Drogenkartelle ist es ein Leichtes, Politiker und Beamte zu bestechen, um an das Land zu kommen. Klagen gegen den illegalen Landerwerb führen so gut wie immer zu nichts. Das Hauptargument ist oft das gleiche: Wie kann Land, auf dem eine Viehzucht steht, geschützter Regenwald sein?

Umweltschützer und Aktivisten sind machtlos gegen das Vorgehen der Kartelle. Viele wurden schon angegriffen. Sogar einfache Tätigkeiten wie Kameras zu kontrollieren, um Wildtiere zu beobachten, werden so zu gefährlichen Aktionen, bei denen man durchaus um sein Leben fürchten muss.2 Wie skrupellos die Drogenkartelle gegen Aktivisten vorgehen, zeigt ein Fall aus Mexiko: Hier wurden mehr als 20 Familienmitglieder einer Umweltschützerin, und schließlich sie selbst umgebracht, weil sie sich für den Regenwald, und damit gegen die Drogenhändler stellte. Selbst eine Polizeieskorte konnte sie nicht schützen. Sogar Politiker sind nicht sicher. Eine durch ihr Engagement gegen den Drogenanbau bekannte Bürgermeisterin wurde 2012 entführt und ermordet.3

Umweltschützer in Honduras berichten davon, dass sie sich nur noch mit Begleitung von Soldaten in den Urwald trauen, da sie selbst keine Waffen tragen dürfen. Allerdings scheinen die Beziehungen der Drogenbosse bis in höhere Regierungskreise zu gehen. Viele Umweltschützer behaupten, dass zum Beispiel einige Patrouillen der Regierung, die eigentlich den Regenwald schützen sollten, seit einiger Zeit eher Schreibtischarbeit verrichten. Die Regierung widerspricht diesen Anschuldigen allerdings.2

Zwei große Verlierer des Vorgehens der Drogenhändler sind die Ureinwohner der Regionen als auch die Natur selbst. Seit einiger Zeit häufen sich die Fälle von Ureinwohnern, die den Kontakt zur „Zivilisation“ suchen, um Nahrung und andere Hilfe zu erbitten. Neben Rohstoffsuchern, Wilderern und Ölbohrteams scheinen Drogenschmuggler immer öfter die Dörfer der Menschen zu zerstören und diese zu vertreiben.4 Auch die Tiere, die im Dschungel leben, werden von der Gier der Drogenbosse bedroht. Gut zu sehen ist das am Schwinden der Jaguarpopulation in den betroffenen Gebieten. In den Hochburgen der Kartelle, in Honduras und Guatemala ist die Wildkatze fast komplett ausgelöscht. Im gesamten Gebiet von Honduras ist die Population auf etwa zwei Exemplare pro 39 Quadratkilometer geschrumpft. Im benachbarten Belize sind es im Vergleich noch mindestens 11 Tiere auf der gleichen Fläche. Mit dem Jaguar und anderen bedrohten Tierarten würde auch das natürliche Gleichgewicht der Gegend und des Dschungels gestört werden.2 Dies hätte wahrscheinlich weitreichende Folgen für das komplette Ökosystem. Wer weiß, wie der Regenwald, die Lunge der Erde, in einigen Jahren aussieht, wenn die Drogenkartelle weiterhin mit so viel Rückhalt in der Nachfrage ihrer Produkte derart ungestört ihren schmutzigen Geschäften nachgehen können.

  1. Deutschlandfunk: Narko-Kartelle lassen Regenwald abholzen – zuletzt aufgerufen am 31.07.15 []
  2. USA Today: Drug traffickers wiping out the jaguar in Central America – zuletzt aufgerufen am 31.07.15 [] [] []
  3. Spiegel Online: Ermordete Umweltaktivistin: Mexiko verliert seine Heldinnen – zuletzt aufgerufen am 31.07.15 []
  4. Die Welt: Wie soll man mit Indianern umgehen? – zuletzt aufgerufen am 31.07.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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