Was „El Chapos“ Flucht wirklich bedeutet? – Nichts!

Bild: © Ipeape - Wikimedia Commons

Die Berichterstattung boomt. Das Internet ist voll mit Analysen und Schilderungen des filmreifen und spektakulären Gefängnisausbruchs des einflussreichsten mexikanischen Drogenbosses „El Chapo“ Guzmán und natürlich den Folgen und Auswirkungen dieser Flucht. Die Medien sprechen von einer „Peinlichkeit“ bzw. „Erniedrigung“ für Mexiko und vor allem von einem Versagen des Sicherheitssystems dieser Drogenhochburg.1

Zeit, jegliche Medienhetze außer Acht zu lassen und rational zu durchleuchten, was die Flucht des Drogenbosses tatsächlich für die Sicherheit in Mexiko, die Entwicklungsfähigkeit des Sinaloa Kartells, die US-amerikanisch-mexikanische Zusammenarbeit im Drogenkrieg und den Ruf des mexikanischen Präsidenten Peña Nieto bedeutet.2

Einfluss auf die Sicherheit

Betrachtet man Statistiken, hat sich die Sicherheit in Mexiko seit der Festnahme des Drogenbosses weder verbessert, noch verschlechtert. Man kann demnach davon ausgehen, dass auch die Flucht des US-Staatsfeinds nichts an der allgemeinen Sicherheitssituation in Mexiko verändern wird. Das gesamte System des organisierten Verbrechens in Mexiko stellt unbestreitbar ein Problem dar. Die Flucht oder auch die Festnahme eines einzigen Drogenbosses hat jedoch wenig bzw. so gut wie gar keinen Einfluss auf die Entwicklung der allgemeinen Kriminalität und Gewalt in Mexiko und somit auch nicht auf die allgemeine Sicherheit.

Einfluss auf das Sinaloa Kartell

Auch hier war ein negativer Effekt der Festnahme ihres Anführers, zumindest von außen, nicht erkennbar. Außer Kontrolle geratene Kämpfe um die Führungsposition gab es neben einigen kleinen Ausschreitungen nicht. Auch die Präsenz des Kartells in der Öffentlichkeit nahm nach Guzmáns Inhaftierung weder zu noch ab. Hieraus lässt sich einmal mehr schließen, dass sich auch nach der Rückkehr des Big Bosses nicht viel in der Entwicklung des Kartells ändern wird. Der Fortschritt des Sinaloa Kartells steht und fällt nicht mit einer Person. Es ist ein gut organisiertes kriminelles Netzwerk, auf das viel mehr Faktoren als die Flucht eines Anführers Einfluss nehmen.

Einfluss auf die USA–Mexiko–Beziehung

Die USA und Mexiko haben viele gemeinsame Interessen, die über die Inhaftierung eines wichtigen Drogenboss hinausgehen. Diese Kooperation ist vor allem im „War on Drugs“ für beide Seiten gleichermaßen wichtig – ist aber auch in vielen anderen Bereichen als der Sicherheit von hoher Bedeutung. Gerade deshalb wird eine mehr oder weniger „kleine“ Sicherheitslücke in einem von vielen Gefängnissen in Mexiko nichts an der Festigkeit dieser Zusammenarbeit ändern. Oftmals wird von einem Umdenken der USA in ihrer Anti-Drogen-Politik berichtet. Denkt man jedoch dem Medienhype zum Trotz optimistisch, könnte man auf eine noch engere Kooperation der beiden Staaten hoffen, um solche Sicherheitslücken in Zukunft komplett zu schließen.

Einfluss auf den Ruf des Präsidenten

Auch dem Ruf des Präsidenten hat diese „einzigartige Flucht“ nicht wirklich geschadet, was im Internet jedoch oftmals zu lesen war. Eine Meinungsänderung in den Köpfen der Menschen hat vermutlich nicht stattgefunden. Nieto-Gegner, die auch schon vor dem „El Chapo“ Spektakel die Kompetenz des Präsidenten bezweifelten, nutzen natürlich die Gunst der Stunde. Skeptiker werden so in ihrem Denken bestärkt. Regierungsanhänger jedoch, werden durch eine solche Eskapade nicht von ihrem Glauben an die Staatsvertreter abgebracht. In den letzten Jahren ist in Mexiko so viel Essentielleres und auch Tragischeres passiert – viele auch unschuldige Menschen fielen dem Drogenkrieg zum Opfer – und die Gesellschaft glaubt immer noch an Peña Nietos Fähigkeiten als Staatschef. Ein Gefängnisausbruch wird daran auch nichts ändern.

 

  1. Welt: Die Flucht El Chapos ist eine große Peinlichkeit – aufgerufen am 16.7.2015 []
  2. Insight Crime: 5 Reasons El Chapos Escape Doesn’t Matter – aufgerufen am 16.7.2015 []

Über Helena / earthlink

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