Eva Morales Taktik gegen den Kokaanbau scheint aufzugehen

Evo Morales, Präsident von Bolivien | Bild: © Simonwedege - Dreamstime.com

Die Fläche, auf der Kokasträuche angebaut werden, ist in Bolivien stark zurückgegangen. Die Regierung fährt seit einigen Jahren einen weniger aggressiven Kurs gegen den Anbau der Pflanze, die vor allem dafür bekannt ist, die Basis für das Rauschmittel Kokain zu sein. Im Nachbarland Peru sei zwar auch eine positive Entwicklung zu sehen, diese sei aber mit erheblich mehr Aufwand und Anstrengungen verbunden. Kolumbien habe immer noch riesige Probleme mit der illegalen Kokainindustrie. Peru und Kolumbien gelten neben Bolivien als die Hochburgen der Kokainproduktion. Die beiden Länder führen einen harten Kampf gegen Drogen, der unter anderem von der US-Amerikanischen DEA mitfinanziert wird.

2014 hat sich die Fläche, auf der in Bolivien Koka angebaut wird, im vierten Jahr hintereinander verringert. Eine Behörde der Vereinten Nationen lobte die relativ neue Vorgehensweise der bolivianischen Regierung.1  Laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sank der Kokaanbau in Bolivien letztes Jahr um 11 Prozent. In den letzten vier Jahren sei die Fläche, auf der KoKa angebaut wird, um bis zu 34 Prozent zurückgegangen. Das habe dazu geführt, dass Bolivien weit hinter die größten KoKaproduzenten Peru und Kolumbien zurückgefallen sei.2

Wie hat Bolivien es geschafft den Anbau der Pflanze so einzuschränken? Vor sieben Jahren beendete das Land die Zusammenarbeit mit der DEA, die einen strikten Krieg gegen die Drogen fordert, und außerdem an der Spionage des Landes beteiligt gewesen sein soll.3  Kurz darauf erlaubte die Regierung die Schaffung eines legalen Marktes für die Pflanze. In Bolivien kaut man seit Jahrhunderten die Blätter der Pflanze wegen ihrer aufputschenden Wirkung und der Unterdrückung des Hungergefühls.2  Seitdem fällt die beobachtete Menge an Pflanzen, die für die illegale Herstellung von Kokain genutzt werde, stetig. Antonio de Leo, der Vertreter der UNODC in Bolivien, äußerte sich positiv zu Boliviens bisher einzigartiger Kampagne: Bolivien habe mit seinem innovativen Ansatz, der die gewerkschaftliche Organisation der Kokabauern erlaube und auf dem Respekt der Menschenrechte basiere sowie den Anbau in nicht stattgegebenen Gebieten beschneide, einen Erfolg einfahren können3

Dass Bolivien diesen Weg eingeschlagen hat, war für viele Experten keine Überraschung. Der Präsident des Landes, Evo Morales war selbst einmal ein Kokabauer. Nach seiner Wahl vor zehn Jahren verhandelte er mit den Gewerkschaften der Kokabauern und versprach ihnen höhere Preise, wenn sie die Anbauflächen der Pflanze reduzieren. Diese Strategie ist aufgegangen. Laut der UN kostet ein Kilogramm der getrockneten Blätter ein Vielfaches der in Kolumbien angebauten Pflanzen, und etwa das Doppelte der Peruanischen.3

Die Reform des Landes verlief leider nicht ganz friedlich. Widerstände gegen die Entwicklungen kosteten laut Kathryn Ledebur, der Drogenpolitik Expertin des Anden InformationsNetzwerks, sechs Menschen das Leben. Zudem kann angenommen werden, dass es immer noch unentdeckte Anbaugebiete gibt, in denen illegal Koka angebaut und zu Kokain verarbeitet wird. Zudem ist Bolivien wegen seiner Lage immer noch ein wichtiger Transitstaat für die Drogenkartelle, die Flugzeuge benutzen um ihre Rauschmittel von Bolivien aus in Südamerika zu verteilen.4

Dennoch kann der Schritt Boliviens als einer in die richtige Richtung gesehen werden. Durch die rücksichtslose Bekämpfung der Drogen mit Gewalt und dem Militär hat sich die Lage in Südamerika so gut wie nicht gebessert. Diese Strategie forderte bisher unzählige Todesopfer und sorgt für eine Schwächung der Rechtsstaaten und der Demokratie in den betroffenen Ländern. Ob das bolivianische Modell für alle Staaten geeignet ist, kann man nicht sagen. Aber zumindest kann es als ein Anstoß dienen, auch mal alternative Vorgehen auszuprobieren.

  1. San Diego Union-Tribune: Cultivation of coca leaf in Bolivia falls to 13-year low – Artikel vom 17.08.15 []
  2. The Wall Street Journal: Bolivia Cuts Coca Production for Fourth Consecutive Year, U.N. Says – zuletzt aufgerufen am 20.08.15 [] []
  3. Vice News: How Bolivia Got Smart and Convinced Poor Farmers to Grow Less Coca – zuletzt aufgerufen am 20.08.15 [] [] []
  4. San Diego Union Tribune: Cultivation of coca leaf in Bolivia falls to 13-year low – Artikel vom 17.08.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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