Ein Grund, warum Indonesien auf dem War on Drugs beharrt

Bild: © Andikabetha - Dreamstime.com

Über den gesamten Globus verteilt gibt es Regionen, in denen Staaten mit all ihrer zur Verfügung stehenden Härte gegen Drogenhändler, Drogenschmuggler und die Konsumenten vorgehen. Diese Taktik führt vor allem dazu, dass eine Spirale aus Korruption, Gewalt und Tod in Gang gesetzt wird, die sich nur äußerst schwer wieder unter Kontrolle bringen lässt. Zusätzlich hat sich gezeigt, dass, sollte es Erfolge mit diesem Vorgehen geben, diese äußerst kurzfristig sind. Warum halten Staaten dann weiterhin am War on Drugs fest? Indonesien ist ein anschauliches Beispiel für dieses Phänomen.

Indonesien ist eines der Länder mit den strengsten Drogengesetzen überhaupt. Beim Schmuggel und Handel mit Drogen droht die Todesstrafe. Sogar der Besitz kleinerer Mengen hat langjährige Haftstrafen zur Konsequenz.1  Zudem werden öffentlichkeitswirksame Strafen angewandt. Sogar vor der Verurteilung kam es vor, dass Drogendealer unter den Augen von Polizisten und Journalisten eigenhändig große Mengen Rauschgift verbrennen mussten.2  Trotz immer drakonischer werdenden Strafen und intensiver werdenden Maßnahmen seitens der Regierung wächst Indonesiens Drogenproblem.

Aber warum halten die Verantwortlichen an ihrer Taktik fest? Budi Waseso, neuer Chef der Nationalen Rauschmittel Behörde (BNN,) macht immer wieder mit radikalen Forderungen auf sich aufmerksam. Jüngst forderte er, dass alle Drogenkonsumenten statt in Rehabilitationszentren in Gefängnisse geschickt werden sollen. Aktivisten, Forscher und Politiker kritisieren, Waseso würde seine Taktikten an der Chance Schlagzeilen zu generieren ausrichten.3

Gerade im Umfeld von hochrangigen Offizieren in Indonesien scheinen Äußerungen wie die von Waseso fast schon zur Tagesordnung zu gehören. Sudirman Nasir,Dozent und Forscher am Institut für Public Health an der Hasanuddin Universität in Makassar, in Süd Sulawesi entwickelte eine Theorie, warum hochrangige Entscheidungsträger gerne zu solchen Phrasen und Entscheidungen tendieren. Seiner Meinung nach würden solche Äußerungen aus Sicht des sich Äußernden heroisch wirken. Man bietet einfache Lösungen für das Problem, die leicht umzusetzen sind. Gleichzeitig vereinfacht man allerdings – wahrscheinlich ungewollt – das Problem.3  Eigentlich müsste man mit Bedacht an das Problem herangehen, Ursache und Wirkung, Motive und verschiedenste Faktoren bedenken. Mit dem War on Drugs allerdings, hat man eine Methode, mit der man schnell Ergebnisse vorweisen kann. Verhaftungen und Urteile lassen nicht lange auf sich warten. Das eigentliche Problem wird damit allerdings leider nicht bekämpft. Es wird sogar noch gefördert. Daraufhin kommt gerne die Forderung, die Maßnahmen zu verstärken.

Der Drogenmissbrauch ist ein komplexes Feld. Von verschiedensten Stadien des Drogenkonsums (Ausprobieren, „ab und zu konsumieren“, Sucht und noch weitere) über die unterschiedlichen Wirkungen verschiedener Drogen, gesellschaftliche, bis hin zu ganz individuellen, persönlichen Faktoren gibt es unzählige Variablen, an denen man ansetzen kann. Sudirman Nasir plädiert für eine bessere Aufklärung. Dementsprechend müsse es Programme zur Aufklärung geben, vor allem jüngeren Menschen müssten Risiken erklärt werden. Angebote zur Schadensbegrenzung bei süchtigen Konsumenten seien viel wirkungsvoller als die simple Kriminalisierung der Verbraucher.3

Diese Forderungen mögen wie ein alter Hut wirken, wenn man die globalen Entwicklungen betrachtet, bei der immer mehr Länder erfolgreich auf solche Programme umsteigen. Für indonesische Verhältnisse sind diese Punkte allerdings fast schon revolutionär zu nennen.

  1. Deutsche Welle: Indonesien – Drehscheibe für den Drogenhandel – zuletzt aufgerufen am 06.10.15 []
  2. Mitteldeutsche Zeitung Online: Indonesien: Drogendealer müssen Drogen eigenhändig verbrennen – zuletzt aufgerufen am 06.10.15 []
  3. Jakarta Post: Why Indonesia is obsessed with „war on drugs“ approach – zuletzt aufgerufen am 06.11.15 [] [] []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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