Größter Drogen-Fund in der Schweiz

Bild: © Alf van Beem - Wikimedia Commons

Erst Ende Juli sind in mehreren deutschen Supermärkten Bananenkisten mit großen Mengen Kokain aufgetaucht. Vor wenigen Tagen wurde im schweizerischen Birsfelder Hafen wieder Kokain sichergestellt, das in einer Kaffeelieferung aus Brasilien versteckt war. Etwa 191 Kilogramm sind dabei der größte Drogen-Fund allezeit in der Schweiz.1 Doch nicht nur die Menge erweist sich als bemerkenswert, sondern auch die Qualität: Das Kokain weist einen Reinheitsgehalt von 90 Prozent auf. Der Marktwert der Drogen wird auf rund 70 Millionen Franken geschätzt.2

Der Container wurde in Santos (Brasilien) beladen, per Schiff nach Antwerpen (Belgien) spediert und von dort aus weiter in die Schweiz transportiert. Gemäß bisheriger Untersuchungen wird davon ausgegangen, dass die Drogen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht für den Schweizer Markt bestimmt waren und vor ihrem Eintreffen in Birsfelden hätten ausgeladen werden sollen: Angeblich haben die Drogenschmuggler im Antwerper Hafen verpasst, das Kokain aus dem Container zu entnehmen, bevor der Kaffee weitertransportiert wurde.3

Antwerpen gilt als Kokainhauptstadt Europas: Bei der Analyse von Abwasser wurde festgestellt, dass nirgendwo mehr das weiße Pulver konsumiert wird.4 Zugleich ist der Hafen von Antwerpen in den letzten Jahren zum Drehkreuz Europas für den Handel mit Kokain aus Südamerika geworden. Alleine in diesem Jahr wurden im zweitgrößten Hafen Europas bislang 14 Tonnen Kokain sichergestellt. So wurde Anfang 2015 rund eine Tonne Kokain bei Antwerpen aus dem Meer gefischt. Da die Kontrollen im Hafen immer strenger werden, werfen einige die Drogen kurz vor der Küste über Bord: Das Rauschgift wird in schwimmende Pakete verpackt, versehen mit kleinen GPS-Sendern und kurz vor Erreichen des Hafens einfach über Bord geworfen.5

Die klassische Route, die das Kokain von Südamerika nach Europa nimmt, ist der Direktimport über den Seeweg. Das Kokain wird auf Containerschiffe verfrachtet und in Elektrogeräten, Nahrungsmitteln etc. versteckt. Die Schmuggel-Fracht wird dann in den großen europäischen Überseehäfen (wie Antwerpen, Hamburg oder Rotterdam) gelöscht und von Speditions-Unternehmen abgeholt, in Zwischenlager gebracht und dort aufgeteilt. Aber auch über den Luftweg finden viele Drogen in Frachtflugzeugen den Weg nach Europa: Per Privat-Flugzeug von Venezuela oder Brasilien aus wird die Ladung über den Atlantik befördert, auf verwaisten Flughäfen oder in der Wüste abgeworfen bzw. umgeladen – und nach der Weiterverarbeitung schnell auf den Landweg gebracht.6

Man muss noch erwähnen, dass während die Kaffeelieferung aus Brasilien stammt, die Herkunft des Kokains noch unbekannt ist. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Drogen beispielsweise aus Kolumbien oder Peru stammen, da sie die Hauptproduzenten in der Region sind.

  1. Neue Zürcher Zeitung: Reines Kokain inmitten von Kaffee sichergestellt – zuletzt aufgerufen am 05.11.2015 []
  2. 20 Minuten: Kokain für 70 Millionen zwischen Kaffee versteckt – zuletzt aufgerufen am 05.11.2015 []
  3. Tages Woche: Rekordmenge Kokain bei Migros-Tochter sichergestellt – zuletzt aufgerufen am 05.11.2015 []
  4. Der Standard: Abwasserstudie: Antwerpen, Amsterdam führen bei Kokainkonsum – zuletzt aufgerufen am 05.11.2015 []
  5. BRF Nachrichten: Kokain über Bord: Kreative Methoden der Drogenhändler – zuletzt aufgerufen am 05.11.2015 []
  6. Bild: So kommt das Kokain nach Deutschland – zuletzt aufgerufen am 05.11.2015 []
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