Besprühen von Cannabis-Plantagen erzeugt Krebs

Bild: © n.v. -

Die Methoden der südafrikanischen Polizei zur Bekämpfung des Cannabis-Anbaus gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung.

Der Anbau von Marihuana, örtlich „Dagga“ genannt, bildet die Lebensgrundlage für ganze Dörfer Südafrikas. Seit 1929 ist dieser bereits verboten, dennoch ist Südafrika einer der weltweit größten Cannabisproduzenten und –exporteure. Während die dortigen Polizeieinheiten zunächst in Handarbeit gegen Hanfplantagen vorgehen, diese gezielt aufsuchen und abbrennen mussten, werden seit 1980 Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. Anfänglich stellte diese Methode zwar eine Entlastung der Polizei dar, die Vernichtung der Pflanzen musste jedoch weiterhin von Hand – unter Nutzung von tragbaren Pumpen – stattfinden. Seit ca. 1990 jedoch ermöglicht der Einsatz von Hubschraubern das Vernichten ganzer Cannabisfelder in ein paar Minuten. Auch die Reichweite der Anti-Drogen-Einsätze hat sich damit enorm vergrößert und auf zuvor schwer zugängliche Gebiete ausgeweitet.

Das versprühte Pestizid zieht in die Häuser der Anwohner, zerstört ihre Maispflanzen und macht sowohl Menschen als auch Tiere in der Umgebung krank. Teilweise besprühen die Einsatzkräfte der südafrikanischen Polizei auch mehr oder weniger gezielt die Menschen, welche sich nahe den Feldern aufhalten. Das Patent auf jenes Pestizid, Glyphosat, hat seit 1974 Monsanto. Das Gift des Agrarriesen hemmt die Produktion essentieller Aminosäuren und tötet somit jede Pflanze, die nicht genetisch modifiziert wurde um genau diesem Effekt standhalten zu können. Aufgrund seiner Effektivität ist Glyphosat das weltweit meistverkaufte Pestizid. In Südafrika wird größtenteils das Produkt „Roundup“ genutzt, für die Vernichtung der Hanffelder speziell die Formulierung namens „Kilo Max“.

Die Verträglichkeit von Glyphosat für Mensch und Umwelt wird bereits stark diskutiert, nachdem dieses von der Weltgesundheitsbehörde für Krebsforschung (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend“ erklärt wurde.1 Studien zeigen zudem, dass Glyphosat die Zellen und DNA von Lebewesen schädigt sowie Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes, Herzinfarkt und Unfruchtbarkeit hervorrufen kann.2 Auch Missbildungen bei Neugeborenen, Krebserkrankungen und Fleischvergiftung sind Folgen des Glyphosat-Einsatzes.3 Menschen, Tiere, Boden – es scheint, als würde das Pestizid tatsächlich nur gewissen landwirtschaftlichen Produkten nicht schaden.

Die ärmere Bevölkerung Südafrikas, welche vom Marihuana-Anbau lebt, stört sich jedoch nicht nur an den gesundheitlichen Folgen. Der Drogenhandel mit Cannabis in Südafrika floriert und die Qualität der Produkte ist gut. Das von armen Bauern angebaute Marihuana lässt jedoch eher zu wünschen übrig, wird für den niedrigsten Preis und lediglich im eigenen Land verkauft. Die Menschen vor Ort bemängeln die Arbeit der Polizei: Bei anderen Verbrechen würde sie weniger schnell und heftig reagieren.4 Zudem sehen die Betroffenen im Anbau von Marihuana ihre einzige Chance, er ist ihre Lebensgrundlage. In ihren Dörfern gibt es kein fließendes Wasser, keine Elektrizität, die Kinder sterben an Cholera.

„Die Regierung schert sich nicht um uns“, sagt ein alter Mann. „Sie schicken nur die Hubschrauber mit Gift. Sie bieten keine Ideen oder Projekte an, nachdem sie unsere Ernte zerstört haben.“

Südafrika ist das einzige Land, welches heute noch Glyphosat aus der Luft auf Drogenplantagen versprüht. Von einigen Organisationen wird dies bereits als Menschenrechtsverletzung angesehen.5

Über das „Recht“ der südafrikanischen Bauern, ihre Existenz durch den Anbau von Cannabis zu sichern, lässt sich streiten. Sicher ist jedoch, dass der Einsatz von Glyphosat den Menschen und Tieren über Generationen hinweg schadet und den Boden nachhaltig verseucht.6 Somit wird der Bevölkerung noch weitreichender die Chance auf eine alternative Lebensgrundlage entzogen.

  1. allafrica.com: South Africa: Cash Crops poisoned in Pondoland – Stand 21.04.2016; nicht mehr verfügbar []
  2. albert-schweitzer-stiftung.de: Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur – Stand 21.04.2016 []
  3. Die Grünen: Welche Gefahren gehen von Glyophosphat aus; nicht mehr verfügbar []
  4. allafrica.com: South Africa: Battle to Stop Dagga Spraying – Stand 21.04.2016; nicht mehr verfügbar []
  5. allafrica.com: South Africa: Cash Crops Poisoned in Pondoland; nicht mehr verfügbar – Stand 21.04.2016 []
  6. albert-schweitzer-stiftung.de: Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur – Stand 21.04.2016 []
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