Westafrika: Angst vor blutigem „War on Drugs“

Bild: © Flickr - wikimedia commons

In Westafrika werden die Entwicklungen in Mexiko mit einem sorgenvollen Auge betrachtet, denn es tun sich immer mehr Parallelen zwischen den beiden Regionen auf. Beide sind hauptsächlich Transitregionen für Drogen, doch die Folgen für die Gesellschaft sind vielschichtig und extrem.

Westafrika ist ein bedeutender Transitpunkt für die Drogenroute von Lateinamerika nach Europa. Auch wenn die Kriminalität dort nicht annähernd so blutig stattfindet wie in Zentralamerika, hat die Region mit der zunehmenden Anzahl krimineller Vergehen, einem Anstieg an Korruption und des Drogenkonsums zu kämpfen. Die Länder Westafrikas und die internationale Gemeinschaft müssen nun aktiv werden, damit das Gebiet nicht ein weiteres Schlachtfeld des „War on Drugs“ wird.1

Seit den 1980er Jahren ist Nigeria im Drogengeschäft verstrickt. Alles begann mit dem indischen Heroin, das auf dem Weg nach Europa das Land passierte. Die kriminellen Gruppen, welche die Ware verteilten, gründeten Allianzen mit südamerikanischen illegalen Drogenproduzenten und fügten Kokain zu den verteilten Paketen hinzu.

Im nächsten Jahrzehnt wurden die Gangs schon professioneller und begannen in Nigeria mit dem Cannabis-Anbau. Auch Psychopharmaka kamen auf die Liste gehandelter Güter. Komplexere Handelsrouten und diversere Methoden kamen ins Spiel. Im Jahr 2007 landet Nigeria auf Platz 4 in der Marihuana-Produktion, nach den USA, Mexiko und Bolivien. Es kommt zur Festnahme von nigerianischen Drogenkurieren in Indien, Pakistan, Malta, Spanien und vielen weiteren Ländern.

Auch gutgläubige Jugendliche und Prostituierte werden in das Verschiffen oder den Transport der Drogen mit einbezogen. Der Drogenhandel breitete sich von dem Kernland Nigeria in die Nachbarländer Kamerun, Ghana, Guinea, Mali, Cape Verde, Togo, Gambia und Sierra Leone aus. Nigerianer sind auch im Drogenhandel in den USA verstrickt, hauptsächlich im Norden und Nordosten, aber auch an der U.S.-mexikanischen Grenze.

Es gibt nur sehr wenige Informationen über den Konsum von Drogen in Nigeria. Die United Nations gingen in ihrer letzten Studie 2004 von circa 1000 Menschen aus, die wegen des Drogenkonsums in Behandlung waren. Mit einer Gesamtpopulation von 149 Millionen in Nigeria ist es sehr wahrscheinlich, dass mehrere Tausend drogenabhängig sind und sich nicht in Behandlung befinden. Das Narconon Drug Information Department führte 2009 den “Internationen Tag gegen Drogenmissbrauch“ und illegalen Drogenhandel ein. Ziel davon ist, die Nachricht zu verbreiten, dass ein drogenfreies Leben die bessere Wahl ist. Zudem werden präventive Aufklärungsveranstaltungen an Schulen durchgeführt, die einen späteren Eintritt in die Drogenszene verhindern soll.2 

Doch diese Maßnahmen genügen nicht. Die westafrikanische Drogenkommission ruft nun zu einem andauernden Vorgehen gegen die Herausforderungen an, die illegale Drogen in der Region verursachen. „Man kann mit ansehen, wie unsere Institutionen durch Korruption und Drogeneinnahmen zersetzt werden, die Gewalt in den Straßen zunimmt und die Jugend immer mehr an Krankheiten und Epidemien leidet. Oder aber man entwickelt eine effektive Methode, die gegen die Auswirkungen von Drogen vorgeht und sowohl die medizinischen als auch die juristischen Aspekte berücksichtigt.“

Olusegun Obasanjo, ein Vorsitzender der Westafrikanischen Drogenkommission und ehemaliger nigerianischer Präsident, entwickelte einen Drei-Punkt-Plan für den Kampf gegen die Drogen.

Zuerst einmal  müsse das Gesetz neu angepasst werden. Große Drogenbosse sollen das Ziel der Strafverfolgung sein – an Stelle der Sanktionierung von Drogenverbrauchern und Dealern. Für die Strafverfolgung braucht es gut ausgebildete und sicherheitsgeprüfte Einheiten. Diese wiederum benötigen persönliches Sicherheitspersonal, das sie vor der organisierten Kriminalität schützt. Die Organisationen gegen Drogenschmuggel, Korruption und Geldwäsche müssen sich zusammentun, um eine Veränderung zu bewirken.

Daraufhin braucht es den Schutz von nationalen Institutionen und des demokratischen Systems vor der Infektion durch Drogengelder. Politische Parteien werden in Westafrika oft von Privatpersonen finanziert, welche diese besitzen und somit lenken können. Das Fehlen an finanzieller Regulation für die Politik bedingt die Empfindlichkeit des Wahlprozesses für die Korruption. Die Möglichkeit der Region, sich gegen die Durchdringung der Politik durch Drogenhändler zu verteidigen, hängt auch wesentlich von dem Schutz des Wahlsystems, der Sicherheitsdienste und der Gerichtsbarkeit ab.

Drittens braucht es weit mehr Einsatz und Ressourcen für die medikamentösen Therapiezentren und Programme. Denn nicht nur der Handel, sondern auch der Drogenkonsum stellt ein großes Problem  für Westafrika dar.

Momentan ist die Region noch nicht bereit und genügend ausgestattet, um mit der rapiden und massiven Ausbreitung der Drogennutzung und –Abhängigkeit angemessen umzugehen. Nicht auf die Kriminalität des Handels sollte nun die Aufmerksamkeit gerichtet werden, sondern auf das Gesundheitswesen. Das Drogenproblem zu bewältigen ist eine globale Herausforderung. Deswegen braucht Westafrika die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft, nicht nur um die großen Drogenschmuggler zu fassen, auch zur Finanzierung von medizinischen und therapeutischen Behandlungen.

Doch an erster Stelle müssen westafrikanische Regierungen für Reformen sorgen, sowohl im rechtlichen, als auch in politischen und sozialen Bereichen.  Die erwähnten Maßnahmen und die Vision von Erfolgen in der Bekämpfung des Drogenhandels werden den Einfluss von Drogen vermindern und den Staaten die Möglichkeiten geben, ein starkes Institutionsgefüge und eine Ökonomie zu entwickeln, welche zum Wohle der gesamten Gesellschaft agieren.1

  1. theguardian.com: West Africa needs to wake up to threat from drugs trade – Stand 15.04.2016 [] []
  2. narconon.org: Overview of the Drug Addiction Problem in Nigeria – Stand 12.04.2016 []
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