Bolivien: Neues US-amerikanisches Gesetz im War on Drugs versetzt Koka-Bauern in Panik

Ein Kokablatt in den Händen einer Bolivianerin | Bild: © Marcello Casal Jr./ABr [CC BY 3.0 BR] - wikimedia commons

Vor kurzem genehmigte der US-Senat das neue Gesetz zum transnationalen Drogenhandel. Besonderes Ziel ist die Unterstützung der Justiz bei der Vorbereitung von Auslieferungsabkommen für Drogenbosse in der Andenregion. Aber die neue Norm bezieht sich dabei nicht nur auf Händler illegaler Substanzen, sondern auch Lieferanten chemischer Stoffe zur Verarbeitung und auf die Produzenten illegaler Substanzen. Besonders dieser letzte Teil beunruhigt die andine Bevölkerung. Demnach sind nämlich nicht nur die Narkos von der Auslieferung in die Staaten bedroht, sondern auch Koka-Bauern. Weil Koka laut US-Regelungen als illegale Substanz gewertet wird, werden mit dem neuen Gesetz Koka-Produzenten in Zusammenhang mit Drogenhandel gestellt und wären damit in den Vereinigten Staaten belangbar.1

BBC zufolge zeigte sich die Senatorin Dianne Feinstein, die eine Führungsposition bei dem Gesetzesentwurf einnahm, siegessicher und verkündete, dass dadurch ein wichtiges Mittel geschaffen worden sei, um aggressiv den Drogenhandel außerhalb der Vereinigten Staaten verfolgen zu können. Bereits im ersten Absatz des Gesetzestexts würden dem Justizministerium zusätzliche Mittel geboten, auch extraterritorial Drogenhandel zu bekämpfen. Dies sei besonders wichtig, da Länder wie Kolumbien oder Peru häuftig die Strukturen der Drogenhändler in Transitländern wie Mexiko nutzen würden, um Drogen illegal in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Nun könne jedoch die Justiz auch dagegen legale Maßnahmen einleiten.2

Ganz und gar nicht positiv bewerteten jedoch südamerikanische Länder das Gesetz. Ricardo Soberón, der sich aktiv für den Krieg gegen die Drogen in Peru engagierte und mittlerweile für eine alternative globale Drogenpolitik einsteht, sieht in dem Gesetz den Versuch der USA eigene Interessen einmal mehr vor die der internationalen Gemeinschaft zu stellen. Die Regelung würde zwar wie ein Damoklesschwert über den Narkos hängen, aber eben auch über den Koka-Produzenten.  Politiker übten ebenfalls scharfe Kritik an den Vereinigten Staaten. So erklärte Leonilda Zuirta, dass Bolivien diese Maßnahme nicht dulden würde. Als Vertreterin der Regierungspartei MAS bestätigte sie weiterhin, dass Bolivien den Kampf gegen die Drogen auch in Zukunft alleine führe, ohne die DEA und die Einmischung der USA. Seit 2008 nationalisierte Evo Morales den bolivianischen War on Drugs und verbannte die DEA des Landes. Dass die Bauern sich nun trotzdem vor der Stigmatisierung als Drogenproduzenten fürchten, ist angesichts des neuen Gesetzesentwurfs dennoch kaum verwunderlich.2

Koka-Blätter sind zwar Hauptbestandteil von Kokain, seit Jahrhunderten sind sie aber auch schon fest verankert in der andinen Kultur. Allein in Bolivien konsumiert ein Drittel der Bevölkerung regelmäßig die Blätter, entweder in ihrer natürlichen Form oder als Tee. Die Koka-Bauern bestellen meist Felder, die seit Generationen im Familienbesitz sind. Koka ist ihre Existenzgrundlage.3 Da Evo Morales als Koka-Bauer in der Chapare-Region aufwuchs, dem Hauptanbaugebiet für Koka in Bolivien, kannte er die Ängste, die die Bauern im War on Drugs umtrieben. Er setzte sich deshalb besonders gegen US-amerikanisches Engagement in seinem Land ein. Vor drei Jahren erkannte auch die UN einen legalen Koka-Markt in der Anden-Nation an. Und der natioanle War on Drugs scheint Früchte zu tragen: Die Anzahl der Koka-Kulturen ist gesunken, auch ohne aggressive Eradikationsprogramme. Dokumente der UNDOC belegen den Rückgang in vier Folgejahren seit 2011, allein im Jahr 2014 um 11 Prozent. Die Koka-Produktion befindet sich somit auf dem niedrigsten Stand seit 2003. Bolivien habe damit einen einzigartigen Weg gefunden, die Kultivierung zu reduzieren, ohne dabei Gewalt anzuwenden und brutal gegen die benachteiligten Bauern vorzugehen. Stattdessen setze die Strategie in Bolivien darauf, den Bauern alternative Kulturen anzubieten, wie Bananen oder Ananas, erklärte Antonino de Leo, Mitarbeiter von UNODC einem Journalisten von Vice. Außerdem würden den Bauern höhere Preise für ihr Koka angeboten, wenn sie im Gegenzug weniger Koka anbauen.4

  1. El Deber Bolivia: EEUU aprueba ley para extraditar a cocaleros; 18.05.2016 []
  2. BBC Mundo: La polémica ley „transnacional“ antidrogas de Estados Unidos que preocupa a productores de coca de Bolivia, Colombia y Perú; 17.05.2016 [] []
  3. PRI.org: Coca is known as the main ingredient in cocaine. But for Bolivia, it’s more than that.; 23.09.2015 []
  4. Vice News: How Bolivia Got Smart and Convinced Poor Farmers to Grow Less Coca; 19.08.2015 []

Über Alexa / earthlink

Mein Name ist Alexa Lenz, ich bin 23 und Studentin der Politikwissenschaft. Besonders interessiere ich mich für Internationale Politik und für den Raum Lateinamerika. Auch Entwicklungspolitik finde ich sehr spannend, weshalb ich momentan als Praktikantin bei Earthlink arbeite.
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