Das Geschäft mit dem schmutzigen Geld

Bild: © TaxRebate.org.uk [CC BY 2.0] - Flickr

Seit Jahrzehnten tobt in Mexiko der Drogenkrieg. Der Leidtragende ist die Zivilbevölkerung. Gerade deswegen ist auch die Art und Weise, wie Drogenringe bekämpft werden, so entscheidend. Das Aufdecken von Geldwäsche ist eine unblutige Waffe der Behörden.

Man geht davon aus, dass jährlich zwischen 800 Milliarden und zwei Billionen US-Dollar gewaschen werden. Diese enorme Summe entsteht, da faktisch alle Gruppierungen, die illegal Geld erwirtschaften auf dieses schmutzige Geschäft angewiesen sind. Vor allem durch Waffen- und Drogenschmuggel, aber auch mit Prostitution nehmen kriminelle Organisationen enorm viel Geld ein. Diese Einnahmen hinterlassen Spuren und sind zurückverfolgbar, weswegen Kartelle daran interessiert sind, ihren Gewinn legal aussehen zu lassen. Denn wenn das Vermögen keinen Aufschluss mehr auf seine Quelle bietet, kann es offen verwaltet und investiert werden.1

Hier ist auch Korruption ein wichtiges Thema, das unweigerlich mit Geldwäsche verbunden ist. Korruption ist sehr gefährlich, denn sie zerfrisst staatliche Strukturen von innen heraus. Sie hat das Potenzial, katastrophale Schäden in der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes anzurichten.2  Das wiederum bedeutet, dass die betroffenen Länder arm und Bewohner wie Behörden damit anfällig für Korruption bleiben. Auch der Columbia Professor Edgardo Buscaglia beschäftigt sich mit Geldwäsche und Korruption in Lateinamerika. Ihm zufolge waschen korrupte Politiker in Mexiko mehr Geld, als die Drogenkriminellen. Viele Politiker sind bestechlich, hinterziehen Steuern und wirtschaften so in die eigene Tasche. In Mexiko wird nicht gegen Politiker vorgegangen, die Geldwäsche betreiben. Das macht die illegale Prozedur natürlich leichter für sie.3 Laut einer Studie der „Global Fiancial Integrity“ sind 872 Milliarden US-Dollar in den Jahren zwischen 1970 und 2010 durch Verbrechen, Korruption und Steuerhinterziehung an der mexikanischen Wirtschaft vorbeigegangen.  Dieses Geld hätte in Bildung, Straßenbau und den Kampf gegen die Kartelle investiert werden können.4

Der Kampf gegen die Geldwäscherei ist vor allem deshalb so schwierig, da sich neben Technologie und Kommunikation auch die finanzielle Infrastruktur stark entwickelt hat. Geld kann innerhalb von Minuten zwischen Konten transferiert und um die Welt geschickt werden. Der Handel mit unterschiedlichen Währungen, die finanzielle Deregulierung der Finanzmärkte und durch Briefkastenfirmen verstecktes Vermögen tragen dazu bei, dass Geldströme immer unübersichtlicher werden.5

Ganz grundsätzlich funktioniert Geldwäsche so: Die Finanzchefs eines Kartells führen das drogenbehaftete, also schmutzige Geld dem Finanzsystem zu, indem es zum Beispiel in kleineren, weniger verdachterregenden Beträgen auf ein Bankkonto eingezahlt wird. Dann wird die Herkunft des Geldes verschleiert, indem es durch zahlreiche Konten verschiedener Banken auf der ganzen Welt geschleust wird. Danach kann das scheinbar saubere Geld wieder in das Wirtschaftssystem fließen, indem es beispielsweise in Immobilien investiert wird.6 Die Banken, über die das Geld transferiert wird, wissen oft sehr genau Bescheid über dessen Ursprung, ziehen es aber vor, wegzusehen, anstatt den Verdacht auf Geldwäsche zu melden. So musste die britische HSBC-Bank 2012 1,5 Milliarden Euro Strafe zahlen, da sie laut einem Bericht des US-Senats jahrelang Geld für „Drogenbarone und Schurkenstaaten“ geschleust hatte – auch für mexikanische Kartelle.7

Eine der am schwersten verfolgbaren Methoden stellt laut dem US Congressional Research Service das „trade-based money laundering“ (TBML), also die handelsorientierte Geldwäsche dar. Eine Variante des TBML ist das zu viel oder zu wenig Berechnen von Handelswaren und Dienstleistungen. Das bedeutet, dass ein Exporteur einem Importeur eine Warenlieferung unter dem Marktpreis überlässt. Verkauft der Importeur die Waren im eigenen Land weiter, nimmt er mehr Geld ein als üblich. Verkauft also ein mexikanischer Schmuggelring Drogen in die USA, kann der Käufer über einen Dritthändler Güter unter dem Marktpreis nach Mexiko exportieren. Dort nimmt der mexikanische Drogenring dann Geld durch den Verkauf der Güter ein und wird so für die Drogenlieferung bezahlt. Diese Methode ist für kriminelle Organisationen besonders lukrativ, da illegale Transaktionen in dem komplexen System legaler Handelsflüsse versteckt werden können. Auch das US-amerikanische Außenministerium äußerte dieses Jahr in seinem Bericht zur internationalen Betäubungsmittelkontrollstrategie die Sorge, dass handelsorientierte Geldwäscheverfahren in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern immer verbreiteter vorkämen.8

Um TBML und andere Methoden der Geldwäsche aufzudecken, haben sich die meisten lateinamerikanischen Länder in der zwischenstaatlichen Organisation GAFILAT zusammengeschlossen, die ein Teil der 1989 gegründeten „Financial Action Task Force on money laundering“ (FATF) ist. Diese soll Geldwäschestrukturen offenlegen und kriminelle Organisationen angreifbar machen. Denn durch Geld können Behörden zum Einen Verbindungen zwischen Verbrechen und Verbrechern herstellen. Zum Anderen kann dem ertappten Drogenkartell so der Geldhahn zugedreht werden. Die Geschäfte lohnen sich dann nicht mehr, Polizei und Regierungsmitglieder können nicht länger bestochen werden und schließlich kommt das organisierte Verbrechen zum Erliegen. Das zumindest wäre die Theorie, die aber leider nicht so einfach in die Praxis umzusetzen ist.6

  1. unodc.org: Money-Laundering and Globalization; Stand 30. Juni 2016 []
  2. fatf-gafi.org: Corruption; Stand 30. Juni 2016 []
  3. eluniversal.com: Money laundering by corrupt Politician surpasses that of organizend crime in Mexico: Buscaglia; 01. November 2015 []
  4. gifintegrity.org: Mexico Hemorrhages US2 Billion to Crime, Corruption, Tax Evasion from 1970-2010; 29. Januar 2012 []
  5. unodc.org: Money-Laundering and Globalization; Stand 30. Juni 2016 []
  6. fatf-gafi.org: moneylaundering; Stand 30. Juni 2016 [] []
  7. welt.de: Geldwäsche kostet HSBC Milliarden-Strafe; 11. Dezember 2012 []
  8. insightcrime.org: Report Highlights Importance of Trade-Based Money Laundering; 28. Juni 2016 []
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