Afghanistan: Den Bauern bleibt nur noch das Heroin

Bauern beim Schlafmohnanbau

Bild: © Defence Images [CC BY-NC 2.0] - flickr

Alleine in Deutschland gibt es derzeit rund 57.000 Heroinkonsumenten, die jährlich bis zu 52 Tonnen der illegalen Droge verbrauchen. Davon ist in naher Zukunft nicht abzusehen, denn innerhalb des letzten Jahres ist die Quote der Erstkonsumenten erneut um 14,6 Prozent gestiegen. Diese enorme Nachfrage lässt die Produktion in Afghanistan drastisch steigen.1

Afghanistan ist und bleibt weltweit größter Erzeuger für Opium und Heroin. 2,2 Millionen Einwohner leben vom Drogenanbau oder -handel und wollen diese Einnahmequelle auch nicht aufgeben. Der Staat kämpft schon lange gegen die Drogenwirtschaft, doch durch die angespannte Sicherheitslage und Korruption ist dieser Kampf häufig zwecklos.2

Die meisten illegalen Pflanzen werden im Auftrag des organisierten Verbrechens angepflanzt und werden häufig als „Sponsor des Terrorismus“ gesehen. Der Drogenexperte Harald Terpe ist der festen Meinung, dass „mit dem Schwarzmarkthandel von Drogen ein Großteil der internationalen Gewaltkriminalität und des Waffenhandels finanziert werde“. Deutschland versucht einzugreifen und unterstützt die afghanische Landwirtschaft bereits mit fünf Millionen Euro für Alternativprogramme. Die Bauern sollen dazu bewegt werden, statt Schlafmohn und Opium lieber Tomaten und Mais anzubauen. Die afghanische Regierung wollte dieses Vorhaben zudem voranbringen und sicherte den Farmern Profit zu. Das Projekt scheiterte jedoch kläglich. Die Regierung bezahlt kaum etwas und die Felder sind durch Dürrezeiten ausgetrocknet oder durch Überschwemmungen überflutet, sodass der Gemüseanbau praktisch unmöglich wird.1 Die hohe Arbeitslosenrate und die Analphabetenquote von knapp 90 Prozent erschweren zusätzlich den Wechsel in ein anderes Berufsfeld.2  Somit bleibt der Anbau von Schlafmohn für viele Bauern die einzige Einnahmequelle und die einzige Möglichkeit zu Überleben.

Durch die schlechte Sicherheitslage in Afghanistan und die 900 Kilometer lange Grenze zum Iran gelangen jährlich tausende Tonnen Opium und Heroin in das Nachbarland. Von dort erreichen sie über die Balkanroute und das Schwarze Meer Europa. Laut Sicherheitskräften wurden im letzten Jahr rund 500.000 Tonnen an der Iran-afghanischen Grenze abgefangen – jedoch mit einem hohen Preis. Es sind bereits 3.800 Soldaten im Kampf gegen den Drogenschmuggel gestorben. Der Iran fühlt sich vom Westen im Stich gelassen: Es gebe keine funktionierende Zusammenarbeit. Somit nehmen sie die Bestrafung selbst in die Hand und verurteilen die Schmuggler häufig zur Todesstrafe.1
Im Jahr 2015 wurden im Iran insgesamt 966 Menschen hingerichtet- davon 638 wegen Drogenhandels. Das ist die höchste Rate der vergangenen 25 Jahre und trotzdem nimmt das Drogengeschäft immer mehr zu. Der Vizepräsident der „International Federation for Human Rights“ erachtet die Todesstrafe im Bezug auf Drogendelikte als sinnlos und ineffektiv. Die Deliktsfälle werden nicht weniger und man könne die Zahl der Hinrichtungen um 70 Prozent senken, wenn man den Drogenhandel nicht mehr tödlich bestrafen würde. Selbst der „Stab für Drogenbekämpfung“ der Islamistischen Republik lehnt die Hinrichtungen ab. Nun liegt bereits ein Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe bei Drogenkriminalität vor.3 Die westlichen Länder haben der iranischen Regierung zusätzlich ein Ultimatum gestellt: Entweder sie schafft die Todesstrafe ab oder erhält keine finanzielle Unterstützung mehr im Kampf gegen Drogen.

Eine Verbesserung der Lage ist in naher Zukunft noch nicht abzusehen. Die Alternativprogramme scheitern, da die Regierungen nicht ausreichend über die landwirtschaftlichen Bedingungen aufgeklärt sind und die Zusammenarbeit mit dem Iran, Afghanistan und inzwischen auch der Türkei funktioniert kaum.1

 

  1. BR: Heroinschwemme aus Afghanistan, Drogenkrieg unter den Augen des Westen; Artikel vom 30.08.16 [] [] [] []
  2. Auswärtiges Amt: Afghanistan Wirtschaft; Stand: April 2016 [] []
  3. DW: Todesstrafe wirkungslos gegen Drogenhandel; Artikel vom 06.04.16 []

Über Alex / earthlink

Ich studiere seit einem Jahr Wirtschaftswissenschaften an der Universität Passau. Seit dem Studium und meinem halbjährigen Auslandsaufenthalt in Nepal interessiere ich mich sehr für entwicklungspolitische Themen und bin froh nun für sechs Wochen das Earthlink-Team unterstützen zu können :)
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