Bolivien: Dritt größter Kokain-Produzent hat die Situation mit legalen Koka-Blättern voll im Griff

Cocatee

Bild: © Riopatuca - Dreamstime.com

In Bolivien haben Polizisten vor zwei Wochen acht Tonnen Kokain auf einem Truck beschlagnahmt. Für den weltweit dritt größten Kokain-Hersteller ist dies ein enormer Triumph. Die Lieferung wurde in der Nähe der Grenze zu Nordchile sichergestellt und sollte vermutlich über Honduras in die USA erfolgen. Der geschätzte Wert der Fracht betrug 350 Millionen US Dollar.1

 

Koka-Blätter werden bereits seit langer Zeit traditionell in Bolivien eingesetzt, besonders für Rituale, Tees oder als Mittel gegen Hunger. Erst seit dem 19. Jahrhundert hat sich dies durch die Erfindung der Droge Kokain verändert. Der Handel mit dem Rauschmittel wurde sehr schnell durch die hohen Gewinne attraktiv und die UNO verbot innerhalb ihres Anti-Drogenkampfes den Anbau der Blätter. In den 1980er Jahren artete der illegale Kokaanbau aus und die Regierung veranlasste die Zerstörung der Felder. So kam es zur Cocaleros-Bewegung, in der unter anderem der heutige Präsident Evo Morales vertreten war. Die Cocaleros waren eine Gruppe Widerstandskämpfer, die sich dafür einsetzten, dass der Anbau von Koka-Blättern weiterhin legal ist. In dieser Zeit des Widerstandes floss viel Blut, sodass das Land 1988 den Kokaanbau in einigen speziell festgelegten Gebieten auf 12.000 Hektar legalisierte. Im Jahr 2013 stimmte daraufhin die UNO der traditionellen Verwendung des Koka-Blattes zu.2

Das ist nun das Spezielle an Bolivien: Die Koka-Pflanze ist legal, das daraus gewonnene Kokain weiterhin illegal. Die Blätter werden häufig als Exporte für Tee, Gesichtscreme und Zahnpasta genutzt. Allerdings ist dieses System schwer zu kontrollieren, weshalb auch einiges durchsickert und zu Kokain weiterverarbeitet und verkauft wird. Dieser Anteil wird auf etwas mehr als ein Drittel der getrockneten Koka-Blätter geschätzt (Stand 2014: von 33.000 Tonnen).1

Insgesamt sind etwa 150.000 Menschen in der Blätterökonomie, die knapp ein Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht, beschäftigt. Aktuell ist der Preis der Koka-Blätter jedoch durch das hohe Angebot sehr gering. Von Vorteil für die Drogenkartelle, bedrohlich für die Bevölkerung, die in diesem Sektor arbeitet und alleine davon lebt. Die zentrale Gefahr der Koka-Wirtschaft besteht deshalb darin, dass die Bauern ihre Ernten an die Drogenhändler verkaufen, bevor sie darauf sitzen bleiben.3

Alles in allem ist die Koka Legalisierung in Bolivien äußerst sinnvoll. Koka heißt nicht gleich Kokain. Viele Menschen leben vom Anbau und sichern sich so ihren Lebensunterhalt. Sie benutzen es für kulturelle und medizinische Zwecke. Für Touristen ist es vor allem in den Bergregionen wichtig, um die Höhenkrankheit zu vermeiden. Eine Verschlimmerung der Lage im Bezug auf die Drogenmafia ist nicht bekannt. Die Tatsache, dass Bolivien im Gegensatz zu den Kokain-Marktführern Kolumbien und Peru einen begrenzt legalen Kokaanbau hat, verschlimmert die Lage des Kokainhandels nicht. Bolivien wird die Situation weiterhin versuchen zu kontrollieren und die legalen Flächen nicht ausweiten, damit die illegalen Geschäfte nicht expandieren.2

  1. Business Insider: the world’s 3rd-biggest cocaine producer says it struck most important blow against drug trafficking‘; Artikel vom 04.08.16 [] []
  2. Neue Zürcher Zeitung: Koka in Bolivien, Die zwei Seiten des grünen Blattes; Artikel vom 25.04.14 [] []
  3. Sächsische Zeitung: Koka als Exportschlager?; Artikel vom 12.02.16 []

Über Alex / earthlink

Ich studiere seit einem Jahr Wirtschaftswissenschaften an der Universität Passau. Seit dem Studium und meinem halbjährigen Auslandsaufenthalt in Nepal interessiere ich mich sehr für entwicklungspolitische Themen und bin froh nun für sechs Wochen das Earthlink-Team unterstützen zu können :)
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