Rios Favelas vor Olympia: Willkommen in der Hölle

Bild: © Chris Jones [CC BY-NC 2.0] - Flickr

„Willkommen in der Hölle. Wer nach Rio kommt, ist nicht sicher“. Mit diesen Worten demonstrierten unlängst Polizisten am Flughafen gegen den akuten Geldmangel.

Den Favelas droht mit Olympia ein Rückfall in alte Zeiten, in denen sich Drogenbanden und Sicherheitskräfte einen erbitterten und blutigen Kampf lieferten. Im Complexo do Alemo, dem „deutschen Komplex“, wie er seit dem 2. Weltkrieg heißt, konnte man 50 Tote seit 2014 verzeichnen. Hauptsächlich verantwortlich waren Auseinandersetzungen zwischen dem  „Comando Vermelho“ mit seinen rund 1000 Mitgliedern und der örtlichen Polizei. Ende Mai verbreiteten Drogengangster das Video einer Doppelhinrichtung zweier Jugendlicher im Internet, um ihre Macht zu demonstrieren und rivalisierende Banden zu warnen. Die 14 und 16 jährigen Jungen waren zufällig in eine Schießerei geraten und Mitgliedern des Comando Vermelho direkt in die Arme gelaufen, die sie für verfeindete Gangmitglieder hielten. Dieses explizite Bildmaterial ist nicht das einzige, das im Netz kursiert. Handys und soziale Medien ermöglichen eine neue, unmittelbare Art der Dokumentation und zeigen das Ausmaß der Gewaltherrschaft der Drogengangs. Mittels Facebook und Whatsapp werden so Millionen Nutzer erreicht.1

Doch auch Staat und Polizei werden dadurch automatisch gezwungen, bei Straftaten in den Favelas härter durchzugreifen, da die Aufnahmen als wichtiges Beweismaterial dienen. Auf ihnen werden neben Tätern und Opfern auch Waffen und Tatorte sichtbar. Dies kommt aktuell dem Polizeiapparat zugute, der wegen Olympia den Complexo do Alemo neben vielen anderen Favelas befrieden soll. Zwar wurden anfangs mit dem Projekt UPP – dem Einsatz von Sonderpolizisten, die mit der Befriedung beauftragt sind – tatsächlich Erfolge verbucht. Jetzt aber drohen die Geldmittel auszugehen. Zunächst geplante flankierende Infrastrukturmaßnahmen wie ausreichende Wasser- und Stromversorgung, konnten nicht durchgeführt werden. Um die Drogenbanden einzudämmen, war ursprünglich – neben einer Kooperation mit der Bevölkerung – eine dauerhafte Stationierung von UPP-Einheiten geplant worden. Anfang Juli konnten mit Regierungsmitteln noch ausstehende Polizistengehälter gezahlt werden. Aber der Bundesstaat Rio ist annähernd pleite, weil der Erdölmarkt eingebrochen ist. Die Bürger fürchten nun weitere Sparmaßnahmen bei der Polizei. Dies würde bedeuten, dass die Drogenbanden weiter an Macht gewinnen würden.2

  1. n-tv – Wegen olympischer Spiele – Rio droht neue Eskalation im Drogenkrieg – Artikel vom 20.7.2016 []
  2. Spiegel online: Rio de Janeiro – Der Drogenkrieg als Handyvideo – Artikel vom 2.7.2016 []

Über nikoletta / EarthLink

Projektmitarbeiterin: "Drogen und Entwicklung", "Facing Finance", "Aktiv gegen Kinderarbeit", "Fluchtgrund". Praktikanteneinarbeitung und -betreuung, Betreuung von Bundesfreiwilligen, Beantragung von Fördermitteln, Blogeinträge, Recherche
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.