Kill the Messenger – Contra-Krieg Nicaraguas finanziert durch US-amerikanische Drogengelder

Rebells Nicaragua

Bild: © Tiomono [CC BY-SA 3.0] - Wikimedia Commons

In den 80er Jahren haben die US-Behörden ihr eigenes Land ins Drogenchaos gestürzt. Sie kündigten öffentlich den großen Kampf gegen die illegalen Substanzen an. Gleichzeitig standen jedoch politische und finanzielle Interessen über der Gesundheit der Bevölkerung. Das fand unter anderem der Journalist Gary Webb heraus, der Ende Dezember 2004 mit zwei Schusswunden im Kopf in seinem Haus tot aufgefunden wurde. Alles deutet auf Selbstmord hin, jedoch ist sich niemand 100 Prozent sicher. Gewiss ist: Gary Webb hat sich als investigativer Journalist  in große Gefahr gebracht. Er fand „zu viel“ über die Geschäfte der US-amerikanischen Regierung mit Drogen- und Waffenschmugglern heraus. Im Jahr 2014 wurde die wahre Geschichte des Journalisten sogar unter dem Titel „Kill the Messenger“ international verfilmt.1

Gary Webb arbeitete bei einer kleineren lokalen Zeitung, der San Jose Mercury News. Im Laufe seiner Ermittlungen erhielt Webb immer mehr Indizien für die Zusammenarbeit der CIA mit der Drogenmafia. In der ersten Veröffentlichung der dreiteiligen Serie „Dunkle Verbindung“ im August 1996 berichtet der Journalist von Exilanten aus Nicaragua, die in den 80er Jahren Kokain nach Kalifornien importierten und dort die Verbreitung billiger Drogen auslösten. Zudem finanzierten sie mit den Millionen-Gewinnen die Contra-Rebellen im sogenannten Contra-Krieg.2

Der Contra-Krieg war ein von 1981 bis 1990 geführter Guerilla-Krieg der Rebellen gegen die linksgerichtete sandinistische Regierung Nicaraguas. Die Contra-Rebellen verübten Anschläge auf die öffentliche und wirtschaftliche Infrastruktur Nicaraguas und töteten während des Krieges zehntausende unbeteiligte Zivilisten. 1982 wurde im US-Kongress beschlossen, jegliche finanzielle oder sonstige Unterstützung einzustellen und zu verbieten. Unter der Präsidentschaft Ronald Reagens wurden diese Forderungen umgangen und die illegale Unterstützung der Rebellen wurde 1986 publik. Daraufhin wurden die USA vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag für direkte und indirekte militärische Teilnahme am Contra-Krieg angeklagt. Die USA weigerten sich jedoch, das Urteil anzuerkennen.3

Gary Webb konnte nie eindeutig beweisen, dass die führenden Kräfte der CIA von den Drogendealern wussten, jedoch dass einzelne Mitarbeiter in das illegale Geschäft involviert waren. Zunächst bewunderten ihn die Menschen für seinen Mut und gaben ihm Rückenwind. Besonders die arme Bevölkerung war beeindruckt: Die eigene Regierung predigte öffentlich den Kampf gegen Drogen und war vermutlich insgeheim selbst für die Plage der Armut mitverantwortlich. Webbs Enthüllung machte in der Öffentlichkeit große Schlagzeilen und wurde überall diskutiert. Er erhielt für seine Arbeit sogar den Pullitzer-Preis, ein renommierter Journalisten- und Medienpreis. Mit der Zeit jedoch stellten sich immer mehr Menschen gegen ihn. Andere größere Zeitungen wie die Los Angeles Times brachten Zeugenaussagen heraus, die Webbs Ansichten widerlegten. Ihm drohte das Ende seiner Karriere und seines Lebens, denn er hatte sich mit seinen Publikationen sowohl Drogenkartelle als auch Geheimdienste zum Feind gemacht. Einige Zeit später wurde er entlassen, schrieb ein Buch, das jedoch kaum mehr nachgefragt wurde und ließ sich von seiner Frau scheiden. All das waren Gründe für seine Depression und seinen angeblichen Selbstmord.1

Dass Webbs Enthüllungen aus der Vergangenheit zum Teil so vergessen werden konnten, lag insbesondere am Einfluss der großen Medien, die mehr mit der Diskreditierung seiner „Geschichte“ beschäftigt waren, als weitere Recherchen zu seinen Anschuldigungen anzustellen. Der aktuelle Skandal ist nicht mehr die politische Korruption, sondern das Versagen der Medien bei der Informationsweitergabe.4

  1. Berliner Zeitung: Vor acht Jahren enthüllte der amerikanische Journalist Gary Webb die „dunkle Verbindung“ zwischen CIA und Drogendealern; Artikel vom 25.01.05 [] []
  2. Kino.de: Kill the Messenger (2014); Stand vom 13.09.16 []
  3. Wikipedia: Contra-Krieg; Stand vom 09.09.16 []
  4. Taz: Enthüllungsthriller „Kill the Messenger“, Die Story überprüfen; Artikel vom 09.09.15 []

Über Alex / earthlink

Ich studiere seit einem Jahr Wirtschaftswissenschaften an der Universität Passau. Seit dem Studium und meinem halbjährigen Auslandsaufenthalt in Nepal interessiere ich mich sehr für entwicklungspolitische Themen und bin froh nun für sechs Wochen das Earthlink-Team unterstützen zu können :)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.