Bolivien: Positive Auswirkungen des Koka-Anbaus auf die Bauern

Kokabauern feiern in Bolivien

Bild: © Matthew Straubmuller [CC BY 2.0] - flickr

Der Anbau der Kokapflanze und der Konsum ihrer Blätter lässt sich in der  Kultur Boliviens über tausend Jahre zurückverfolgen. Durch das Kauen der Blätter wird ein Alkaloid freigesetzt, „das Hunger betäubt, Erschöpfung lähmt [und] leicht berauscht“.1 Da aus der Pflanze allerdings die Rauschdroge Kokain hergestellt werden kann, setzten Außenstehende wie die USA Bolivien unter Druck. Daraufhin wurde der Anbau bis 2004 landesweit verboten. Ein von den USA finanziertes Programm unterstützte die staatlichen Kontrollen von 1997 bis 2004, um die Kokaplantagen auszurotten. Bei diesen Eingriffen durch die DEA kam es laut lokalen Behörden häufig zu gewaltsamen Übergriffen, bei denen sowohl US-amerikanische Soldaten als auch lokale Polizisten die Felder verwüsteten und gewalttätig gegen die Bauern vorgingen. Das konnten die betroffenen Menschen bis heute nicht vergessen.2

Im Jahre 2004 kam schließlich die Wende. Der damalige Präsident Carlos Mesa legalisierte den Anbau der Kokapflanze unter strenger Kontrolle, um den häuslichen Gebrauch zu ermöglichen. Im darauffolgenden Jahr wurde der langjährige Verfechter des Kokaanbaus Evo Morales erstmals gewählt, der sich mit dem Wahlspruch „coca yes, cocaine no“ für die Koka-Tradition einsetzte. Die neue Rechtslage erlaubte jedem Bauern eine Anbaufläche von 1,600 Quadratmetern, solange die dabei geerntete Ware entweder für den häuslichen Bedarf oder für den Verkauf auf autorisierten Märkten gebraucht wurde. Zudem gibt es staatliche Förderungen für die Bauern, die zusätzlich Pflanzen wie Yuca oder Reis anbauen.2 Die 2009 in Kraft getretene neue Verfassung Boliviens spezifizierte die Kokapflanze als „Teil des kulturellen Erbes des Landes und in seiner natürlichen Form ausdrücklich [als] kein Betäubungsmittel“.3  Bei der Legalisierung arbeitete Bolivien eng mit der UNODC zusammen. Die Institution der Vereinten Nationen unterstützt den Staat bei der Überwachung des Anbaus anhand von Satelliten. Dadurch soll ermöglicht werden, dass Bolivien seinen nationalen Bedürfnissen der Kokapflanze nachkommen kann, ohne in den Kokainhandel einzusteigen. Dieser Schritt wurde in Washington mit wenig Begeisterung aufgenommen. Präsident Obama nannte die Legalisierung ein Versagen im Kampf gegen Betäubungsmittel.4

In seinem Kampf für die internationale Anerkennung des Kokaanbaus stellte Morales im Dezember 2011 dem UN-Generalsekretär einen Antrag, den Anbau und den Handel von Kokablättern innerhalb Boliviens international zu akzeptieren. Diese Anerkennung folgte im Januar 2013 mit der erforderlichen zwei Drittel-Mehrheit der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen. Nur 15 Länder, wie u.a. die USA, Kanada oder Deutschland, lehnten den Antrag ab. Davon motiviert setzte Morales auf das wirtschaftliche Potenzial der Kokapflanze. Der Export auf Weltmärkte wie China könnte Bolivens Ökonomie extrem fördern. Diese Vision ist allerdings noch problematisch, da die Kontrolle von Koka international nicht allgemein geregelt ist. Das Recht auf Besitz und Import der Pflanze unterliegt der jeweiligen Rechtslage des Einreiselandes.3

Die Bauern nahmen die Legalisierung mit Begeisterung und Dankbarkeit an. Die legale Möglichkeit, ihre Tradition zu pflegen, nimmt ihnen die Angst vor gewaltsamen Kontrollen und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage.2 Die Landwirtin Albertina Torres des Aymara-Volkes sieht den Anbau als ihre rechtmäßige Tradition an:

„Koka ist für uns Leben“, sagt sie. „Davon essen wir, damit leben wir, damit schicken wir die Kinder in die Schule. […] Koka ist gut. […] Schlecht ist, was manche daraus machen.“ (Bolivianische Koka-Bauerin)5

  1. Süddeutsche Zeitung: „Kraut der Götter, Gift der Gringos“ – Artikel vom 20.08.2012 []
  2. Business Insider: „Bolivia ended its drug war by kicking out the DEA and legalizing coca“ – Artikel vom 01.10.2016 [] [] []
  3. Die Tageszeitung: „Bolivianer dürfen kauen“ – Artikel vom 20.01.2013 [] []
  4. Business Insider: „Bolivia ended its drug war by kicking out the DEA and legalizing coca“ – Artikel vom 01.20.2016 []
  5. Süddeutsche Zeitung: „Kraut der Götter, Gift der Gringos“ – Artikel vom 20.08.2012 []

Über Elena / earthlink

Ich habe gerade meinen Bachelor in Ethnologie mit Nebenfach Rechtswissenschaften abgeschlossen. Mein Studium habe ich gewählt, weil mich völkerrechtliche Probleme in unserer globalen Welt interessieren. Ich freue mich, bei EarthLink die nächsten zwei Monate jede Menge über aktuelle Themen zu lernen.
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