Iran: Die Todesstrafe hat keinerlei abschreckende Wirkung

Bild: © Maxim Evdokimov - Dreamstime

Laut Innenminister Abdolreza Rahmani Fazli sollen im Iran sechs Millionen Landsleute mit Suchtproblemen zu kämpfen haben. Im letzten Jahr wurden 977 Hinrichtungen vollzogen, 90 Prozent davon an Drogendealern. Und dennoch, die Exekutionen haben keine Wirkung, so Mohammed Bager Olfat, Leiter des Untersuchungsausschusses der iranischen Justiz. Drogenhandel und Konsum nehmen stetig zu. Doch der Staat hat reagiert – Süchtige werden jetzt wie Kranke behandelt.

Schon seit 17 Jahren arbeitet Mohammed Esgahi als Drogenmediziner und ist immer noch optimistisch. Für viele ist er der einzige Grund, weshalb sie noch am Leben sind. Angefangen hatte er in einer Einrichtung, in der Ersatzdrogen ausgegeben wurden, jedoch wollte er mehr tun. Heute hat er 90 Patienten in Behandlung und bietet zusätzlich ein therapeutisches Selbsthilfeprogramm an. Dieses ist angelehnt an amerikanische, australische und britische Selbsthilfeleitfäden, die an die iranische Mentalität und Kultur angepasst wurden. Gemeinsam in Gruppen oder auch in Einzeltheraphie versuchen Betroffene ihr Bewusstsein zu schärfen, analysieren die jeweiligen Probleme und Gründe ihrer Sucht. Sie sprechen über Angst, Einsamkeit und Geld. Mit einer speziellen Karte können sich die Patienten auf der Straße als legale Konsumenten ausweisen.1

Solche Einrichtungen gab es leider nicht immer und auch der Umgang mit Süchtigen sah ganz anders aus. Wurden sie erwischt pferchte man sie in Umerziehungslager, in denen sie mit körperlicher Entgiftung und religiöser Sündenbüße sowie Zwangsarbeit von ihrer Sucht loskommen sollten. Andere Maßnahmen waren die Haftstrafe, Geldbußen oder Zwangsarbeit. Dabei sind diese Maßnahmen noch wesentlich humaner im Gegensatz zur Todesstrafe, die dort noch üblich ist. Ihre Anwendung ist international, rechtlich, ethisch und praktisch umstritten. Laut Amnesty International wird die Anzahl der Hinrichtungen immer besorgniserregender. Dabei ist die abschreckende Wirkung der Todesstrafe wissenschaftlich bisher nicht belegt worden. „Die Anwendung der Todesstrafe verwehrt einem Menschen die Möglichkeit, seine Tat durch Wiedergutmachung, Reue oder Besserung zu sühnen“, so die Menschenrechtsorganisation.2

Diese Art der Drogenpolitik erzielte auch im Iran keinerlei Erfolge – im Gegenteil: viele Inhaftierte lernten erst in den Drogenlagern die Szene mehr kennen. Aids breitete sich schnell aus, von Religionsanhängern wurde es als Gottesstrafe für die westliche Dekadenz ausgelegt. Nach dieser Epidemie wurde klar, dass schnell etwas geändert werden musste.

Heute gibt es 6000 solcher Drogenambulanzen alleine in Teheran. Obwohl sie nun deutlich mehr bewirken können, ist die gesellschaftliche Last immer noch zu hoch. Die Islamische Republik gehört weltweit zu den Nationen mit der höchsten Zahl an Suchtkranken, 1,25 Millionen Iraner – davon 90 Prozent männlich – sind abhängig. Weitere 700.000 konsumieren gelegentlich. Laut UN-Weltdrogenbericht  gibt es jährlich fast 3000 Drogentote.1

 

  1. zeit online: Opium die Alten, Crystal die Jungen; Artikel vom 16.9.2016 [] []
  2. amnesty international: Argumente gegen die Todestrafe; Stand vom 6.10.2016 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!
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