Taliban gewinnen an Macht: Drogenanbau in Afghanistan steigt erneut drastisch an

angerizter Mohn

Um Rohopium zu gewinnen, wird der Mohn angerizt und der austretende Milchsaft abgekrazt. Bild: © Andrew Lopez [CC BY-NC 2.0] - flickr

Laut dem World Drug Report der UN stieg die Opiumproduktion 2016 um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. In Afghanistan wird weltweit am meisten Schlafmohn angebaut. Auch dieses Jahr  vergrößerte sich die Anbaufläche um zehn Prozent im Vergleich zu 2015. Inzwischen werden wieder auf 201 000 Hektar Mohn kultiviert. Dieses Jahr können laut der UN wieder 4800 Tonnen Opium eingefahren werden. Daraus wird anschließend Heroin hergestellt. Die Opiumproduktion steigt seit Jahren stetig an.1 Im Jahr 2000 waren es noch knapp 3300 Tonnen, inzwischen liegt die jährliche Ernte fast doppelt so hoch. Nur letztes Jahr war sie erheblich niedriger ausgefallen, da viele Pflanzen mit Krankheiten befallen waren. Daraufhin stieg der Preis enorm an, denn die Nachfrage in Europa und den USA bleibt.2

Die Rekordernte in diesem Jahr ist vor allem auf die guten Wetterbedingungen und den Rückgang der internationalen Gelder im Anti-Drogen-Kampf zurückzuführen. Dabei spielt die radikalislamistische Taliban eine wichtige Rolle.3  Die Terrororganisation erzielte dieses Jahr wieder vermehrt militärische Erfolge. So griff sie vor drei Wochen die Provinzhauptstadt Helmands an.4 Folglich vernachlässigte die Regierung die Pläne, die Mohnfelder zu vernichten.5 Die Taliban werden immer mächtiger, auch durch die Opiumindustrie. Dabei ist das Hauptanbaugebiet besagte Provinz Helmand. Dort kontrolliert die Gruppierung inzwischen 85 Prozent der Bezirke. Auch im Norden, wo lange Zeit die Bundeswehr stationiert war, steigt der Anbau. Die Felder haben sich dort sogar verdreifacht. Die Taliban begannen im Jahr 2006 wieder zunehmend an Macht zu gewinnen. Parallel dazu stieg auch der Mohnanbau an.

Laut UNODC sei eine erhöhte Ernte pro Hektar im Süden und Westen Afghanistans zu vernehmen. Mehr als 35 Prozent mehr Ertrag im Vergleich zum Vorjahr. Es gebe Anzeichen für neue Pflanzen, die drei anstatt nur zwei Ernten im Jahr erbringen können. Somit wird Afghanistan auch weiterhin der größte Produzent bleiben. Allein 2009 sollen die Taliban 155 Millionen Dollar am Drogengeschäft verdient haben.6 Ob sie allerdings tatsächlich der Auslöser für den Anstieg des Drogenanbaus sind, bleibt umstritten. Denn unter dem Talibanregime war der Drogenanbau kurzzeitig verboten und dementsprechend rückläufig. Als 2009 die amerikanische Truppenstärke fast verdreifacht wurde, stieg parallel auch der Drogenanbau an. Ausgerechnet das Hauptanbaugebiet Helmand wurde 2009 durch das US-Militär gesichert.7

Des Weiteren lähmen korrupte Behörden die Handlungsfähigkeit des Staates und verkaufen Waffen sowie Regierungsgebäude an die Taliban. Korrupte Kommandeure fordern Löhne für Soldaten an, die teilweise gar nicht existieren. Der UN zufolge liegt der Erlös der afghanischen Drogenschmuggler jährlich bei 2,2 Milliarden Dollar. Das entspricht knapp einem Fünftel des afghanischen Bruttoinlandsproduktes. Behörden in den Anbaugebieten werden bestochen, die Kultivierung zu dulden.8 Aber ohne die Berücksichtigung des Konsums, wird auch die Drogenproblematik in Afghanistan nicht aufhören. Allein in Deutschland werden Jährlich fünf Tonnen Heroin konsumiert.9

  1. tagesschau: Opium-Anbau in Afghanistan floriert; Rekordernten nach Taliban-Erflogen; Artikel vom 23.10.2016 []
  2. faz: Opium für die Taliban; Afghanistan; Artikel vom 23.10.2016 []
  3. tagesschau: Opium-Anbau in Afghanistan floriert; Rekordernten nach Taliban-Erfolgen; Artikel vom 23.10.2016 []
  4. bbc: Taliban fighters push into Helmands capital Lashkar Gah; Artikel vom 10.10.2016 []
  5. tagesschau: Opium-Anbau in Afghanistan floriert; Rekordernten nach Taliban-Erfolgen; Artikel vom 23.10.2016 []
  6. faz: Opium für die Taliban; Afghanistan; Artikel vom 23.10.2016 []
  7. neopresse: Trauriges Jubiläum; Kampf gegen den Terror; Teil III; Artikel vom 24.10.2016 []
  8. n24: Die Leute sind so angewidert von der Regierung; Korruption in Afghanistan schlimmer als Taliban; Artikel vom 24.10.2016 []
  9. br: Drogenkrieg unter den Augen des Westens; Heroinschwemme aus Afghanistan; Artikel vom 30.08.2016 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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