Argentinien: Das Problem mit synthetischen Drogen

Ecstasy Pills

Ecstasy Pills | Bild: © Chris Breikss [CC BY 2.0] - Flickr

Argentinien ist eines der wichtigsten Länder für den süd- und mittelamerikanischen Handel mit Rauschmitteln – vor allem Kokain. Zwar baut Argentinien selbst kaum Kokapflanzen an, aber wegen seiner unzugänglichen Regionen, den durchlässigen Grenzen und den weitläufigen Flüssen ist es ein attraktives Transitland.1 Die Drogen gelangen aus Bolivien und Paraguay über Land, Meer und Flüsse nach Argentinien, von wo sie per Flugzeug oder Boot weiter Richtung Norden geschmuggelt werden.2

Nun könnte sich Argentiniens Rolle als bloßes Transitland ändern. In den letzten Jahren stieg die Anzahl an Beschlagnahmungen von synthetischen Drogen immens an. Unter den Begriff „Synthetische Droge“ fallen alle Substanzen, „die ohne einen natürlichen Ausgangsstoff rein chemisch im Labor hergestellt werden können“, wie beispielsweise Ecstasy oder LSD.3 Ihre Identifizierung ist kompliziert, da die Produzenten die chemischen Zusammensetzungen ständig ändern, um die Gesetzgebung zu umgehen. Allerdings sind in den meisten Ländern, ebenso wie nach dem argentinischen Recht von 1989, nur die Rauschmittel verboten, die vom Staat als illegal eingestuft werden. Das gestaltet den Kampf gegen synthetische Drogen als schwierig. Zwar will der Staat 61 neue Drogen auf die Verbotsliste setzen, doch das erfordert eine lange Prozedur und das Ergebnis ist schnell überholt.4

Infolgedessen explodiert die Produktion. Zwischen Januar und Oktober 2016 wurden laut argentinischen Behörden 139 204 synthetische Drogen in Pillenform konfisziert. Das sind 500 Prozent mehr als im Jahr 2015: Damals waren es „nur“ 22 244. Allein am 10. November 2016 wurden von Beamten 25 000 Ecstasy-Pillen beschlagnahmt. Der steigende Konsum regt die Produktion und damit auch den Handel an und sowohl die Anzahl von Drogenlaboren als auch von Schmugglern steigt.4

Die synthetischen Drogen breiten sich nicht nur in Argentinien, sondern in ganz Lateinamerika besorgniserregend schnell aus und ihr Konsum steigt laut der UNODC an. Der Fokus liegt allerdings auf Brasilien und Argentinien.4 Der daraus resultierende Handel könnte ein Problem für die Produktionsländer werden. Die synthetischen Drogen werden nicht mehr nur für den lokalen Konsum, sondern für den grenzüberschreitenden Handel hergestellt. Unter der mit dem Drogenhandel einhergehenden Gewalt leiden die Menschen vor Ort. In der Stadt Rosario, einem Standort vieler Drogenschmuggler, ist die Mordrate fast dreimal so hoch wie der landesweite Durchschnitt.2

Der argentinische Präsident Mauricio Marci nennt den Drogenhandel eine Gefährdung der nationalen Sicherheit. Als Gegenmaßnahme erlässt er neue Gesetze zu seiner Bekämpfung und geht hart gegen den Rauschgifthandel vor. Sein Motto: Besser aggressiv als innovativ. So dürfen seit Januar beispielsweise Flugzeuge mit Verdacht auf Drogentransport abgeschossen werden. Menschenrechtsaktivisten äußern Sorgen über die harten Maßnahmen.2

Wie sich die steigende Produktion von synthetischen Drogen auf Argentiniens Lage auswirken wird, bleibt abzuwarten. Es besteht die Gefahr, dass der momentane Kokainhandel durch synthetische Drogen verschärft werden könnte. Die Produktion von synthetischen Drogen wäre eine neue, lukrative Einnahmequelle, da die Nachfrage sowohl in Lateinamerika als auch in den USA und Europa stetig steigt. Profitieren würden allerdings allein die Drogenkartelle und Drahtzieher, während die restlichen Menschen unter der Schattenwirtschaft leiden würden.

  1. ORF: „Guter Transitpunkt“ – veröffentlicht am 09.09.2016 []
  2. Business Insider Deutschland:  „Better to be belligerent than innovative“ – veröffentlicht am 02.11.2016 [] [] []
  3. DHS: Synthetische Drogen – veröffentlicht 2014 []
  4. InSight Crime: Seizures of Synthetic Drugs up 500% in Argentina – veröffentlicht am 11.11.2016 [] [] []

Über Elena / earthlink

Ich habe gerade meinen Bachelor in Ethnologie mit Nebenfach Rechtswissenschaften abgeschlossen. Mein Studium habe ich gewählt, weil mich völkerrechtliche Probleme in unserer globalen Welt interessieren. Ich freue mich, bei EarthLink die nächsten zwei Monate jede Menge über aktuelle Themen zu lernen.
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