Brasilien: Plündern und Schmuggeln auf dem Amazonas

Aerial view of the Amazon Rainforest, near Manaus, the capital of the Brazilian state of Amazonas, Brazil.

Bild: © CIFOR [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr.com

Piraten auf dem Amazonas stellen ein immer größeres Problem für die brasilianische Bevölkerung dar. Sie greifen sowohl Touristenboote, als auch Einheimische an. In der Nähe der Hafenstadt Belem griffen einige Männer ein Schiff an und beraubten etwa 260 Passagiere. Bei einem anderen Überfall wurden 2.600 Gallonen (eine Gallone entspricht ca. 3.785 Liter) Treibstoff und die Besitztümer der Besatzung gestohlen. Meist sind die Mitfahrenden den Angreifern schutzlos ausgeliefert und auf ihre Gnade angewiesen.1

Häufig kommen die Plünderer nach Sonnenuntergang, wenn die Passagiere eines Bootes  bereits in ihren Hängematten liegen und schlafen. Sie werden überraschend geweckt und haben, mit einer Waffe im Gesicht, keine Chance sich zu wehren. Die Piraten nehmen ihnen alles ab – Geld, Schmuck, Handys, Treibstoff und oft sogar das Essen. Sie zwingen die Reisenden, sich auf den Boden zu legen und fahren mit ihren Motorbooten davon. Es kann jedoch auch anders verlaufen, oft wurde die Besatzung misshandelt, gequält oder sogar getötet. Die Angreifer selbst haben meist keine anderen Perspektiven, sie haben keine Möglichkeiten Geld zu verdienen und ihre Familien zu ernähren. So wenden sie sich der Kriminalität und dem Drogenschmuggel zu.2

In den Weiten des brasilianischen Dschungels sind die Piraten schwer von den Behörden auszumachen. Die Gesetze des Staates greifen in diesen einsamen und abgelegenen Regionen nicht, zudem bewegen sich die Kriminellen schnell über den Amazonas und haben genügend Möglichkeiten unterzutauchen. Meist benutzen die Piraten wendige Motorboote und haben einen erheblichen Vorteil gegenüber den eher schwerfälligen Booten der Polizei. Der Amazonas ist zu groß und gewaltig um die Piraten zu finden. Sie kennen sich gut im Dschungel aus, da sie dort geboren wurden. Die Anwohner des Amazonas leben in ständiger Angst, denn auch für die kleinsten Gegenstände werden sie von den Piraten ausgeraubt.1 ,2

Tief im Dschungel, über die Grenzen nach Kolumbien und Peru hinweg, findet ein florierender Drogenhandel statt. Diese Übergänge werden nur wenig überwacht und eignen sich gut für den Schmuggel. Von dort aus können die Rauschmittel in Brasilien weiter auf kleinere lokale Märkte gebracht, oder für den internationalen Handel vorbereitet werden. Häufig transportieren die Piraten die Drogen mit vielen kleinen Booten gleichzeitig übers Wasser, so ist es beinahe unmöglich, sie alle zu fassen.3 Fischerboote sind unauffällig und werden darum oft für den Transport der Drogen genutzt. Sofern die Fischer kooperieren, werden sie von den Piraten gut entlohnt, diejenigen, die eine Zusammenarbeit in der Vergangenheit  ablehnten, sind schon häufig spurlos verschwunden.1

Der Drogenschmuggel ist im Allgemeinen ein sehr großes Problem in Brasilien. In den abgelegenen Winkeln auf dem Amazonas findet nur wenig Kontrolle statt. Besonders die Stadt Manaus am Amazonas hat sich in den letzten Jahren als wichtiger Stützpunkt im Drogenhandel erwiesen. Von den Anden aus werden die Rauschmittel übers Wasser transportiert und in Manaus entweder für den internationalen Handel nach Europa und in die USA vorbereitet, oder für lokale Märkte genutzt. Immer mehr von dem Kokain bleibt inzwischen in der Stadt hängen und führt zu Gewalt und sozialen Problemen. In Brasilien selber werden inzwischen so viele Drogen konsumiert, dass weltweit nur die USA einen höheren Wert einnimmt. Schätzungsweise werden jährlich an die 80 Tonnen Kokain durch den Dschungel und über den Amazonas geschmuggelt. Die Piraten sind in diesem Zusammenhang lediglich die Zulieferer, die Weiterverbreitung obliegt den mächtigen Drogenkartellen der Stadt.4

Schon seit langer Zeit gibt es Piraterie entlang der Flüsse in Lateinamerika, in den letzten Jahren haben sie sich aber zunehmend auf Entführungen und den Drogenschmuggel spezialisiert. Die Bevölkerung in der Amazonas-Region ist allein zwischen den Jahren 2000 und 2010 um ca. 22 Prozent angestiegen. Das Gebiet zählt zu den ärmsten in ganz Brasilien und durch die geringe Polizeipräsenz ist die Kriminalität sehr hoch.5

  1. InSight Crime: Pirates Threatening Brazilian Amazon Highlight Regional Security Concern; Artikel vom 22.11.2016 [] [] []
  2. The New York Times: ‚There’s No Law on the Amazon‘: River Pirates Terrorize Ships by Night; Artikel vom 18.11.2016 [] []
  3. InSight Crime: The Flow of Drugs and BLood in the Amazon Tri-border Region; Artikel vom 04.04.2014 []
  4. amazonas.de: Manaus Stadt der Drogen; Artikel vom 10.2014 []
  5. The New York Times: ‚There’s No Law on the Amazon‘: River Pirates Terrorize Ships by Night; Artikel vom 18.11.2016 []

Über Lotta / earthlink

Ich studiere Politik und Gesellschaft an der KU in Eichstätt. Ich bin sehr interessiert an Umweltpolitik, dem Nahen Osten und internationalen Zusammenhängen von Konflikten.
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