Das nördliche Dreieck – gemeinsam gegen Banden-Kriege und Drogenschmuggel

Chelatenango, El Salvador. May 2007. A members of the Mara Salvatrucha gang displays his tattoos inside the Chelatenango prison in El Salvador.

Bild: © markarinafotos [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr.com

Das nördliche Dreieck – Honduras, Guatemala und El Salvador – gilt als eine der gefährlichsten Gegenden weltweit. In den drei kleinen Staaten leben zusammen 31 Millionen Menschen, die meisten von ihnen in Armut. Aufgrund dieser haben sich Gangs gebildet, die sich über den Drogenschmuggel und das organisierte Verbrechen finanzieren. Durch die hohe Kriminalität sind auch die Todeszahlen extrem hoch, allein im Jahr 2015 wurden in diesen drei Ländern 16.527 Menschen brutal umgebracht. Gewaltbereite Gruppen, insbesondere in El Salvador, sind die Hauptverantwortlichen für die hohe Mordrate des Landes.1

Mit 104 Morden auf 100.000 Einwohner ist El Salvador das gefährlichste Land der Welt, abgesehen von Kriegsgebieten.2 Ein Großteil der Morde entsteht durch Bandenstreitigkeiten, ein großer Teil jedoch auch durch Gewalt der Regierung gegenüber der Bevölkerung. Häufig entstehen Gerüchte über Hinrichtungen von Gang-Mitgliedern durch die Regierung und „death Sqads“(Todesschwadronen), als Reaktion auf die hohe Kriminalität.3

In El Salvador gab es im Jahr 2012 den Versuch einer Waffenruhe zwischen den berüchtigten Gangs Barrio 18 und Mara Salvatrucha und der Regierung, diese scheiterte jedoch. Da in den ersten Monaten des Jahres 2016 doppelt so viele Menschen getötet worden waren, wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs, erklärte die Regierung im Januar 2016 in den Krieg gegen die Banden zu ziehen. Diese wiederum riefen die Regierung des Landes dazu auf, von „außergewöhnlichen Maßnahmen gegen die Kriminalität abzusehen“, da sie die Mittel hätten, die Politik zu zerstören.4

Seit November 2016 ist der Konflikt wieder auf einem neuen Höhepunkt angekommen. Die Regierung hat 30 vermeintliche Bandenmitglieder verhaftet und in einen Hochsicherheitstrakt gebracht. Das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte und der Polizei spiegelt den geringen Respekt der Regierungsangehörigen vor den Menschenrechten wieder. Allein zwischen Januar 2015 und August 2016 wurden von der Polizei bis zu 700 vermeintliche Gang-Mitglieder erschossen, ein Druchschnitt von mehr als einer Person am Tag. Da bei diesen Konfrontationen nur sehr wenige Polizisten ums Leben kamen, erhoben sich ernste Zweifel über die Umstände der Ereignisse und das Vorgehen der Polizei.5 ,6

Aufgrund der Kriminalität in allen drei Ländern des nördlichen Dreiecks haben die Regierungen von Guatemala, Honduras und El Salvador beschlossen, ein Abkommen zu schließen, um den Drogenschmuggel über die Grenzen zu unterbinden und diese zu sichern. Diese Übereinkunft besteht aus einer Polizeieinheit, mit Mitgliedern der Polizei, des Militärs, der Geheimdienste und der Zollbehörden. Die Regierungen sicherten zu, genügend Mittel für diesen Zusammenschluss bereitzustellen. So sollen Sicherheitsmaßnahmen gemeinsam getroffen werden, geheime Informationen geteilt und Gefangene ausgeliefert werden. Die Einheit wird die Grenzen kontrollieren, um den Drogen-, Waffen und Menschenschmuggel zu unterbinden. Zudem wird ein zentrales Register für Haftbefehle eingerichtet, sodass Verdächtige in jedem der Länder festgenommen werden können.1

In den letzten Jahren ist es immer häufiger vorgekommen, dass gesuchte Gang-Mitglieder, Verbrecher und Drogenschmuggler über die Grenzen in den Nachbarländern untertauchten. El Salvador ist noch nicht so stark in den Drogenschmuggel involviert wie die anderen beiden Länder, die Bedeutung des Drogenschmuggels ist jedoch in den letzten Jahren stark gestiegen. Das gemeinsame Abkommen der drei Länder soll nicht nur der Sicherung der Grenzen dienen, sondern auch die Einwanderung in die USA beschränken. Daher wird es voraussichtlich zu großen Teilen von den USA finanziert werden. Mit der Vereinbarung sollen zudem Arbeitsplätze geschaffen und eine funktionierende Infrastruktur aufgebaut werden.7 ,8 ,9

Der Schritt eines gemeinsamen Abkommens wird als wichtige Errungenschaft angesehen und ist mit großer Hoffnung verbunden. Die Vereinbarung tritt jedoch nur in Kraft, wenn sie von allen drei Ländern unterzeichnet wird. Am 12. August wurde bereits eine Übereinkunft zum Bekämpfen der Banden mittels einer gemeinsamen „Elite Security Group“ unterzeichnet.4

Insgesamt ist der Erfolg des gesamten Abkommens fraglich. Auch jetzt teilen die Länder bereits ihre Sicherheitsinformationen und arbeiten bei der Überwachung der Grenzen zusammen, bisher jedoch ohne große Veränderungen erreicht zu haben. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, die Ergebnisse werden sich allerdings erst in der Zukunft zeigen.10

 

  1. FoxNews Latino: Northern Triangle nations to deploy joint anti-crime force in September; Artikel vom 23.08.2016 [] []
  2. t-online: El-Salvador lehnt Waffenruhe mit Jugendbanden ab; Artikel vom 28.03.2016 []
  3. InSight Crime: El Salvador is Most Violent Nation in Western Hemisphere; Artikel vom 04.01.2016 []
  4. FoxNews Latino: Northern Triangle nations to deploy joint anti-crime force in September; Artikel vom 23.08.2016 [] []
  5. InSight Crime: El Salvator Authorities Blame MS13 for Surge in Killings of Police; Artikel vom 17.11.2016 []
  6. InSight Crime: El Salvador Forces Kill 346 Gang Members This Year; Artikel vom 01.06.2016 []
  7. Amerika21: Guatemala, Honduras und El Salvador gemeinsam gegen kriminelle Banden; Artikel vom 18.11.2016 []
  8. Spiegel Online: USA setzen „MS-13“ auf Sanktionsliste; Artikel vom 11.10.2012 []
  9. InSight Crime: El Salvador; Artikel vom 14.07.2016 []
  10. InSight Crime: Northern Triangle Deploys Tri-National Force to Combat Gangs; Artikel vom 15.11.2016 []

Über Lotta / earthlink

Ich studiere Politik und Gesellschaft an der KU in Eichstätt. Ich bin sehr interessiert an Umweltpolitik, dem Nahen Osten und internationalen Zusammenhängen von Konflikten.

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