Albanien – Europas führender Cannabis-Produzent will der EU beitreten

Bild: © Martijn [CC BY-SA 2.0] -

Albanien möchte der EU beitreten, doch es gibt Hürden: Organisierte Kriminalität und Drogenhandel gelten als die größten Probleme des Landes. Vor allem in Bezug auf Cannabis-Anbau sind sie europaweit führend. Zwar ist der Anbau in Albanien illegal, aber für viele der einzige Weg aus der Armut. Für zwei Kilogramm Marihuana bekommen die Bauern genau so viel wie für tausend Kilo Weizen.1 Nicht umsonst wird es als das „grüne Gold“ bezeichnet und gerade in einem so armen Land stellt der Anbau und Handel ein Millionengeschäft dar.

Nach Angaben albanischer Behörden gab es allein 2016 über 1.250 Polizeieinsätze, bei denen mehr als 2,3 Millionen Cannabispflanzen zerstört wurden. Die Polizisten sollen darüber hinaus neun Tonnen Cannabis sichergestellt und 250 Händler und Produzenten festgenommen haben. Aber ob diese Zahlen zu einer nachhaltigen Veränderung führen werden?

Die Voraussetzungen für die Cannabisproduktion in Albanien sind gut. Die Bergregionen sind schwer zu kontrollieren. Oft sitzen Polizei, Politik und die internationale Mafia in einem Boot.1 Lange Zeit stand Albanien unter einem starken, geschlossenen Regime. Die Zeit nach dem Kommunismus war allerdings gekennzeichnet durch Bürgerunruhen und ein rapides Wachstum von organisierter Kriminalität. 25 Jahre später ist die Arbeitslosenrate immer noch hoch und Korruption verbreitet – Faktoren, die den Drogenanbau und Handel florieren lassen.2

Auch das nahegelegen Italien ist schnell erreicht und stellt einen lukrativen Absatzmarkt dar.1 Während sich ein Kilo Cannabis in Albanien für 100 bis 200 Euro verkaufen lässt, ist die gleiche Menge in Italien rund 1500 Euro wert. Das Cannabis wird hauptsächlich nach Montenegro, Griechenland und über das Meer nach Italien exportiert.

Nur sieben Tage, bevor Albanien den Status des offiziellen EU-Beitragskandidaten erhalten sollte, startete die albanische Polizei einen Großeinsatz gegen das Dorf Larzarat, 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Tirana. Dieses war zu jenem Zeitpunkt als „Hauptstadt des Cannabis“ bekannt. Bis zu 900 Tonnen Rauschgift sollen die Bewohner jährlich geerntet haben. Eine Menge mit einem geschätzten Marktwert von 4,5 Milliarden Euro – etwa ein Drittel des albanischen Bruttoinlandsprodukts. Die Dorfbewohner allerdings leisteten mit Maschinenpistolen und Raketenwerfern Widerstand. Erst nach zwei Tagen gelang es der Polizei, die Situation unter Kontrolle zu bringen.1

Von 2013 bis 2016 zeigte sich ein Produktionsrückgang um mehr als 30 Prozent in den Hauptanbau Gebieten Albaniens. Dennoch wird die  Drogenpolitik dafür kritisiert, dass vor allem die armen Arbeiter verhaftet werden, die auf den Plantagen arbeiten. Die großen, einflussreichen Leute entgehen der Polizei meistens. Und auch wenn jemand in Verbindung mit organisiertem Verbrechen festgenommen wird, werden die Vergehen nur selten strafrechtlich verfolgt. Der Ministerpräsident Saimir Tahiri streitet dies ab. Er behauptet, es würden gerade die „großen Fische“ verfolgt. Es soll 1.600 laufende Strafverfahren und 400 Verhaftungen geben.3

 

  1. mdr: Albanien; Europas führender Cannabisproduzent; Artikel vom 5.12.16 [] [] [] []
  2. bbc: Europe’s outdoor cannabis capital; Artikel vom 1.5.12 []
  3. bbc: Europe’s outdoor cannabis capital; Artikel vom 1.5.12 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!

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