Haiti: Kokainschmuggel floriert durch politische Instabilität

Drogenfund Haiti

The crew of Her Majesty's Ship Argyll and a Coast Guard Law Enforcement Detachment Team (LEDET) recover bales of cocaine from the water after they were jettisoned by suspected smugglers south of Haiti. The crew interdicted $35 million worth of cocaine while on patrol. Bild: © Coast Guard News [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Zwei Neffen des venzolanischen Präsidenten wurden vergangenen Jahres auf dem Inselstaat Haiti festgenommen, da sie im Drogenschmuggel involviert waren. Daneben wurde noch eine Tonne Kokain beschlagnahmt, die an einem Fughafen in Haiti sowie auf einem Katamaran vor der Küste der Dominikanischen Republik versteckt wurde. Die illegalen Drogen sollen einen Wert von 80 Millionen US-Dollar haben.1

Haiti stellt einen zentralen Umschlagplatz für illegale Drogen aus Südamerika dar. Kokain, vor allem aus Kolumbien, wird mittels großer Frachter nach Haiti gebracht und von dort anschließend auf kleine Schiffe verteilt. Die Insel bietet optimale Verhältnisse für Drogenschmuggel und – handel, da die staatlichen Strukturen recht schwach sind. Es gibt nur 11.000 Polizisten auf zehn Millionen Einwohner, wobei das Monatsgehalt bei etwa 300 Dollar liegt. Korruption ist daher keine Seltenheit. Zum Vergleich: In Berlin gibt es auf 2,5 Millionen Einwohner rund 8000 Polizisten.2 Daneben stehen Morde an der Tagesordnung, weswegen sich die Polizei schwer tut, gegen den Drogenhandel vorzugehen. Seit September 2015 wurden 567 Menschen getötet, ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kommen Ernährungsunsicherheit, wirtschaftliche Probleme und politische Instabilität, weswegen Drogenbanden leicht operieren können.3

Ein Teil des Kokains wird aus Haiti nach Puerto Rico geschmuggelt, denn dieses Land hat eine Staatengemeinschaft mit den USA. Das wertvolle Pulver wird über die Insel auch direkt nach Miami gebracht. So werden laut der US-amerikanischen Regierung 83 Tonnen Kokain jährlich über Haiti oder die Dominikanische Republik geschmuggelt. Bis Mitte der 1990er Jahre waren zudem Mitglieder des haitianischen Militärs, des Geheimdienstes und der Polizei im Drogenhandel involviert. 1994 konnte bewiesen werden, dass der haitianische Kommandeur der Polizei, Michel François, auf Haiti einen Deal mit dem kolumbianischen Medellín-Kartell hatte. Allein 1999 soll er 35.000 Kilogramm Kokain aus Schiffladungen im Verborgenen gehandelt haben. Ihm wird zudem nachgesagt, eine private Schiffanlegestelle auf dem Grundstück eines weiteren Militäroffiziers gehabt zu haben, um den Kokainschmuggel zu erleichtern.4

Ein weiteres Beispiel für die politische Instabilität in Haiti sind die eigenen Politiker, die durch die US Drug Enforcement Administration (DEA) gesucht werden. Ein Senator sowie ein wichtiger Polizeioffizier wurden wegen Geldwäsche, außergerichtlicher Tötungen sowie Drogenschmuggel angeklagt. Gegen diesen Polizeioffizier, Guy Philippe, wurde im Mai diesen Jahres ein Haftbefehl ausgesprochen, da er an einem Angriff auf ein haitianisches Polizeirevier beteiligt war. 2004 war Philippe zudem in einen Putschversuch gegen den damaligen Präsidenten verwickelt. Dennoch wurde er im Novemer für sechs Jahre zum Senator einer Provinz gewählt. Daran zeigt sich, wie nah Gesetzgeber und Gesetztesbrecher in diesem Inselstaat in Zusammenhang stehen und dadurch der Drogenhandel ermöglicht werden kann.5

  1. Latinapress: USA-Venezuela-Haiti; Mitglieder der Präsidentenfamilie wegen Drogenschmuggels angeklagt; Artikel vom 12.11.2015 []
  2. lr-online: Teil 9; Drogen, Prostitution und Geldwäsche; Artikel vom 28.11.2014 []
  3. InSightCrime: Haiti Political Instability Complicates Efforts to Confront Crime; Atikel vom 17.03.2016 []
  4. Wikipedia: Illegal drug trade in Haiti; aufgerufen am 22.12.2016 []
  5. InSightCrime: Senator-elect in Haiti One of DEA’s Most Wanted; Artikel vom 07.12.2016 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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