Malaysia: Kampf gegen die Drogen – Duterte als Vorbild?

Drugs

Bild: © Max Boschini [CC BY-NC 2.0] - flickr.com

Malaysia ist laut der Nationalen Anti-Drogen Behörde (AADK) nicht mehr nur ein Transitland für Drogen, sondern verzeichnet immer mehr Labore für synthetische Drogen auf eigenem Boden. Vor allem in großen Wohnungen werden Opiate von ausländischen „Köchen“  hergestellt, zum Beispiel aus dem Iran. Die beliebteste Droge in Malaysia ist sogenanntes Syabu, eine andere Bezeichnung für Methamphetamine. Die Inhaltsstoffe sind einfach zu beschaffen und Syabu ist unkompliziert herzustellen. Wichtige Bestandteile können unter anderem aus Jod und nicht verschreibungspflichtigen Grippe-Medikamenten herausgefiltert werden. Auch in Nagellacken, Düngemitteln, Schwefelsäure und Benzin lassen sie sich finden.1

Das neue Ausmaß an Drogenlaboren könnte auch mit der steigenden Anzahl an Drogenabhängigen zusammenhängen. Im Februar 2016 wurden offiziell 131.841 süchtige Personen gezählt, davon nur drei Prozent Frauen und 97 Prozent Männer.2 Ein Anstieg ist auch bei Jugendlichen und Kindern zu beobachten: Im Jahr 2014 waren es schon 15.897 durch die AADK Registrierte.3 Es ist jedoch anzunehmen, dass die Dunkelziffer unvergleichlich hoch ist, da vor allem Frauen die Drogen eher versteckt konsumieren und generell Missbrauch und Handel aggressiv geahndet werden. Die geschätzte Gesamtanzahl liegt bei ungefähr einer Million Abhängiger, das sind knapp vier Prozent der Gesamtbevölkerung.4

In Malaysia steht, wie in weiteren acht von zehn ASEAN-Ländern, die Todesstrafe auf Drogenhandel. Der Besitz wird mit einer Gefängnis- oder Geldstrafe geahndet.5 Abhängige Personen müssen eine zwei Jahre lange Rehabilitation durchlaufen.4

Doch dem malaysischen Premierminister Najib Razak ist das anscheinend nicht genug. Er wünscht sich die Unterstützung des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte im Kampf gegen Drogenhandel- und konsum.6 Duterte verglich sich unter anderem mit Hitler; er sagte, er wolle drei Millionen philippinische Drogenabhängige umbringen, so wie Hitler drei Millionen Juden umgebracht hätte.7 Menschenrechtsorganisationen, die UNO und der Internationale Strafgerichtshof verurteilten die Exekutionen von bisher weit mehr als 2000 Menschen auf den Philippinen8 aufs Stärkste. Der ICC will nun Untersuchungen einleiten.7

Doch nicht nur Malaysia, auch Indonesien zieht einen ähnlichen Umgang mit Drogensüchtigen- und händlern wie Duterte in Betracht. Der Chef der Anti-Drogen Behörde, Budi Waseso, sagte, er würde ganz vorne stehen, um die Drogenhändler „auszurotten“ und könne sich Dutertes Strategie als förderlich für mehr Sicherheit vorstellen.9

Ob die Kriminalisierung von Drogensucht und die drohende Todesstrafe eine positive Wirkung auf den Rückgang von Drogenhandel- und konsum haben, ist mehr als fraglich. In Malaysia jedenfalls scheint dies nicht der Fall zu sein, wie die steigende Anzahl an Drogenlaboren und Abhängigen zeigt.

  1. The Malay Mail Online: Malaysia now a hub for manufacturing drugs, authorities say; veröffentlicht am 15.07.2016 []
  2. New Straits Times Online: More than 130,000 drug addicts in Malaysia to date, figures show; veröffentlicht am 19.04.2016 []
  3. The Sun Daily: Alarming rise in drug abuse among youths an alarming trend; veröffentlicht am 05.04.2016 []
  4. Malaysian Psychiatric Association: Drug Addiction; veröffentlicht am 06.07.2006 [] []
  5. DrugAbuse: The Twenty Countries with the Harshest Drug Laws in the World; zuletzt geprüft am 05.12.2016 []
  6. Smith Rise: Malaysia’s Prime Minister Begs Duterte To Fight Drugs In Malaysia; zuletzt geprüft am 05.12.2016 []
  7. Drogen Macht Welt Schmerz: Philippinen: Präsident Duterte will den internationalen Strafgerichtshof verlassen; veröffentlicht am 21.11.2016 [] []
  8. Spiegel: Duterte will Internationalen Strafgerichtshof verlassen; veröffentlicht am 17.11.2016 []
  9. ABC: Indonesian anti-drugs chief supports implementing Rodrigo Duterte’s Philippine-style drug war; veröffentlicht am 07.09.2016 []

Über Inken / earthlink

Ich studiere Staatswissenschaften mit den Schwerpunkten Politikwissenschaft und Öffentliches Recht und engagiere mich in den Bereichen Integration und Politische Bildung. Meine Zeit bei earthlink ist mit den aufrüttelnden Kampagnen Fluchtgrund, Drogen Macht Welt Schmerz und Aktiv gegen Kinderarbeit gefüllt.
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