Rumänien: Transitland für Mafia-Drogen

Hafen von Konstanza - Rumänien

Bild: © GeorgR (de) [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Obwohl es in den Medien kaum beachtet wird, stellt Rumänien schon seit einigen Jahren zusammen mit Bulgarien und Griechenland ein logistisches Transit-Drehkreuz für Rauschmittel dar. Über die Seeroute vom Schwarzen Meer wird insbesondere Heroin in die EU geschmuggelt.1

Erst Mitte dieses Jahres konnten Ermittler im Schwarzmeerhafen von Constantia 2,3 Millionen Tonnen Kokain im Wert von 625 Millionen Euro sicherstellen. Es ist eine der größten Mengen, die jemals in Europa gefunden wurden. Claudiu Cucu, Chef einer für organisiertes Verbrechen zuständigen Sondereinheit der rumänischen Staatsanwaltschaft sagt, dass an diesem Fall 150 Ermittler sechs Monate lang gearbeitet hatten. Ein Bukarester Gericht ordnete zunächst 30 Tage Haft für sechs Verdächtige an, darunter der mutmaßliche Bandenchef. 300 Kilo Heroin, wahrscheinlich aus Afghanistan konnten Cucu  und seine Männer konnten bereits im Juli 2015  entdecken. 2

Das organisierte Verbrechen, sprich die Mafia, nutzt neuerdings die Schwarzmeerroute für den Transport der Drogen. Die Fracht wird dann häufig auf Lastwagen in die Niederlande gebracht, wo das bis zu 90 Prozent reine Kokain erst gestreckt und für den Verkauf portioniert wird.3

In jedem Hafen der Welt hat das organisierte Verbrechen mindestens einen Fuß drinnen“, schreibt die mexikanische Enthüllungsjournalistin Ana Lilia Perez über die Drogenkartelle. „Mich hat überrascht, wie eng die einzelnen Kartelle interkontinental kooperieren. Vor allem mit der italienischen und der osteuropäischen Mafia.“ Sie hätten Ingenieure, Logistiker, Techniker, Kapitäne und Hafenmeister. „Die einen werden gezwungen mitzumachen, die anderen machen es freiwillig“, sagt die Mexikanerin, die ständig bedroht wird und mittlerweile im eigenen Land auf der Flucht ist.3

Auch der andere Mafiaexperte, Roberto Saviano, Autor des Bestsellers „McMafia – Verbrechen ohne Grenzen“, betont wie eng die Verbindungen zwischen Europa und Mittel- und Südamerika sind. In der globalisierten Welt ist es der Mafia gelungen, sich fast überall zu investieren. Eben auch in Bukarest. Die Balkanländer hätten eine Art Brückenfunktion übernommen.4

Insgesamt ist auch ein Trend zu transnationalen Banden zu erkennen. Denn so können Risiken und Kosten geteilt werden. Auch Kooperationen mit Gruppen, die in anderen Bereichen kriminell aktiv sind, finden häufig statt, um so eine Profitmaximierung und Verbrechenserleichterung zu erreichen. Außerdem entsteht so ein Tauschmarkt zwischen kriminellen Organisationen für Drogen, Waffen und gestohlene Güter. Oft werden dabei Kuriere aus Rumänien eingesetzt.1

Rumänien hat sich also in den letzten Jahren zu einem wichtigen Land für Rauschmittel entwickelt. Um diesem Problem entgegen zu wirken, müsste die Schwarzmeerroute international mehr im den Fokus rücken und die EU müsste sie stärker überwachen. Dazu wäre besonders eine engere Zusammenarbeit mit lokalen Behörden notwendig.

  1. inge-graessle:Zusammenfassung des EU Organised CrimeThreat Assessments 2011 unter Einbe-ziehung der Studie „How does Organised Crime misuse EU Funds?; veröffentlicht am 19.03.2012 [] []
  2. SpiegelOnline: Rumänien; Polizei beschlagnahmt 2,3 Tonnen Kokain; veröffentlicht am 01.07.2016 []
  3. kurier: Rumänien – Einfallstor für Drogen; veröffentlicht am 05.07.2016 [] []
  4. kurier: Rumänien – Einfallstor für Drogen; veröffentlicht am 05.07.2016 []

Über Marie / earthlink

Ich studiere im vierten Semester Geographie in Bochum. Momentan mache ich für zwei Monate ein Praktikum bei earthlink, weil ich mich sehr für entwicklungspolitische Zusammenhänge interessiere und dabei mitwirken möchte, Menschen über die Probleme zu informieren.
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