Überfischung in Ecuador – Drogenschmuggel als neue Option für Fischer

An early morning start for the fisherman in Puerto Lopez, Ecuador

Bild: © Alex Schwab [CC BY-ND 2.0] - flickr

Ecuador entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Transitland für den Drogenschmuggel. Aus den Anrainerstaaten wird Kokain in das Land geliefert und von dort an den großen Abnehmer Brasilien, oder per Schiff nach Guatemala, Mexico und weiter in die USA und nach Europa geleitet. Dabei spielen gerade kleine Fischerboote eine große Rolle. Die Häfen werden nicht genügend von der Regierung überwacht, daher bieten sich Boote für die Lieferungen an. Viele Menschen, die früher mit dem Fischfang ihren Lebensunterhalt verdienten, sind inzwischen auf Drogenschmuggel umgestiegen. Oft werden Fischer von Piraten gezwungen, Rauschgifte auszuliefern, andere steigen freiwillig in das schmutzige Geschäft ein, da sie hierbei größere Profite erwarten. Meist werden sie reich belohnt, wenn sie sich dazu bereit erklärten, die teure Ware weiter zu verkaufen.1

Seit 2009 ist der Drogenhandel an der Küste drastisch angestiegen. Bis zu diesem Zeitpunkt war das US-Militär an der ecuadorianischen Küste präsent und konnte den Schmuggel gering halten. Seit dem Abzug der Truppen ist dieser wieder rasant angestiegen. Besonders Container sind für den Transport von Drogen sehr im Trend, denn nur ein geringer Teil von ihnen wird vor der Verschiffung kontrolliert.1 Heute werden nach Angaben des US State Department jährlich etwa 120 Tonnen Kokain durch Ecuador geschleust.2

Schon seit einigen Jahren konzentriert sich die Regierung Ecuadors wieder zunehmend auf die Bekämpfung der Drogengeschäfte im Land. Im Zuge dessen wurden unzählige Schmuggler und Händler  inhaftiert. Einen direkten Zusammenhang zwischen den Drogenschmugglern und den Fischern herzustellen, ist allerdings schwierig. Allem Anschein nach sind Fischer meist nicht dauerhaft in den Drogenhandel involviert, sondern nehmen nur Gelegenheiten wahr, schnell und einfach Geld zu verdienen.3

Einige Fischer steigen aber auch in den Drogenhandel ein, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Aufgrund der Überfischung der Meere wird es für sie immer schwieriger, genügend Fische zu fangen, um ihre Familien zu ernähren. In der Fischfangindustrie, die im großen Stil von den westlichen Mächten betrieben wird, wird das Regenerationsvermögen der Bestände nur selten oder unzureichend berücksichtigt. Mit moderner Technik ist es kein Problem mehr, große Fischschwärme zu orten und diese bis auf den letzten Fisch aus dem Wasser zu holen. Mit kilometerlangen Netzen haben die Fische keine Chance, ihnen zu entgehen.4

Ecuador hat im vergangenen Jahr neue Gesetze zum Umgang mit kleinen und großen Drogendealern beschlossen.5 Durch strengere Gesetze und eine genauere Überwachung der Einhaltung in Ecuador, wurden in den letzten drei Jahren 300 Fischer wegen Drogenhandels inhaftiert. Dies zeigt erneut die zentrale Rolle Ecuadors im Drogenhandel per Boot. Auch diese 300 Fischer wurden von Drogenhändlern in das Geschäft gelockt. So berichtete ein Fischer, ihm wurden 80.000 US-Dollar versprochen, um zwei Tonnen Kokain zu schmuggeln.6 Im Jahr 2015 wurden etwa fünfmal so viele Drogen konfisziert wie im Vorjahr. Das zeigt das Ausmaß des steigenden Drogenhandels. Der Großteil dieser Drogen war für den internationalen Markt gedacht und nur ein kleiner Teil für den Konsum im Inland.7

  1. InSight Crime: Ecuador’s Cocaine Pirates: Part I; veröffentlicht am 14.03.2014 [] []
  2. international: Here There Be Narco-Pirates; veröffentlicht am 19.05.2014 []
  3. InSight Crime: Ecuador’s Cocaine Pirates: Part II; veröffentlicht am 16.03.2014 []
  4. Greenpeace: Überfischung []
  5. InSight Crime: Ecuador Toughens Drug Laws, Muddles Policy; veröffentlicht am 10.09.2015 []
  6. InSight Crime: Ecuador: 300 Fishermen Arrested for Drug Trafficking in 3 Years; veröffentlicht am 25.02.2016 []
  7. InSight Crime: Ecuador Drug Seizures Dkyrocket; veröffentlicht am 24.02.2015 []

Über Lotta / earthlink

Ich studiere Politik und Gesellschaft an der KU in Eichstätt. Ich bin sehr interessiert an Umweltpolitik, dem Nahen Osten und internationalen Zusammenhängen von Konflikten.

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