Umdenken in Thailand – Entzugskloster hilft den Drogenabhängigen

Bild: © buck82 [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Der Drogenkrieg in Philippinen sorgt weltweit für Schlagzeilen. Durch sein  brutales Vorgehen sind schon hunderte Drogenabhängige und kleine Dealer  umgebracht worden. Der ehemalige Ministerpräsident führte 2003 einen ähnlich restriktiven Drogenkrieg. Laut Menschenrechtsorganisationen wurden bei außergerichtlichen Tötungen damals 2800 Menschen umgebracht.1 ,2 Thailand hat immer noch extrem strikte Drogengesetze, es werden nicht nur die Händler, sondern auch immer noch die Abhängigen bestraft. Entzugskloster helfen den Menschen zwar aus der Sucht, um langfristig und präventiv gegen die Drogenproblematik vorgehen zu können, muss aber umgedacht werden.

Drogen sind ein riesiges Problem in Thailand. Viele Junge verfallen ihnen und das führt zu Familienproblemen und Kriminalität. Unsere Gefängnisse sind überfüllt mit Drogenkriminellen. Die Politiker wollen, dass wir hart vorgehen“, so Pornchai Charoengwong, Chef der thailändischen Drogenbekämpfungseinheit. Die Ausbeuten der nächtlichen Razzien nehmen nicht ab: Gewehre, bunte Motorradhelme und kistenweise Schmuggelwaren sowie Drogen. Für Charoengwong ist das Alltag.

70 Prozent der Insassen thailändischer Gefängnisse sind Drogenabhängige und Drogenkriminelle. Kleinste Mengen an Substanzen wie Heroin, Kokain, Haschisch oder Amphetamine werden mit jahrelanger Haft bestraft, größere Mengen sogar mit dem Tod.2 Die Droge, die in Thailand am meisten konsumiert wird, ist Yaba – übersetzt bedeutet der Name so viel wie ein Mittel, das „verrückt macht“. Es wird einfach und billig produziert, es gilt als die neue Droge der Jugendlichen und Mittelschicht. Allerdings verursachen die kleinen Methylamphetamin-Tabletten, die einen tagelang wach halten, schnell Nieren- und Gehörschäden.3 Die meisten Abhängigen sind arme Arbeiter, die Überstunden leisten müssen.

Die Gefängnis- oder Todesstrafe kann man umgehen, wenn man sich vor einer Festnahme selbst in das Entzugskloster Thamkrabok außerhalb von Bangkok einweist. Dort helfen Mönche den Drogenabhängigen seit 50 Jahren mit natürlichen mitteln, von den Drogen abzulassen.2 Für manche ist das der letzte Ausweg. Die Therapie: Früh aufstehen, ein Gelübde ablegen, meditieren und den Körper reinigen – auf die harte Tour. Etwa 85% der Klienten sind Thailänder, denn die staatlichen Krankenhäuser können keine kompetente Betreuung anbieten. Außerdem schämen sich die Patienten und ihre Familien, einen Drogenabhängigen in der Familie zu haben, für sie bedeutet das einen beträchtlichen Ehrverlust. Ein Aufenthalt im respektierten Wat Thambarok mildert diese Schmach und bietet unter den Buddhisten eine Chance, religiösen Dienst zu leisten.4

Der stellvertretende Abt des Klosters, Pra Ajarn Vichit Akkrachitto ist sich sicher, weder die harten Strafen noch der Entzug sind die Lösung für das Drogenproblem in Thailand. Im Gefängnis würden die Abhängigen nur weiter in die Misere geraten, da sie andere Abhängige und Dealer kennen lernen. Und auch nach dem Entzug sei es schwer, niemand würd ihnen helfen, wieder Fuß zu fassen. Man müsse mehr Geld in die Prävention stecken. „Junge Leute müssen das Risiko kennen. Wir müssen sie unterstützen, damit sie ein glückliches erfülltes Leben führen können. Dann kommen sie nicht in Versuchung, Drogen zu nehmen.“

Das gibt auch der Chef der Drogenbekämpfung zu, er sagt „Die Familie und die gesamte Gesellschaft müssen mit einbezogen werden.“ Das hat nun auch die thailändische Regierung erkannt. Sie will mehr Geld in Präventionsmaßnahmen stecken. Sie denken auch darüber nach Yaba zu entkriminalisieren und Drogen mehr als ein Gesundheitsproblem zu verstehen.2

  1. dw: Späte Tätersuche nach dem Drogenkrieg in Thailand; Artikel vom 28.1106 []
  2. srf: Drogenproblem in Thailand nicht gelöst; Artikel vom 16.09.16 [] [] [] []
  3. Zeit Online: Opium ist out; Artikel vom 11.05.15 []
  4. Deutschlandfunk:  Drogenentzug im Tempel; Meditieren und Erbrechen; Artikel vom 3.08.16 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!

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