Folgen des Fentanyl-Skandals – das neue Heroin?

Fentanyl Lolli

Fentanyl Lolli Bild: © amir [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Im Dezember wurden Top-Führungskräfte des großen amerikanischen Pharmakonzerns Inysys Therapeutics  verhaftet, aufgrund der Anklage,  illegale Geschäfte mit Fentanyl, einem Opiat geführt zu haben. Das hatte nicht nur einen Anstieg der jährlichen Überdosierungen aufgrund von auf Fentanyl basierenden Präparaten zur Folge, sondern soll die illegale Herstellung, den Handel und zuletzt auch den blutigen Kartellkrieg im Nachbarland Mexiko angefeuert haben.1

Fentanyl ist ein synthetisches Opioid, das sich von Morphin ableitet, aber 100-mal wirksamer als sein Bezugsstoff ist. Es wird oft bei Operationen zur Narkotisierung verwendet oder gegen langanhaltende starke Schmerzen bei Krebspatienten verschrieben. Die Wirkung setzt rasch ein, weshalb es auch  in der Notfallmedizin hilfreich ist.2 Die von Insys hergestellten Sprays wurden 2012 deshalb nur für Verschreibung an Krebspatienten auf einem kleinen Markt genehmigt.

Trotzdem sollen nun schon seit Jahren Ärzte von Insys bestochen worden sein,  Rezepte vermehrt auch an Patienten auszustellen, die nicht an Krebs erkrankt sind, wie die Staatsanwälte nun behaupten. Das hatte höhere Gewinne für den Konzern zur Folge.  Die Bestechungs- und Schmiergelder wurden als Zahlungen für den Praktizierenden oder für Reden auf Marketing-Veranstaltungen getarnt. Mitarbeiter von Insys logen auch Krankenversicherungen an, wenn diese nicht bereit waren, die Kosten für Nicht-Krebspatienten zu übernehmen.

Harol Shaw, FBI Special Agent, erklärte nach den Verhaftungen, dass die illegalen Geschäfte zur wachsenden Opiat-Epidemie beitrugen. Nach Angaben des US-Zentrums für Gesundheitsstatistiken stiegen die opiatbedingten Todesfälle innerhalb eines Jahres von 2014 bis 2015 um 15 Prozent an. Genau in diesem Zeitraum agierte auch der angeklagte Pharmakonzern. Besonders aber die Zahl der synthetischen Opiatüberdosierungen, viele durch auf Fentanyl basierende Präparate, stieg im gleichen Zeitraum sogar um 43 Prozent an, von 5544 auf 9580 Todesfälle.

Die fragwürdigen Strategien der Konzerne um die Pharmaindustrie zu schützen, führen also zu mehr Suchtkranken, vermehrten Todesfällen und zu einem stetig wachsenden Schwarzmarkt. Mittlerweile werden auch in illegalen Produktionsstätten ähnliche Versionen des Fentanyls hergestellt. Diese stammen häufig aus China und in geringem Maße auch aus Mexiko. Die erhöhte Produktion ist deutlich als eine Reaktion auf die stetig wachsende US-Nachfrage zu sehen.

In der Vergangenheit hatte schon die hohe Heroin-Nachfrage in den USA indirekt zu organisierten Verbrechen in den südlichen Ländern geführt. Das hatte mehr Konflikte zwischen mexikanischen, guatemaltekischen und kolumbianischen kriminellen Gruppen zur Folge.  Eine ähnliche Dynamik ist nun auch bei Fentanyl zu beobachten, wobei diese Droge ein deutlich lukrativeres Geschäft zu sein scheint. So zum Beispiel befinden sich das Sinaloa-Kartell und das Jalisco-Kartell in Mexico derzeit in einem heftigen Kampf über lokale und internationale kriminelle Märkte.

Mit dem wachsenden Fentanyl-Markt und dem organisierten Verbrechen auf dem Vormarsch, könnte dieser äußerst profitable Drogenhandel den Konflikt in Mexiko noch weiter antreiben.3 Das würde dazu führen, dass weiterhin die Polizei, das Militär und die Mitglieder der Kartelle und auch immer mehr Unschuldige in den Drogenkonflikt gedrängt werden. Sie sind den immer reicher und mächtiger werdenden Kartellen hilflos ausgesetzt und steigen aufgrund von Arbeits- und Perspektivlosigkeit in das illegale Drogengeschäft mit ein.4

 

  1. InSightCrime: US Arrests Drug Company Execs for Allegedly Fueling Opioid Epidemic; Artikel vom 09.12.2016 []
  2. Flexikon DocCheck: Fentanyl; aufgerufen am 04.01.2017 []
  3. InSightCrime: US ArrestsDrug Company Execsfor Allegedly Fueling Opioid Epidemic; Artikel vom 09.12.2016 []
  4. Planet Wissen: Drogenkrieg in Mexiko; aufgerufen am 04.01.2017 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!

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