Paraguay: Größter Marihuana-Produzent Südamerikas

Bild: © Michael_w - Wikimedia Commons

Paraguay ist mit geschätzten 50 000 Tonnen jährlich Südamerikas größter Marihuana- Produzent. Dabei werden allerdings nur ungefähr fünf Prozent im eigenen Land konsumiert, der Rest wird aus dem Land rausgeschmuggelt. 80 Prozent des Marihuanas werden illegal nach Brasilien gebracht, vor allem in die Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo, der Rest geht nach Chile, Argentinien und Uruguay.

Noch vor einem Jahrzehnt wurde der Marihuana-Handel in Paraguay ausschließlich durch zwei große kriminelle Banden angeführt, der First Capital Command (PCC) aus Brasilien und dem Red Command (CV). Inzwischen ist festzustellen, dass viele Banden zusammen arbeiten und sich ein kriminelles Netzwerk aufgebaut haben: Brasiliens Banden kümmern sich um Cannabis aus dem Norden Paraguays, Parguayaner selbst sind für den Transport zuständig und Argentinier vermarkten das Rauschmittel dann. Die PCC und CV sind aber auch heute noch sehr stark im Schmuggel und Handel involviert.

Die Hauptschmuggelroute vom begehrten Rauschmittel stellt der Paraguay River dar, der in Argentinien zum Paraná River wird. Er mündet nahe der Hauptstadt Argentiniens, Buenos Aires, und der Grenze zu Uruguay in den Atlantik. Eigentlich ist Drogenschmuggel in Schiffen weniger populär als Land- oder Flugzeugschmuggel, aber Frachter weisen eine deutlich größere Kapazität für den Transport der Rauschmittel auf. Im letzten Jahr konnten 32 Tonnen Marihuana aus Schiffen beschlagnahmt werden, der Fund beschränkte sich aber lediglich auf zwei Frachter. Die selbe Menge könnte nur durch etwa 80 Kleinflugzeuge geschmuggelt werden. Zudem passieren täglich an die 300 Boote den Fluss, wodurch die Kontrollen sich als äußerst schwierig gestalten. Daneben dürfen argentinische Kontrolleure nur Frachter durchsuchen, deren Ziel Argentinien ist – eine weitere Lücke zugunsten der Schumggler.1

Die paraguayanischen Bauern sind im illeglaen Handel wie so oft die Ärmsten. Sie bekommen für ein Kilogramm Marihuana ungefähr 30 Dollar, während der Straßenpreis in Chile bis zu 2800 Dollar beträgt und die Bootscrew pro Schmuggel um die 10 000 Dollar verdient.1 Den Landwirten bleibt oft keine Alternative zum Drogenanbau, da vor allem in Norden Paraguays der Handel durch Brasilianer kontrolliert wird und für lokale Produkte wie Yuca kaum Profite erzielt werden können. Ein weiteres wichtiges Agrarprodukt aus Paraguay ist Soya, dessen Anbau wiederum durch große Agrarkonzerne iniitiert wird, die den Bauern meist auch keinen guten Lohn zahlen. Im Norden des Landes gibt es Gebiete, in denen acht von zehn Familien vom Cannabisanbau leben. Es ergibt sich ein Teufelskreis, denn die Jugendlichen dieser Familien müssen oft früh schon beim Anbau und der Ernte des Rauschmittels mithelfen und können meist nicht zur Schule gehen. Ihnen bleibt dann auch nichts anders übrig, als den Familienbetrieb zu übernehmen und selbst Cannabis zu kultivieren.2

Paraguay versucht durch Eradikation Felder an der Grenze zu Brasilien zu zerstören und konnte damit auch teilweise Erfolge erzielen.3 Dennoch tut sich das Land im Kapf gegen die Drogen schwer, vor allem auch durch den Schiffsschmuggel. Da in Uruguay 2013 der Konsum von Cannabis legalisert wurde, geht auch ein großer Teil des Rauschmittels aus Paraguay in dieses Land, da der Preis für Cannabis aus Praguay deutlich geringer ist.4

  1. InSightCrime: Mapping Paraguay’s Marijuana Trail; Artikel vom 03.11.2016 [] []
  2. BBC: Las terribles causas y consecuencias de que Paraguay sea el mayor productor de marihuana de Sudamérica; Artikel vom 27.10.2016 []
  3. InSightCrime: Paraguay’s Marijuana Trade: The Bitter Green Smell of the Red Land; Artikel vom 04.08.2014 []
  4. InSightCrime: Mapping Paraguay’s Marijuana Trail; Artikel vom 03.11.2016 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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