Peru: Eradikation der Kokafelder oder Alternative Entwicklung?

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Peru  verfolgt eine repressive Drogenpolitik, welche von Eradikation und Verboten geprägt ist. Die Eradikation, also die Vernichtung der Kokafelder, ist eine Maßnahme, die auf den ersten Blick durchaus effektiv erscheint. Jedoch beseitigt diese das Problem nicht, sondern verlagert es nur. Dieses Phänomen wird „Baloon-Effect“ genannt. Drückt man bei einem Ballon an einem  Ende, so wird die ganze Luft an das andere Ende gepresst.1

Analog dazu führt die Eradikation in einer Region dazu, dass die Produktion in eine andere Region verschoben wird. Diesen Effekt kann man in Peru und Kolumbien beobachten. Zwar nahm der Anbau von Kokain in Peru in den letzten Jahren ab, verstärkte sich als Folge aber in Kolumbien.2

Dies legt nahe, dass illegale Gruppen, die Kontrolle über größere Mengen an Kokain erlangen. In Peru gibt es die Shining-Path-Rebellen, deren Territorium zwar nur die abgelegenen Apurimac-, Ene- und Mantaro-Flusstäler (VRAEM) einschließt,  diese Region ist jedoch das Zentrum des Koka-Anbaus und produziert 44 Prozent der Kokapflanzen. In Kolumbien überwacht die FARC, eine linksgerichtete Guerillabewegung einen großen Teil der kolumbianischen Kokaversorgung.3 Die Flexibilität der Gruppen erschwert der Regierung die vollstände und langfristige Zerstörung der Kokaplantagen. Die Eradikation ist nicht nur keine nachhaltige Maßnahme, sie schadet auch der Natur sowie den Bauern und ihren Familien. Sie sind finanziell nicht abgesichert und leben meist in armen Regionen.4 Die Vernichtung der Felder nimmt ihnen nicht nur ihre Ernte sondern zerstört ihre Lebensgrundlage.

Eine weitere Möglichkeit der Drogenbekämpfung ist die alternative Entwicklung. Dabei sollen die verbotenen Pflanzen durch legale Nutzpflanzen wie Bananen, Palmherzen,  Kakao oder Kaffee ersetzt werden. Diese Programme verfolgen meist zwei Ziele: Die Reduzierung des Drogenanbaus und die Entwicklung der armen ländlichen Regionen. Bereits die Ziele werden jedoch stark kritisiert. Es wird argumentiert, dass mit den Projekten höchstens die lokale Entwicklung gefördert wird, jedoch im Kampf gegen den Anbau der illegalen Pflanzen kein Fortschritt erreicht werden kann. Die alternative Entwicklung ändert nichts am „Balloon Effect“ der Anbau der Kokapflanzen wird nur in andere Regionen verlagert.5

Ebenfalls ist umstritten, inwiefern die alternative Entwicklung den ehemaligen Kokabauern hilft. Für den Anbau von Bananenstauden oder Palmherzen braucht es viel Landfläche und die Bauern müssen hohe Summen investieren. Bei Zitrusbäumen und Kakaopflanzen dauert es zudem sehr lange, bis sie Früchte tragen. Die Bauern können erst nach Jahren profitable Erträge einnehmen. Das führt in vielen Fällen dazu, dass sie ihre Kredite nicht rechtzeitig zurückzahlen können und noch weiter in die Armut getrieben werden. Dazu kommt, dass die Infrastruktur in den abgelegen Drogenanbauregionen sehr schlecht ausgebaut ist und es den Bauern an Möglichkeiten fehlt, legale Absatzmärkte für ihre Ernte zu erreichen.6

Meist  scheitern Projekte in Kolumbien und Peru an fehlender Absprache mit den Bauern,  schlechter Organisation und der kurzsichtigen Planung. Häufig werden bei den Projekten für alternative Entwicklung auch Eradikationen im Vorfeld durchgeführt, dies kann zu Lebensmittelknappheit, Verlust des Vertrauens innerhalb der lokalen Gemeinden und zu sozialen Konflikten führen.  Daher ist es notwendig, dass zuerst die Alternativen gepflanzt werden, bevor die illegalen Pflanzen entfernt werden, damit die Bauer nicht in Hungersnot geraten. Nur wenn eine weitsichtige Planung stattfindet, für genügend Absatzmöglichkeiten und eine bessere Infrastruktur gesorgt wird, können die Projekte erfolgreich sein.5 Dennoch sind die Programme für die alternative Entwicklung eine positive Wendung im sonst so repressiven Kampf gegen die Drogen.

  1. Coha: The Balloo0n Effect, In Effect; Artikel vom 11.10.2013 []
  2. InSightCrime: Why are Peru, Colombia Coca Numbers going in Opposite Directions?; Artikel vom 12.10.2016 []
  3. UNODC: World Drug Report 2016; Artikel von 2016 []
  4. Count the Costs: The war on drugs; environment briefing; zuletzt aufgerufen am 19.01.2017 []
  5. BMZ: Rethinking the Approach of Alternative Development; Artikel von 2013 [] []
  6. Stability: Citizenshio or Repression?; Artikel vom 31.03.2016 []

Über Amani / earthlink

Ich habe einen Bachelor in Ethnologie und reise leidenschaftlich gerne. Dadurch habe ich ein großes Interesse für internationale Geschehnisse und soziale Gerechtigkeit entwickelt. Bei earthlink helfe ich Licht auf Themen, wie Kinderarbeit, Umweltverbrechen und organisierten Drogenhandel zu werfen.
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