Südafrika: Billigdroge hat die Townships in Griff

Township (Durban, South Africa)

Bild: © Shubert Ciencia [CC BY-NC 2.0] - Flickr

In Südafrika ist vor allem unter der armen Bevölkerung eine äußerst minderwertige und gefährliche Droge populär. Sie wird Whoonga oder Nyaope genannt und besteht aus billigem Heroin, dem wahrscheinlich Rattengift, Waschmittelpulver oder HIV-Medikamente beigemischt werden. Geraucht wird es anschließend als Joint, mit Tabak oder Marihuana vermischt und ist für rund zwei Dollar recht einfach im Straßenverkauf, als Pulver in Päckchen zu beschaffen. Die Sucht nach dieser Billigdroge ist verheerend. Die Abhängigen werden oft kriminell, um sich den nächsten Rausch leisten zu können und in den Townships Südafrikas kommt es oft zu ausschreitenden Gewalttaten. Oft können die Süchtigen nicht mehr bei ihren Familien bleiben; Mütter fürchten um ihre Kinder. Einen Entzug kann sich praktisch niemand leisten und Südafrikas Krankenhäuser und Einrichtungen des Gesundheitswesens sind zu überfüllt, um sich dem Drogenproblem zu widmen.1

Wenn die Wirkung bei Süchtigen nachlässt, führt Nyaope vor allem zu Muskelsteifheit und Schmerzen, weswegen das Rauschmittel ein hohes Suchtpotenzial birgt. Für die Konsumenten ist es im berauschten Zustand oft einfach Geld zu verdienen, da sie sich leicht und frei fühlen. Wessel, ein Abhängiger, ist Müllsammler in seinem Township: Er bekommt pro Kilogramm gesammeltes Altplastik etwa zehn Cent. Nach 20 Kilogramm zusammengesuchtem Plastik kann er sich wieder ein neues Tütchen mit Whoonga besorgen. Er benutzt etwa 90 Prozent seines verdienten Geldes für die Droge. Da sie auch Hunger stillt und er meist kein Geld übrig hat, ernährt er sich hauptsächlich von Keksen. Seiner Mutter gaukelt er einen anderen Job vor und sie geht auch nicht näher auf seinen extremen Gewichtsverlust ein.2

Laut der WHO haben 15 Prozent der Bevölkerung Südafrikas ein Drogenproblem. Durch den Drogenhandel verliert die Wirtschaft im Lande jährlich mehrere Milliarden Euro. Vor allem im Norden des Landes ist Nyaope weit verbreitet, in Kapstadt dagegen wird meist Crystal Meth konsumiert.3 Die Verbreitung von Nyaope erfolgte sehr rasch. Erstmals wurde es von südafrikanischen Behörden im Jahr 2000 sichergestellt. Ebenfalls wird Heroin aus Afghanistan und Kokain aus Südamerika bezogen. Drogen bringen Südafrika viele Probleme. Die Jugendlichen bestehlen alle, sogar ihre Eltern, um das Rauschmittel zu besorgen. 2013 stieg die Kriminalitätsrate, in Zusammenhang mit Drogen, um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Begünstigt wird die Verbreitung der Droge durch eine sehr hohe Arbeitslosenrate, denn zwei Drittel der Südafrikaner zwischen 15 und 34 sind arbeitslos.

Für den Staat ist es nicht einfach, gegen die Drogennetzwerke vorzugehen, da Korruption bei Polizisten keine Seltenheit ist. Oft fragen sie sogar die Dealer nach Geld für Mittagessen und sehen somit über den Drogenhandel hinweg. Es fehlt dem Land an Möglichkeiten, die Droge als Gesundheitsproblem anzusehen und genügend Beratungs- und Suchtstellen einzurichten.4 Dennoch konfisziert und verhaftet der Sicherheitsapparat Südafrikas hin und wieder Drogenhändler und Rauschmittel. Zwischen 2012 und 2013 wurden 347 Kilogramm Metamphetamine sowie 145 Kilogramm Kokain sichergestellt, etwa dreimal so viel wie im Vorjahr. Parallel vermehrten sich auch Drogenlabore. Am 5. Juli 2014 wurden am Flughafen in Johannesburg Metamphetamine im Wert von rund 4,26 Millionen Dollar beschlagnahmt.5 Letzte Woche konnten bei einem 55-Jährigen 20 Gramm Methcathinon, ein Amphetamin, sichergestellt werden sowie weitere Packungen von Metamphetaminen. Vier weitere Verdächtige wurden ebenfalls inhaftiert. Bei ihnen wurden 446 Heroinkapseln und Marihuana gefunden im Wert von knapp 1 000 Euro. Durch Festnahmen können Polizisten weiter Einblick in die Drogennetzwerke bekommen und somit gegen den illegalen Drogenschmuggel vorgehen.6

  1. DW (Deutsch): Nyaope: Billigdroge überschwemmt Südafrika | DW Nachrichten; Video vom 04.09.15 []
  2. Welt: „Ich habe Angst, an diesem Monster zu verrecken“; Artikel vom 05.01.16 []
  3. Neue Züricher Zeitung: «Diese Droge zerstört deine Seele»; Artikel vom 30.01.16 []
  4. Welt: „Ich habe Angst, an diesem Monster zu verrecken“; Artikel vom 05.01.16 []
  5. U.S. Department of State: 2014 International Narcotics Control Strategy Report (INCSR); South Africa; Stand vom 31.01.17 []
  6. allAfrica: South Africa: Police Strike Again On Drug Dealers; Artikel vom 25.01.17 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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