Uruguay: Drei Jahre nach der Legalisierung – Der Staat als Dealer?

Bild: © Brett Levin [CC BY 2.0] - flickr

Vor drei Jahren legalisierte Uruguay als erstes lateinamerikanisches Land Marihuana. Noch kaufen sieben von zehn Konsumenten auf dem Schwarzmarkt ein. Die langwierige Umstellung der Gesetze schaffte hierfür Lücken. Dennoch bewahrheiteten sich keine Spekulationen, mehr Bewohner würden drogenabhängig werden. Tatsächlich trat eher das Gegenteil ein: Die Nachfrage sank mit dem Reiz des Verbotenen. Auch andere Vorteile brachte die Freigabe und soll sie noch erzielen. Deshalb möchte das Land nun selbst mit in die Graswirtschaft einsteigen – der Staat als Dealer?1 2

Als Uruguay Ende 2013 den neuen Weg in seiner Drogenpolitik ankündigte, wurde diese Entscheidung von vielen kritisch gesehen. Dennoch wagte das Land die Legalisierung: Nach Jahren des Drogenkrieges konnte weder die kriminelle Gewalt der Kartelle unterbunden noch die Anzahl der Abhängigen reduziert werden. Prävention statt Repression lautete die neue Devise. Profite der kriminellen Händler sollen untergraben und regelmäßige Konsumenten vom Schwarzmarkt ferngehalten werden. Außerdem wird die Qualität des legal in Apotheken zu kaufenden Marihuanas durch kontrollierten Anbau und Weiterverarbeitung gesichert. Dazu kommt, dass jeder Uruguayer sechs Cannabispflanzen für den Eigenbedarf besitzen oder einem Club beitreten kann, durch welchen er monatlich sein Produkt erhält.31

Allerdings gab es rechtlich bedingte Verzögerung und der für Juli 2016 ankündigte Verkauf in Apotheken wurde immer weiter nach hinten verschoben. Apotheken fürchten, dass sie Drohungen und Gewalt von den kriminellen Kartellen erwarten müssten, sobald sie sich eine Lizenz zum Verkauf vom Staat erwerben würden. Andere wollen ihre langjährigen Kunden nicht verlieren. Außerdem fordert der legale Verkauf ein großes Maß an Organisation. Verschiedene Akteure müssen mit einbezogen werden: Produzenten, Vorarbeiter, Händler und Konsumenten.1

„Die staatlich kontrollierte Abgabe von Marihuana sorgt nicht nur dafür, dass die Konsumenten weniger gesundheitliche Risiken wegen verunreinigtem und gestrecktem Gras fürchten müssen, sie trocknet auch den Sumpf der illegalen härteren Drogen aus, indem sie den Kriminellen ihre Existenzgrundlage nimmt – und zusätzlich sorgt die Legalisierung dafür, dass Marihuana den Reiz des Verbotenen verliert.“, erklärt Raqel Peyraube, medizinische Beraterin im staatlichen Institut für die Regulation und Kontrolle von Cannabis. Tatsächlich ist die Zahl der aktiven Konsumenten seit der Legalisierung nicht angestiegen.4 Insgesamt sind es zwischen 200.00 und 235.000 Konsumenten in Uruguay. Diese Zahl lässt sich prozentual zur Bevölkerung etwa mit der Deutschlands vergleichen.1

Allerdings ließ sich eine Zunahme der Konfiszierungen von Marihuana beobachten. Grund dafür ist die langwierige Umstellung der Gesetze, dadurch entstand eine gewisse Leere, die der Schwarzmarkt füllen konnte. Noch ist der illegale Handel ein profitables Geschäft. Mit dem bevorstehenden Verkauf von Marihuana in Apotheken besteht die Aussicht auf vollständige Unterbindung oder zumindest eine Reduzierung der Schwarzmärkte.5

 

 

 

  1. InSight Crime: Delays in Uruguay Marijuana Law Leave Door Ajar for Drug Trafficking; Artikel vom 23.01.2017 [] [] [] []
  2. n-tv: Drei  Jahre nach der Legalisierung; Uruguay wagt die freie Graswirtschaft; Artikel vom 22.01.2017 []
  3. Spiegel: Marihuana in Uruguay; Amerikas Drogenversuchslabor; Artikel vom 15.09.2013 []
  4. n-tv: Drei  Jahre nach der Legalisierung; Uruguay wagt die freie Graswirtschaft; Artikel vom 22.01.2017 []
  5. InSight Crime: Rise in Uruguay Marijuana Seizures Presents Challenge to Reforms; Artikel vom 18.01.2017 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!
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