Bangladesch: Perspektivlosigkeit treibt Rohingya in den Drogenhandel

Rohingya

Bild: © European Commission DG ECHO [CC BY-ND 2.0] - Flickr

Viele Angehörige der muslimischen Minderheit in Myanmar, der Rohingya, müssen aufgrund von Verfolgung nach Bangladesch fliehen. Dort rutschen sie oft, bedingt durch ihre Perspektivlosigkeit, in die aufblühenden Drogengeschäfte im südasiatischen Land ab.

Die Rohingya, die hauptsächlich im Nordwesten Myanmars beheimatet sind, gelten als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten weltweit. Sie sind schon seit langem Anfeindungen ausgesetzt, die sich in letzter Zeit besonders stark durch Gewalt gegen die Rohingya äußern. Immer öfter kommt es zu Vertreibungen, gezielten Tötungen und Vergewaltigungen. Ein Bericht der UNHCR zeigt Zustände auf, die an einen Genozid erinnern.1

Vor der Gewalt fliehen viele ins benachbarte Bangladesch. Hier sind sie jedoch ebenfalls Vorurteilen ausgesetzt. Da ihnen als myanmarische Bürger nicht erlaubt ist, in Bangladesch zu arbeiten, müssen viele Rohingya mit illegalen Geschäften Geld verdienen. Oft sind sie dabei in die immer wichtiger werdene Drogenökonomie Bangladeschs involviert.

Zum Beispiel in den Handel mit der in Bangladesch immer beliebter werdenden Droge Yaba, einer Mischung aus Methamphetamin und Koffein. Da die Rohingya von der myanmarischen Regierung nicht als Staatsbürger anerkannt werden und somit staatenlos sind, sind ihre Bewegungen nur schwer von der bangladeschischen Polizei zu verfolgen. Aus diesem Grund werden sie von Drogenhändlern bevorzugt als Kuriere eingesetzt. Während die Männer sich auf diese Weise strafbar machen und oft inhaftiert werden, ist für Frauen der vermeintlich einzige Ausweg aus der Armut oft die Prostitution. Durch die Verstrickungen in den Drogenhandel, in dem sie jedoch nur ein kleines Zahnrad darstellen, werden die Rohingya oft beschuldigt, Auslöser für den Meth-Boom in Bangladesh zu sein.2

Die bangladeschische Regierung hat Pläne veröffentlicht, die geflüchteten Rohingya auf Thengar Char, einer kleinen Insel im Golf von Bengalen, unterzubringen. Die Insel ist im Winter unzugänglich und wird vom Monsum verwüstet. Leben ist dort also nur unter menschenunwürdigen Bedingungen möglich. Es wurde zwar von Seiten der Regierung behauptet, man werde zunächst für eine Infrastruktur auf der Insel garantieren, dennoch sprechen Anführer der Rohingya von einer gezwungenen Umsiedelung.3

Durch die weitverbreitete Ablehnung ihrer Volksgruppe sehen sich viele Rohingya dazu gezwungen, Geld durch illegale Geschäfte zu verdienen. Dadurch tragen sie zwar zum bangladeschischen Drogenproblem bei. Es ist jedoch weit gefehlt zu meinen, man könne die Lage verbessern, indem man Straffällige wegsperrt, ohne die Situation für die Rohingya zu verbessern und ihnen Perspektiven zu bieten, oder eine gesamte Volkgruppe vom Festland abzuschieben und so ihre Problematik unter den Teppich zu kehren. Die Drogenproblematik muss strukturell angegangen werden, indem man legale Arbeitsmöglichkeiten, Chancen auf Bildung und Aufenthaltsgenehmigungen für die Flüchtlinge aus Myanmar schafft.

  1. ze.tt: In Myanmar passiert gerade womöglich ein Genozid; Artikel vom 09.02.17 []
  2. Reuters: Stateless Rohingya refugees sucked into booming Bangladesh drug trade; Artikel vom 27.02.17 []
  3. Welt: Bangladesch wirbt für Umsiedlung der Rohingya auf entlegene Insel; Artikel vom 06.02.17 []

Über Johannes / earthlink

Ich studiere derzeit Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU in München. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu Themen verbreiten, die sonst kaum oder nicht beachtet werden.
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